Fragment des seltenen Purpurstoffes aus dem Timna-Tal
Fragment des seltenen Purpurstoffes aus dem Timna-Tal. Bild: Dafna Gazit/Israel Antiquities Authority

Wie sich König David und König Salomo kleideten

„Kleider machen Leute“ – diese Weisheit scheint bereits seit biblischen Zeiten zu gelten, wie aktuelle Pionierfunde in Israel bezeugen: Erstmals haben Archäologen nun Stoffreste aus königlichem Purpur aus der Zeit von König David und König Salomo geborgen. Die Forscher waren überrascht, Reste von gewebtem Stoff sowie eine Quaste und Fasern aus Wolle zu finden, die mit echtem Purpur gefärbt waren. Die in Timna im Süden Israels entdeckten Stoffe markieren damit eine historische Entdeckung für das Land und die gesamte Levante-Küste. Dank einer Radiokarbon-Untersuchung konnten die Stücke auf die Zeit um 1.000 vor Christus datiert werden, dem Zeitalter der biblischen Monarchien von König David und König Salomo.

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Der seltene, aus drei Mollusken-Spezies gewonnene Farbstoff wird häufig in der Bibel erwähnt und taucht in verschiedenen jüdischen und christlichen Zusammenhängen auf. Die Herstellung erforderte einst einen komplexen chemischen Prozess, der sich über mehrere Tage erstreckte. Die Untersuchungen wurden von Dr. Naama Sukenik von der israelischen Altertumsbehörde Israel Antiquities Authority (IAA) und Professor Erez Ben-Yosef vom Jacob M. Alkow Department of Archaeology and Ancient Near Eastern Cultures der Universität von Tel Aviv in Zusammenarbeit mit weiteren Wissenschaftlern der IAA durchgeführt.

Die Fundstelle liegt im Timna-Nationalpark am Rande der Negev-Wüste im Süden Israels. Der Park ist bei Urlaubern ebenso wie bei Einheimischen ein beliebtes Ausflugsziel. Landschaftlich lockt er mit bizarren Felsformationen wie den berühmten Salomonischen Säulen, die einst durch Erosion entstanden. Bereits vor 4.000 Jahren war das Gebiet um die Fundstätte besiedelt und seinerzeit als Zentrum der Kupferverarbeitung etabliert. Ein Besucherzentrum informiert heute anschaulich über die Vergangenheit, die nun um eine historische Facette reicher ist.

Stoffreste aus königlichem Purpur König David
Stoffreste aus königlichem Purpur aus der Zeit von König David und König Salomo. Bild: (c) Dafna Gazit/Israel Antiquities Authority

Kostbarer als Gold: die Farbe der Könige

„Dies ist eine sehr aufregende und wichtige Entdeckung“, erklärt die Kuratorin für organische Funde Dr. Naama Sukenik. „Dies ist das erste jemals gefundene Textilstück aus der Zeit Davids und Salomos, das mit dem prestigeträchtigen Purpurfarbstoff gefärbt ist. In der Antike wurde purpurne Kleidung mit dem Adel, mit Priestertum und natürlich mit Königen in Verbindung gebracht. Der prächtige Farbton des Purpurs, die Tatsache, dass er nicht verblasst, und seine schwierige Herstellung machten ihn zum wertvollsten Farbstoff, der teilweise mehr als Gold kostete. Bis zur jetzigen Entdeckung waren wir nur auf Muschelschalenabfälle und Scherben mit Farbstoffflecken gestoßen, die Hinweise auf die Purpurindustrie in der Eisenzeit lieferten. Jetzt haben wir zum ersten Mal direkte Beweise für die gefärbten Stoffe selbst, die etwa 3.000 Jahre lang erhalten geblieben sind.“

Die Forschergruppe gräbt seit 2013 kontinuierlich in Timna, wo das extrem trockene Klima auch ältere textile Funde möglich macht. In einer Region mit anderen Witterungsbedingungen wie Jerusalem wären organische Funde nicht möglich, erklärt Professor Erez Ben-Yosef. Die drei Stofffetzen wurden aus einem Haufen von Industrieabfällen einer Kupferverhüttungsstätte, die die Forscher zuvor in der Region freilegten, geborgen. Ben-Yosef äußerte sich über die Besonderheit des Fundes: „Die Farbe zog sofort unsere Aufmerksamkeit auf sich, aber wir konnten kaum glauben, dass wir echtes Purpur aus einer so alten Zeit gefunden hatten“.

Violett gefärbte Wollfaser unter dem Mikroskop betrachtet
Violett gefärbte Wollfaser unter dem Mikroskop betrachtet. Bild: (c) Foto: Dr. Naama Sukenik/Israelische Altertumsbehörde IAA
Der purpurne Fund hebt sich dabei deutlich von den anderen textilen Funden in der Ausgrabungsstätte in Timna ab, wie Sukenik verdeutlicht: „Die meisten der farbigen Textilien, die in Timna gefunden wurden und in der archäologischen Forschung im Allgemeinen, wurden mit verschiedenen Farbstoffen auf Pflanzenbasis gefärbt, die leicht verfügbar und einfacher zu färben waren. Die Verwendung von Farbstoffen auf Tierbasis wird als viel prestigeträchtiger angesehen und diente als wichtiger Indikator für den hohen wirtschaftlichen und sozialen Status des Trägers.“ Die Forscher glauben, dass für die Herstellung der Farbe eine aufwendige Doppelfärbmethode genutzt wurde, die bereits von dem römischen Historiker Plinius dem Älteren (100 v. Chr.) beschrieben wurde.

Die Gesellschaft zur Zeit der Könige: Rückschlüsse

Die Entdeckung in Timna gewährt nicht nur einen Blick in die Garderobe der Könige von vor über 3.000 Jahren, sondern liefert auch neue Erkenntnisse über die nomadische Gesellschaft der Eisenzeit. Da die Mollusken für die Herstellung des Purpurs nur im Mittelmeer vorkommen, wurden offensichtlich Handelsbeziehungen mit anderen an der Küste lebenden Völkern unterhalten. Dies unterstützt die Annahme der Forscher, dass es in Timna eine Elite innerhalb einer mehrschichtigen Gesellschaft gab. Dennoch gibt es keine Beweise für dauerhafte Siedlungen im Gebiet der Edomiter. Prof. Ben-Yosef führt aus: „Das edomitische Königreich war ein Königreich von Nomaden. Wenn wir an Nomaden denken, fällt es uns schwer, uns von Vergleichen mit zeitgenössischen Beduinen freizumachen und uns Könige ohne prächtige Steinpaläste und ummauerte Städte vorzustellen. Doch unter bestimmten Umständen können Nomaden auch eine komplexe sozio-politische Struktur schaffen, die biblische Autoren als ein Königreich identifizieren konnten.“

Mollusken Antike Herstellung Purpurfarbstoff
Die drei Arten von Mollusken, die in der Antike zur Herstellung von Purpurfarbstoff verwendet wurden. Bild: Shachar Cohen, mit freundlicher Genehmigung von Zohar Amar

Damals wie heute: Kleidung als Prestigeobjekt

Die Suche von Archäologen nach einem Palast Davids ist demnach für den Wissenschaftler möglicherweise hinfällig: Es sei durchaus möglich, dass David seinen Reichtum nicht in prächtigen Gebäuden zum Ausdruck brachte, sondern durch Gegenstände wie Textilien, die einem nomadischen Erbe entsprechen. Für den Professor ist es falsch anzunehmen, dass es kein Königreich gab, nur weil keine prächtigen Gebäude und Festungen gefunden werden konnten. „Unsere neuen Forschungen in Timna haben uns gezeigt, dass es auch ohne solche Gebäude Könige in der Region gab, die über komplexe Gesellschaften herrschten, Bündnisse und Handelsbeziehungen eingingen und sich gegenseitig bekämpften. Der Reichtum einer Nomadengesellschaft wurde nicht in Palästen und Denkmälern aus Stein gemessen, sondern in Dingen, die in der antiken Welt nicht weniger geschätzt wurden – wie das in Timna produzierte Kupfer und der Purpurfarbstoff.“
Zentren der Purpurproduktion in der Eisenzeit und die Lage des Timna-Tals
Karte: Zentren der Purpurproduktion in der Eisenzeit und die Lage des Timna-Tals. Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Erez Ben-Yosef und Naama Sukenik

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