Route: Tirana → Shkodra → Koman Lake → Shala River → Valbona → Theth → Shkodra
Albanien stand schon länger auf unserer Liste – eines dieser Reiseziele, über das man immer wieder liest, das aber irgendwie noch unter dem Radar fliegt. Gerade deshalb haben wir uns schließlich entschieden, den Sprung zu wagen. Und was wir erlebt haben, hat uns nicht enttäuscht. Der Norden des Landes ist geprägt von den albanischen Alpen, tiefen Schluchten, Bergseen und klaren Gebirgsflüssen. Massentourismus sucht man hier vergebens, die Infrastruktur ist überschaubar, und genau das macht den Reiz aus: Wer hierher kommt, erlebt eine Gegend, die noch nicht vollständig vom Tourismus eingenommen wurde und von Reisenden entdeckt wird, die Abenteuer und Authentizität mehr schätzen als Komfort und Konsum. Hier ist unser Bericht.
Die Tour, für die wir uns entschieden haben, führt von Shkodra über den Koman-See und den Shala River ins Valbona-Tal und schließlich nach Theth. Sie lässt sich gut in fünf bis sieben Tagen bereisen und kombiniert Bootsfahrten, Übernachtungen in einfachen Guesthouses und einen der bekanntesten Bergtreks des westlichen Balkans. Die Organisation ist dank lokaler Shuttle-Anbieter und gut vernetzter Hostels in Shkodra auch ohne aufwendige Vorplanung möglich – ein Vorteil, der die Route besonders für Individualreisende und Backpacker interessant macht. Wir haben die Tour selbst im Sommer unternommen.
Den eigentlichen Rundtrip haben wir über das TIAS Hostel (https://tiashostel.com/) gebucht. Das ist eines der bekannteren Hostels und organisiert eine 4-Tages-Tour durch den Norden Albaniens. Wahrscheinlich kann man auch nur die Tour mit dem Hostel machen und sich um die Unterkünfte selber kümmern. Kommunikation mit denen funktioniert über WhatsApp und ist super unkompliziert.
Man kann entweder in den normalen Gruppenunterkünften schlafen oder gegen einen kleinen Aufpreis private Zimmer buchen. Man ist auch nicht komplett an den Ablauf gebunden. Wenn man z. B. an einem Ort noch eine zusätzliche Nacht bleiben möchte, kann man eine private Nacht dazubuchen und sich am nächsten Tag wieder der nächsten Gruppe anschließen.
Das Hostel organisiert alles, was man braucht. Man bekommt einen Umschlag mit den verschiedenen Tickets, die man unterwegs einfach entsprechend einlöst. Darin sind u. a. Unterkünfte, Mahlzeiten, Transfers und die jeweiligen Boote enthalten – also eine ziemlich komplette Rundum-Organisation.
Tag 1 – Ankunft in Tirana und weiter nach Shkodra
Nach der Landung in Tirana stand für uns direkt fest: Wir wollen so schnell wie möglich in den Norden. Unser Hostel hatte uns einen Shuttle nach Shkodra empfohlen – eine unkomplizierte und günstige Lösung für rund 11 Euro pro Person. Wer die Zeit und Energie hat, kann auch den öffentlichen Bus nehmen, aber nach einem Flugtag war der Shuttle genau das Richtige.
Die Fahrt nach Shkodra dauert offiziell etwa zwei Stunden – mit Verkehr und kleinen Pausen sollte man aber eher drei Stunden einplanen. Die Strecke führt durch eine wechselhafte Landschaft: flache Ebenen, kleine Dörfer, ab und zu ein altes Betonbunker am Straßenrand – ein stilles Überbleibsel der kommunistischen Ära, das einen sofort daran erinnert, dass man hier in einem Land unterwegs ist, das eine ganz eigene Geschichte trägt.
In Shkodra angekommen, haben wir unsere Rucksäcke abgelegt und sind direkt in die Altstadt aufgebrochen. Die Stadt ist nicht groß, und das meiste Sehenswerte lässt sich in einem entspannten Nachmittagsspaziergang erkunden – die Rozafa-Festung thront auf einem Hügel über der Stadt und bietet einen ersten, wunderschönen Blick über das Land, die Drini mündet unweit in den Shkodrasee, und die Fußgängerzone lädt zum ersten Kennenlernen des albanischen Straßenlebens ein.
Tag 2 – Koman Lake und der Shala River
Frühmorgens wurden wir mit einem Shuttle abgeholt und Richtung Koman Lake gebracht. Schon die Anfahrt macht klar, dass man sich hier vom vertrauten Touristentrubel verabschiedet hat. Die Straßen werden schmaler, die Bergketten höher, das Grün intensiver.
Am Koman-Stausee wechselten wir das Fortbewegungsmittel: Ein Boot übernahm uns für die nächsten Stunden – und was folgte, war einer der unvergesslichsten Transfers, den man sich vorstellen kann. Der Koman-See liegt eingebettet in enge Schluchten, das Wasser ist von einem tiefen, unglaublichen Türkisblau, und die Felsen zu beiden Seiten ragen weit in den Himmel hinauf. Man sitzt auf dem Boot, schweigt und schaut – mehr braucht es nicht.
Tag 3 – Weiter nach Valbona
Gegen 14 Uhr wurden wir am Shala River abgeholt und die Fahrt Richtung Valbona begann. Das Valbona-Tal im Herzen der albanischen Alpen ist Teil des Prokletijë-Nationalparks – eines der wildesten und eindrucksvollsten Gebirgsgebiete auf dem gesamten Balkan. Die Anreise selbst ist bereits ein Erlebnis: Die Straßen werden immer abenteuerlicher, die Gipfel immer imposanter, und irgendwann hat man das Gefühl, in einem anderen Jahrhundert angekommen zu sein.
Wir haben in Guesthouse Kol Gjoni übernachtet – klein, einfach, aber absolut ausreichend und herzlich geführt. Direkt daneben liegt das AMZA Valbona Mountain Retreat, das von außen schon beeindruckend wirkte und offensichtlich eine etwas luxuriösere Option für die Region darstellt – für alle, die nach dem Wandertag ein bisschen mehr Komfort bevorzugen.
Tag 4 – Die Valbona-Theth-Wanderung
Um 6 Uhr morgens wurden wir geweckt – oder besser gesagt: abgeholt. Zwei alte Mercedes-Busse warteten bereits und brachten uns zum Startpunkt der berühmten Valbona–Theth-Wanderung, einem der schönsten Trekkingwege auf dem gesamten Balkan.
Die Strecke ist rund 15 Kilometer lang, und wir können die Richtung Valbona → Theth wärmstens empfehlen. Der Auftakt ist fordernd: Etwa eine bis anderthalb Stunden geht es bergauf, ohne Pause, ohne Verschnaufpause. Es ist anstrengend – aber machbar, auch für Menschen, die nicht regelmäßig wandern. Der Schweißtropfen lohnt sich: Oben auf dem Pass eröffnet sich ein Panorama, das einen buchstäblich innehalten lässt. Gipfel in alle Richtungen, tiefe Täler darunter, Stille, die man fast hören kann. Hier haben wir unsere Lunchpakete ausgepackt und einfach geschaut.
Impressionen von der Wanderung bei schönstem Wetter, wobei es während unserer Tour fast schon etwas zu heiß war. © Emilia Simons
Danach geht es rund dreieinhalb Stunden sanft bergab – deutlich entspannter, mit immer neuen Ausblicken und kleinen Hütten am Wegesrand, an denen man Wasser, Säfte und Snacks kaufen kann. Diese informellen Rastplätze sind ein fester Teil des Weges und retten einen, wenn der Wasservorrat zur Neige geht.
Ein wichtiger Hinweis: Im Juli und August wird es auf diesem Weg heiß. Wirklich heiß. Wer kann, sollte so früh wie möglich starten – nicht nur wegen der Temperaturen, sondern auch weil man dann den schönsten Teil des Weges in der noch kühlen Morgenluft hinter sich bringt.
Tag 5 – Das Blue Eye von Theth
Theth hat noch einen letzten Trumpf im Ärmel: das Blue Eye, eine natürliche Karstquelle, die im wahrsten Sinne des Wortes wie ein blaues Auge aus dem Boden quillt – von einem so intensiven, leuchtenden Blau, dass man es kaum glauben kann, bis man davor steht.
Der Weg dorthin ist rund 2,5 Kilometer lang – ein entspannter Spaziergang durch das Tal. Man kann auch mit einem Transfer direkt zum Startpunkt fahren, was rund zwei Kilometer spart. Wir haben uns für die bequemere Alternative entschieden. Auch hier gilt wieder, je früher man geht, desto leerer ist es. Wer früh aufbricht, hat das Blue Eye fast für sich allein.
Schwimmen ist im Blue Eye möglich, das Wasser ist eiskalt und erfrischend nach dem warmen Morgen. Man kann eine Weile dort verweilen, im Gras liegen, das Wasser beobachten – es ist einer dieser Orte, die man innerlich fotografiert, lange bevor man das Handy hebt.
Unsere Gruppe ist danach wieder nach Shkodra aufgebrochen. Wir haben noch eine zusätzliche Nacht in Theth verbracht – rückblickend war das eine Entscheidung, die wir vielleicht nicht nochmal genauso treffen würden. Theth ist wunderschön, aber nach dem Trek und dem Blue Eye gibt es nicht mehr allzu viel zu entdecken. Wer die Zeit hat, könnte sie besser woanders investieren.
Tag 6 & 7 – Zurück in Shkodra
Am nächsten Morgen sind wir nach Shkodra zurückgekehrt und haben dort noch zwei Nächte verbracht. Auch hier, rückblickend, wäre eine Nacht wahrscheinlich genug gewesen. Shkodra ist für einen Abend wirklich schön – gutes Essen, lebendige Straßen, günstige Cocktails. Aber nach der Intensität der vorangegangenen Tage in den Bergen wirkt die Stadt schnell etwas klein.
Wenn wir die Reise nochmal planen würden, würden wir die freien Tage am Ende lieber für einen Abstecher nach Montenegro nutzen – die Grenze ist nah, und das Land soll die perfekte Ergänzung sein. Alternativ würden wir uns mehr Zeit nehmen und mit einem Mietwagen die albanische Küste Richtung Süden erkunden. Die soll wunderschön sein, war in unserem Zeitfenster Ende Juli/Anfang August aber voll und entsprechend teuer. Eine albanische Freundin hat uns geraten: Wer kann, sollte im Juni oder September reisen – weniger Touristen, niedrigere Preise, freiere Strände.
Unser Fazit: Der Norden Albaniens lohnt sich
Wer den Norden Albaniens noch nicht auf dem Radar hat, sollte das dringend ändern. Die Kombination aus Koman Lake, Shala River, Valbona und dem Valbona-Theth-Trek ist landschaftlich eine wunderschöne Route – und das bei Preisen, die in Europa mittlerweile selten geworden sind.
Wer wenig planen möchte, dem empfehlen wir die organisierte 4-Tages-Tour über ein Shkodra-Hostel – dann kümmert sich jemand anderes um Shuttle, Boot, Unterkunft und Lunchpaket, und man kann einfach erleben. Auch für Solo-Reisende ist die Route ideal: Die Gruppen, die sich auf dieser Tour zusammenfinden, sind offen, unkompliziert und international.
Was wir beim nächsten Mal anders machen würden
Wenn wir die Reise nochmal planen würden, würden wir wahrscheinlich 1–2 Tage länger einplanen und noch Montenegro mitnehmen.
Oder man nimmt sich direkt 3/4 Tage mehr Zeit und mietet ein Auto, um von Tirana aus die albanische Küste weiter Richtung Süden zu fahren.
Die Küste soll wunderschön sein, allerdings war sie bei uns Ende Juli/Anfang August voll von Touristen.
Eine albanische Freundin hat uns eher Juni oder September empfohlen. Dann soll es deutlich leerer und auch günstiger sein. Gerade im Sommer haben in Albanien und generell in Europa alle Ferien, wodurch die Strände voll und die Preise höher sind.
Im Juni/September soll man teilweise auch noch sehr schön wild campen können und leerere Strände vorfinden.
Für eine erste Albanien-Reise fanden wir den Norden wirklich richtig schön. Gerade die Kombination aus Koman Lake, Shala River, Valbona und Theth ist landschaftlich unglaublich schön und die Tour über das Hostel macht die Organisation sehr einfach.
Wenn man wenig planen möchte, würden wir die 4-Tages-Tour über das Hostel empfehlen und man muss sich um fast nichts kümmern. Es sind auch sehr viele Solo Backpacker auf der Route.
Was wir nächstes Mal anders machen würden:
– weniger Zeit in Shkodra
– die zusätzliche Nacht in Theth eher weglassen
– dafür 1–2 Tage Montenegro anhängen
– oder mehr Zeit einplanen und mit dem Auto die Küste Richtung Süden fahren
– wenn möglich eher Juni oder September statt Juli/August
Insgesamt hat es uns aber sehr gut gefallen!
Albanien lässt sich sehr gut auf eigene Faust entdecken. Wer es lieber organisiert mag, findet mittlerweile auch eine große Auswahl an Pauschalreisen, die problemlos online buchbar sind:
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