Traditionelle Fleischweihe in Kärnten zu Ostern
Traditionelle Fleischweihe in Kärnten zu Ostern. Bild: © Tine Steinthaler/Kärnten Werbung

Traditionelle Osterbräuche in Kärnten

Die Menschen in Kärnten lieben das Osterfest. Deshalb pflegen sie viele traditionsreiche Osterbräuche, die über Generationen ihren Charakter bewahrt haben. Dass es dabei neben Feiertagsritualen und Geschicklichkeitsspielen auch um gutes Essen geht, dass man nach der Fastenzeit alte Rezepte pflegt und sich ungewöhnlicher Weise süße und pikante Köstlichkeiten gemeinsam gönnt, wie die Kombination aus Reindling und Osterschinken, macht Ostern in Kärnten für Urlaubsgäste zu einem besonderen Erlebnis. Und auch kunsthistorisch sind mit den Fastentüchern einzigartige Werke zu bestaunen.
Junge mit Palmbuschen zu Ostern
Die Kinder bringen zum Palmsonntag die Palmbuschen zur Segnung in die Kirche mit. Bild: © Carletto Photography/Kärnten Werbung
In Kärnten hat der Frühling eine ganz spezielle Kraft und Emotionalität. Hier auf der Südseite der Alpen erleben die Menschen den Wechsel vom Winter zur warmen Jahreszeit besonders intensiv. Vor allem zur Osterzeit weckt das die Lebensgeister, freuen sich die Menschen auf die Feiertage, zu denen sie traditionsreiches Brauchtum aufleben lassen. Es wird gebastelt, gekocht, gebacken und gemeinsam gefeiert. Und das gilt ganz besonders für die Karwoche. Bei den Kindern spürt man die Vorfreude, wenn sie zum Palmsonntag die Palmbuschen mit den Palmkatzerlzweigen zur Segnung in die Kirche mitbringen. Ganz festlich werden die Buschen zu langstieligen Besen gebunden und mit Salzbrezeln und Süßigkeiten geschmückt. Zur Vorfreude gehört auch, dass von der wohlschmeckenden Dekoration nach der Messe genascht werden darf. In Oberkärnten ist es noch üblich, dass man die gesegneten Palmbuschen in die Erde steckt oder in der Bauernstube im Herrgottswinkel aufstellt, um so Unheil vom Haus abzuwenden.
Je näher das Osterfest kommt, desto mehr spielt die traditionelle Küche eine wichtige Rolle. Das typische Gericht am Gründonnerstag ist dann der Spinat mit Spiegelei und Rösterdäpfeln. Für viele gläubige Kärntner ist abends die Messe zum Letzten Abendmahl ein Pflichttermin. Danach wird es bis zum Ostersonntag ruhig und enthaltsam. Die Kirchenglocken bleiben in der Zeit stumm und werden bei den Karfreitagsprozessionen von hölzernen Ratschen abgelöst. Wie bedeutend diese Ratschen für die Kärntner sind, zeigt die Aufnahme in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Am Karfreitag wird gefastet - und dennoch in der Küche gewerkelt

Der Karfreitag stellt vor allem die Kinder auf eine harte Probe. Denn einerseits ist er ein strenger Fastentag. Andererseits wird in den Küchen schon fleißig für das Osterfest vorbereitet, gekocht und gebacken. Schinken und Würste werden zubereitet, Eier gefärbt und natürlich der Reindling gebacken. Der Kärntner Osterreindling gehört wie kaum eine andere Köstlichkeit zum Fest und ist unverzichtbarer Bestandteil der Osterjause. Hergestellt wird er aus Hefeteig mit Butterschmalz, Haselnüssen, Rosinen und einem Schuss Rum. Ein Kärntner Klassiker, der mit der typischen Mohnbutter eine verlockende Geschmacksnote erhält, bei der die Butter mit Rosinen und Zimt angereichert, dann mit dem Mohn bestrichen und gerollt wird. Es duftet verführerisch in den Küchen, aber es bleibt noch einiges zu tun. Die Osterjause mit herzhaften Zutaten wie Selchwürsten, Schinken, Eier, Rinderzunge und Kren wird vorbereitet. Aber auch am Karsamstag wird noch gefastet. „Die Zutaten zur Osterjause kommen in den Osterkorb, der am Karsamstag bei einer Andacht gesegnet wird. Eine kunstvoll mit sakralen Motiven bestickte Weihkorbdecke und Frühlingsblumen zieren den Korb“, erzählt Dr. Heimo Schinnerl, Kärntner Volkskunde Experte.
Kärntner Osterreindling mit Mohnbutter
Kärntner Osterreindling mit Mohnbutter. Bild: © Franz Gerdl/Kärnten Werbung

Auf die Osterjause freuen sich alle

Da braucht es schon viel Geduld, bei all den Köstlichkeiten standhaft zu sein. Aber der Ostersonntag ist nun nicht mehr weit. Und der beginnt recht früh mit Böllerschüssen in der Morgendämmerung. Oben auf den noch dunklen Berghängen sieht man das Flackern der Osterfeuer. Nach der Messe sitzen die Familien zusammen, kommt die Osterjause auf den Tisch. Ein richtiges Festmahl der traditionellen Art. Für die Kinder das Wichtigste ist jetzt, die mit Süßigkeiten gefüllten Osternester zu suchen. Ein spezieller Brauch am Ostersonntag ist der Gotenstrutz. Das ist das Geschenk, das der Gotl, wie der Taufpate im Dialekt heißt, dem Patenkind mitbringt. 

Weihkorb zur Osterjause in Kärnten
Weihkorb zur Osterjause, gefüllt mit Leckereien aus der Region. Bild: © Carletto Photography/Kärnten Werbung

Einzigartige Kulturschätze wiederentdecken

Die Fastenzeit ist nun zu Ende. Mir ihr verbindet sich auch ein uralter Brauch, der wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen hat und vor allem in Kärnten einzigartig erhalten ist. Die Fastentücher haben eine bis zu 1000 Jahre alte Geschichte und wurden dazu verwendet, den Altar bis zum Osterfest zu bedecken, um der Leiden Christi zu gedenken. Zu den bekanntesten Fastentüchern, die anfangs schlicht und später besonders kunstvoll gestaltet wurden, gehört das über 500 Jahre alte Fastentuch im kärntnerischen Gurk, das auch wegen seiner Größe im Alpenraum einzigartig ist. Viele weitere Fastentücher wurden in den letzten Jahren restauriert, aufgezogen und sind nun für die Öffentlichkeit wieder sichtbar. 

Fastentuch in Gurk Kärnten
Das Fastentuch in Gurk ist über 500 Jahre alt. Bild: © Monika Suntinger

Wettkampf mit zwei Besenstielen

Mit dem Ostersonntag kehrt auch wieder mehr Leben in den Alltag. Zum Osterfest stehen noch etliche sehr unterhaltsame Bräuche auf dem Programm. Dazu gehört das in Oberkärnten und im Raum Villach populäre Kugelstoßen, das ähnlich wie das Kegeln funktioniert. Oder das Wett-Rollen der Ostereier auf zwei Besenstielen und das Fackeltragen in Gösseling bei Launsdorf, wo Frauen und Männer meterhohe Holzstämme entzünden und durch die finstere Nacht tragen. Kinder lieben das Eierpecken, bei dem die Kontrahenten ihre Ostereier gegeneinander schlagen und der gewinnt, dessen Ei am Ende noch unversehrt ist. Unterhaltsam ist auch das Münzwerfen, bei dem ein Ei so lange mit Münzen beworfen wird, bis eine stecken bleibt.

Aber auch Ausflüge und sportliche Aktivitäten gehören zu den Osterbräuchen. Ganz traditionell ist der Emmaus-Gang, eine Frühlingswanderung nach Vorbild des biblischen Gangs der Jünger nach Emmaus. Wer gut zu Fuß ist, kann in Mittelkärnten beim Vierbergelauf am Dreinagel-Freitag zwei Wochen nach Karfreitag mitmachen und die üppige Osterjause gleich kompensieren. Um Mitternacht starten die Teilnehmer nach der Messe am Magdalensberg auf eine gut 50 Kilometer lange Strecke, die über vier Berge führt und den Lorenziberg zum Ziel hat. 

Für Urlaubsgäste haben diese Tage einen besonderen Reiz. Das Ende des Winters, dazu die Frühjahrssonne in einer Naturlandschaft mit Bergen und Seen und die Begegnung mit vielen alten Bräuchen und den Spezialitäten der traditionellen Kärntner Küche. Ein wirklich verlockendes Programm.

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