Pro Wildlife fordert Rückkehr zu visionärem Artenschutz

Anlässlich des 50. Jahrestages der Gründung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) am 3. März fordert Pro Wildlife eine Rückkehr zu einem visionären, konsequenten und mutigen Artenschutz, wie ihn die Gründungsstaaten einst vorgesehen hatten. „Wenn wir die globale Artenvielfalt vor Übernutzung retten wollen, brauchen wir ein höheres Tempo und vorsorgliche, umfassende Entscheidungen, statt – wie aktuell – mühsame und kontroverse Debatten über den Schutzstatus einzelner Arten zu führen“, sagt Dr. Sandra Altherr, die für die Artenschutzorganisation Pro Wildlife seit fast 25 Jahren zu CITES arbeitet.

Die Stärken von CITES

„Mit seiner nahezu weltweiten Gültigkeit, verbindlichen Entscheidungen und Sanktionsmöglichkeiten ist CITES trotz seiner 50 Jahre das schärfste Schwert, das wir im internationalen Artenschutz haben“, betont Altherr. „Afrikanische Elefanten, Ozelote, Buckelwale oder Hellrote Aras wären heute vermutlich ausgerottet, wenn CITES nicht die Reißlinie gezogen hätte. Handelsverbote für Elfenbein und Walfleisch aus den 1980er Jahren, aber auch die jüngste Unterschutzstellung von 60 Hai- und 37-Rochenarten 2022 sind historische Meilensteine.“ Gerade in den Anfangsjahren wurden ganze Tiergruppen wie alle Wale, Affen, Papageien, Kakteen oder Orchideen in die Anhänge I und II aufgenommen.

Derzeit sind knapp 40.000 Tier- und Pflanzenarten in den CITES-Anhängen gelistet. Anhang I bedeutet ein internationales Handelsverbot für Wildentnahmen einer Art, Anhang II eine Beschränkung des Handels auf ein nachhaltiges Level (hierin sind die allermeisten Arten enthalten), Anhang III eine Handelsbeschränkung für eine Art aus einem bestimmten Herkunftsland.

Die Schwächen von CITES

Die allermeisten Tier- und Pflanzenarten im internationalen Handel sind jedoch bis heute nicht durch CITES geschützt – sogar wenn sie auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten stehen; der Handel mit ihnen bleibt somit unreguliert. CITES-Konferenzen finden nur alle drei Jahre statt und es werden jeweils nur wenige Dutzend Arten unter Schutz gestellt. Der Verlust der Artenvielfalt, u.a. bedingt durch direkte Ausbeutung von Wildtieren und -pflanzen schreitet jedoch viel schneller voran, als dass CITES dies in seiner jetzigen Form aufhalten könnte. „Schutzinitiativen werden häufig viel zu spät getroffen; wo Daten fehlen, scheitern sie ganz. Wir brauchen deshalb dringend eine Umkehr der Beweislast: Der Biodiversitätsschutz muss Vorrang vor der kommerziellen Ausbeutung haben. Naturentnahmen sollten nur dann erlaubt sein, wenn sie nachweislich ökologisch unbedenklich sind“, so die Biologin Altherr.

Hinzu kommt, dass zunehmend versucht wird, die Schutzkriterien von CITES für Handelsbeschränkungen oder gar -verbote aufzuweichen und bei einer Unterschutzstellung gegen ökonomische Interessen abzuwägen. „CITES hatte schon vor 50 Jahren gute Gründe, die Ökologie über die Ökonomie zu stellen – angesichts der dramatischen aktuellen Biodiversitätskrise muss diese Gewichtung heute mehr denn je Bestand haben. Wir brauchen wieder mutige und weitreichende Entscheidungen“, fordert die Pro Wildlife Sprecherin.

Hintergrundinfos:
CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) wurde am 3. März 1973 in Washington gegründet. Die ersten Länder, die CITES 1974 ratifizierten, waren die USA, Nigeria, die Schweiz, Tunesien, Schweden und Zypern; Deutschland trat dem Abkommen 1976 bei.

  • Letzte Beiträge

  • Anzeige

  • Kategorien

  • Teile diese Reise News:

    Facebook
    Twitter
    LinkedIn
    Email
    WhatsApp

    Weitere Reise News aus Deutschland

    Tourismus im Ruhrgebiet 2025 mit guter Bilanz

    Der Tourismus im Ruhrgebiet behauptet sich auch 2025 als ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region: Im vergangenen Jahr kamen rund 4,65 Millionen Gäste ins Ruhrgebiet. Besonders viele von ihnen blieben zum „Ruhrlaub“: Die Beherbergungsbetriebe im Ruhrgebiet verzeichneten insgesamt 9,1 Millionen Übernachtungen.

    Weiterlesen »

    Marienschlucht am Bodensee wieder begehbar

    Ab dem 28. März 2026 ist die Marienschlucht am Bodensee wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Der neue Panoramasteg macht das Naturerlebnis sicher und komfortabel erlebbar und eröffnet frische, beeindruckende Perspektiven. Ergänzt wird das Angebot durch einen modernen Infopfad und familienfreundliche Entdeckermöglichkeiten.

    Weiterlesen »

    Reiseland Saarland in Leichter Sprache

    Eine neue Broschüre zum Reiseland Saarland richtet sich an Menschen mit Lernschwierigkeiten, an Familien und Gruppen sowie an alle, die sich möglichst verständlich informieren möchten. Die Broschüre ist auch Teil der aktuellen Marketingmaßnahmen der Toursmus Zentrale Saarland zur Vorbereitung der Special Olympics Nationale Spiele, die vom 15. bis 20. Juni 2026 im Saarland stattfinden werden.

    Weiterlesen »

    Hier geht es zur Übersicht sämtlicher Reise News aus Deutschland.

    Aus unserem Deutschland Reisemagazin

    Industriegeschichte weißes Gold in Bad Reichenhall
    Berchtesgadener Land

    Ein Jahrhundert Neue Saline in Bad Reichenhall

    1926 fertiggestellt, konzentrierte sich mit der Neuen Saline die Salzerzeugung in Bayern immer mehr auf das Berchtesgadener Land und insbesondere Bad Reichenhall. Nachdem 1958 auch die letzte vergleichbare Anlage in Rosenheim geschlossen wurde, gilt diese Monopolstellung heute: Mittlerweile ist das ikonische Markensalz im blauen Karton in aller Welt bekannt.

    Weiterlesen »
    Sole-Anwendung im Kurmittelhaus der Moderne Bad Reichenhall
    Berchtesgadener Land

    Bewusste Auszeiten in Bad Reichenhall

    An kurzen Wintertagen rücken Gesundheit und bewusste Auszeiten noch stärker in den Vordergrund. In Bad Reichenhall gehört diese Form der Selbstfürsorge seit über 200 Jahren zur DNA des oberbayerischen Purorts. Denn die heilende AlpenSole aus den natürlichen Quellen unter der Stadt lindert neben Atemwegs- und Gelenkbeschwerden auch Haut-Irritationen.

    Weiterlesen »

    Diese Reise News könnten dich auch interessieren

    Nationales Luft- und Raumfahrtmuseum der USA feiert 50. Jubiläum

    Das Nationales Luft- und Raumfahrtmuseum der USA wurde am 1. Juli 1976 an seinem heutigen Standort an der National Mall in Washington, DC eröffnet. 2026 feiert das Haus, das binnen kurzer Zeit zu einem der meistbesuchten Museen der Welt avancierte, mit einer ganzen Reihe von Aktionen sowie dem Abschluss der umfassenden Renovierungsarbeiten sein 50-jähriges Jubiläum.

    Weiterlesen

    Sheraton Nouakchott: erstes Sheraton-Hotel in Mauretanien

    Sheraton Hotels & Resorts hat mit der Eröffnung des Sheraton Nouakchott das erste Haus der Marke und von Marriott International in Mauretanien eröffnet. Dieser bedeutende Neuzugang, der zugleich das landesweit erste Hotel einer internationalen Hotelmarke ist, bringt den Sheraton-Service nach Nordwestafrika.

    Weiterlesen

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    Nach oben scrollen