Ski-Unterricht von Pionier Hannes Schneider in St. Anton
Wer dort gelernt hat, kann es mit jedem Skigebiet aufnehmen: In St. Anton am Arlberg entstand vor mehr als 100 Jahren der organisierte Ski-Unterricht von Pionier Hannes Schneider. © Gemeinde St. Anton am Arlberg

Wo der Skikurs erfunden wurde

Als 1880 ein norwegischer Ingenieur auf Brettern zur Arbeit glitt, war das kleine Dorf Nasserein, wie St. Anton am Arlberg einst hieß, weit davon entfernt, einer der beliebtesten Wintersportorte der Welt zu werden. Skifahrer galten als Exoten, doch bald sprang der Funke über. Nach Gründung des Ski-Club Arlberg 1901 setzte Hannes Schneider 1920/21 mit der ersten Skischule einen weiteren Meilenstein. Bis dato gab es keinen Ort, wo man nach Können eingeteilt und unterrichtet wurde. Schneiders neuartiger Fahrstil etablierte sich: Schussfahrten legte er als erster in der Hocke zurück, dazu Gewichtsverlagerung in Kurven, lockere Knie und schwungvolle Drehungen. Immer mehr Gäste wollten die Arlberg-Technik lernen – auf ihr basiert der moderne Skilauf, wie wir ihn kennen.

St. Anton am Arlberg Skigebietöffnung 2021
Heute zählt St. Anton am Arlberg mit seinen unzähligen präparierten Hängen und Freeride-Arealen zu den beliebtesten Skigebieten der Alpen. © TVB St. Anton am Arlberg/Fotograf Sepp Mallaun

Vor mehr als 100 Jahren war Skifahren in den Alpen noch längst kein Breitensport. Die Bretter unter den Füßen dienten zunächst vor allem der Fortbewegung im Winter. Dass daraus eine Sportart und schließlich eine der beliebtesten Urlaubsaktivitäten Europas werden sollte, ist eng mit dem Arlberg und insbesondere mit St. Anton verbunden. Nicht ohne Grund wird der Ort bis heute häufig als „Wiege des Skisports“ bezeichnet.

Eine zentrale Rolle spielte der Skipionier Hannes Schneider, der 1890 in Stuben am Arlberg geboren wurde und später in St. Anton tätig war. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der junge Wintersport zunehmend weiter. Schneider erkannte, dass das Skifahren systematisch erlernt werden konnte, und begann, eine eigene Lehrmethode zu entwickeln. Aus den ersten Erfahrungen entstand die später weltberühmte Arlbergtechnik, mit der er Skifahrern eine kontrollierte und vergleichsweise sichere Abfahrt ermöglichen wollte.

Im Jahr 1921 gründete Hannes Schneider in St. Anton die erste staatlich anerkannte Skischule Österreichs. Damit wurde aus dem bis dahin eher individuellen Erlernen des Skifahrens ein systematischer Unterricht. Schneiders Methode setzte auf klar aufgebaute Bewegungsabläufe und verschiedene Techniken für unterschiedliche Geländeformen. Die Entwicklung war für die damalige Zeit wegweisend und trug dazu bei, das Skifahren auch Menschen zugänglich zu machen, die nicht in den Bergen aufgewachsen waren.

St. Anton profitierte dabei von seiner besonderen Lage. Der Arlberg bietet abwechslungsreiches Gelände und reichlich Schnee und war schon damals ein ideales Umfeld, um unterschiedliche Formen des Skifahrens zu trainieren. Mit der zunehmenden Bekanntheit der Skischule kamen immer mehr Gäste in den Ort, um die neue Sportart unter professioneller Anleitung kennenzulernen. Aus ersten Wintersportlern wurden Stammgäste, und allmählich entstand eine touristische Infrastruktur, die zunehmend auf den Winter ausgerichtet war.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich St. Anton zu einem international bekannten Wintersportort. Die Eröffnung und Erweiterung von Seilbahnen und Liften machte immer größere Teile des Skigebiets zugänglich. Gleichzeitig wurden Hotels, Skiverleihe und weitere touristische Angebote ausgebaut. Der Arlberg wurde zu einem Treffpunkt für Skifahrer aus vielen Ländern, und die sportliche Tradition des Ortes blieb ein wichtiger Bestandteil seiner Identität.

Wer heute in St. Anton auf Skiern unterwegs ist, bewegt sich damit gewissermaßen auf historischen Spuren. Aus den ersten Versuchen der Skifahrer am Arlberg entwickelte sich eine Lehrmethode, aus der Skischule eine Institution und aus dem einstigen Fortbewegungsmittel eine weltweit beliebte Sportart. Heute verfügt St. Anton am Arlberg über 300 Kilometer Abfahrten und 200 Kilometer Varianten im Gelände. Wem das (noch) zu sportlich ist: Die Arlberger Skischulen genießen international einen exzellenten Ruf.

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