Ehemalige Silbermine und Seifenfabrik in Tarnowitz wird Hostel

Keine drei Kilometer liegt die Altstadt von Tarnowskie Góry (Tarnowitz) von der einstigen Silbermine der Stadt entfernt, die seit 2017 zum UNESCO-Welterbe zählt. Nur wenig jünger als das Bergwerk ist das Gebäude in der ul. Gliwicka, das künftig als Hostel Gäste aus aller Welt empfangen soll. Der neben der Eingangstür eingelassene Jahresstein nennt das Baujahr 1598. Als berühmtester Gast soll dort der Dichterfürst Goethe während seiner Inspektionsreise durch Oberschlesien genächtigt haben. An ihn erinnert eine weitere Tafel an der Hauswand, welche die Stadtverwaltung 200 Jahre später im Jahre 1990 anbringen ließ.

Seit 1973 hatte das Haus bereits als Pension für geschlossene Gruppen gedient und wird nun im Juli komplett für Gäste von außen geöffnet. Betrieben wird das Haus vom Heimatfreundeverein der Region Tarnowitz der bis heute auch das historische Bergwerk sowie den Schwarze-Forelle-Stollen betreut. Die illustre Geschichte des dreigeschossigen Eckhauses mit Krüppelwalmdach und einfachen Dachgauben stand bei der Gestaltung der Innenräume und des Namens Pate. Der Name „Młotek i Perlik“ (Schlägel und Eisen) erinnert an das Firmenlogo der ersten Seifenfabrik von Tarnowskie Góry. Joseph Lukaschik hatte das Gebäude, das zuvor Privathaus und evangelische Schule gewesen war, in den 1840er Jahren erworben und dort seine Produktion eingerichtet.

Die erfolgreiche Fabrik blieb bis 1946 in Familienbesitz und wurde 1955 aufgelöst. An den Innenwänden des Hostels sollen Abdrucke der Seifenwerbung sowie von historischen Fotografien, Karten, Zeitungen und Dokumenten die Geschichte der Firma Lukaschik wieder lebendig werden lassen. An eine weitere besondere Episode erinnert ein Gruppenzimmer im Dachgeschoss. Für einige Monate bezogen dort 1922 zur Zeit der oberschlesischen Abstimmungen Soldaten des Royal Highland Regiment of Canada dort Quartier und ihre Offiziere nutzten das Haus als Casino. Der Raum zeigt Bilder der sogenannten „Black Watch in Schottenröcken und Dudelsäcken auf dem Tarnowitzer Marktplatz. Nach der Auszählung der Stimmen übergaben sie den Ort an die neue polnische Verwaltung.

Das Hostel bietet 39 Übernachtungsplätze in zehn Zimmern, darunter ein 12-Bett-Zimmer für Gruppen. Zudem gibt es Gemeinschaftsräume und Begegnungszonen. Der Zugang zum Objekt wird komplett digital über mobile Endgeräte wie Smartphone oder Tablet-PC abgewickelt. Bei der Einrichtung haben die Gestalter vom Büro MAW Studio auf einfache und klare Formen sowie viel Holz als Werkstoff gesetzt.

Infos über das Hostel und die historische Silbermine unter www.kopalniasrebra.pl.

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    1 Kommentar zu „Ehemalige Silbermine und Seifenfabrik in Tarnowitz wird Hostel“

    1. Hans-Jürgen Franz

      Ich bin der noch lebende Ururenkel von J.L. Und kann, falls erwünscht, mit Urkunden, Erinnerungsstücken und durch Erzählungen meines Vaters und meiner in Tarnowitz geborenen Großmutter viel zur Vervollständigung der Familiengeschichte beitragen.

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