Traditionelle Webtechniken in Thailand
In vielen thailänischen Webereien wird noch das traditionelle manuelle Webereihandwerk gepflegt. Bild: © FolkCharm

Slow Fashion – Traditionelles Webereihandwerk in Thailand

In Südostasien hat das Webereihandwerk eine jahrtausendealte Tradition. Seinen Ursprung hat es in der Gras- und Bambusflechterei, so wurden Gräser haltbar gemacht, eingefärbt und dann verarbeitet. Es entstanden Kleidungsstücke, Kopfbedeckungen, Decken, Möbel und Haushaltsgegenstände in unterschiedlichen Farbgebungen und Mustern. Zu Beginn verzichtete man auf technische Geräte. Im weiteren Verlauf wurde zuerst ein Handwebbrett und später ein Handwebstuhl entwickelt. Die verwendeten Materialien wurden immer feiner. Statt Gräser und Rinden nahm man Baumwolle, Seide und später Edelmetalfäden. Auch die Färbetechniken entwickelten sich weiter.

Google Maps

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Google.
Mehr erfahren

Karte laden

Bis heute haben die von Hand gewebten Stoffe in Thailand eine große Bedeutung und werden zu Kleidungsstücken und Gebrauchstextilien verarbeitet. Innerhalb einer Familie werden Muster und Farbgebungen weitergeben, sodass jede Familie ihre eigene typische Kleidung hat.

Folkcharm Weberinnen
Folkcharm Weberinnen. FolkCharm arbeitet seit mehreren Jahren mit Baumwollbauern, lokalen Gemeinschaften und Handwerkerinnen zusammen. Bild: © FolkCharm

Für viele Menschen steht Thailand für Schnelllebigkeit, für Märkte, auf denen billige Kleidung und schnelles Essen angeboten werden.  Aber es gibt auch das Thailand, das für lang tradiertes handwerkliches Wissen und Können steht. Und junge Designer, die genau hier ansetzen und dieses Wissen und Ressourcen erhalten und weiterentwickeln möchten. Vor allem im Norden von Thailand entsteht so ein Markt für nachhaltige Mode, der auch international immer mehr Bedeutung gewinnt.

Traditioneller Webstuhl bei Folkcharm Thailand
Bei Folkcharm werden Kleidung und Produkte noch mit traditionellen Techniken hergestellt. Bild: © FolkCharm

Slow Fashion und die Erhaltung der kulturellen Traditionen

Passawee T. Kodaka die Gründerin von FolkCharm, einem auf ethischen Grundsätzen basierten Unternehmen, fühlt sich tief verbunden mit den Gemeinschaften, mit denen sie arbeitet, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Die Zusammenarbeit mit lokalen Kunsthandwerkern hat das Ziel, den Armutskreislauf zu durchbrechen. Durch einen nachhaltigen Lebensstil tragen die Gemeinschaften zur Erhaltung der kulturellen Traditionen bei.

Baumwolle als Rohstoff bei Folkcharm
Frisch geerntete Baumwolle bildet den Rohstoff für viele Produkte. Bild: © FolkCharm

FolkCharm arbeitet seit 2016 mit Baumwollbauern, lokalen Gemeinschaften und Handwerkerinnen zusammen. Hergestellt werden Kleidung und Produkte, die zeitgenössisches Design und traditionelle Techniken vereinen. Die Textilien werden aus handgesponnenem Garn hergestellt, mit lokalen Techniken gesponnen und natürlich eingefärbt. Die zu 100 % aus lokaler Herkunft stammende chemiefreie und biologische Baumwolle ist hautfreundlich und bietet einen natürlichen Tragekomfort. 50 % des Umsatzes erhalten die Hersteller. Alle Stoffreste werden zu neuen Produkten verarbeitet und 90 % der Verpackungen sind recycelt oder biologisch abbaubar.

Tradition und Kultur des Baumwollwebens
Traditionen weiterleben lassen: Die Enkel haben noch nie Baumwolle mit der Hand gesponnen, geschweige denn jemals eine Baumwollblüte gesehen, bis ihre Oma Joi und Mama Daeng dieses Jahr mit dem Spinnen für uns angefangen haben. (Passawee T. Kodaka). Bild: © FolkCharm

Derzeit arbeiten etwa 40 Heimarbeiterinnen, darunter Baumwollbauern, Baumwollgarnspinnerinnen und Weberinnen in der Provinz Loei sowie Heimschneiderinnen, Näherinnen und Kunsthandwerkerinnen im Bangkapi-Distrikt von Bangkok. Im Jahr 2014, als das Projekt startete, waren es nur fünf Weberinnen und zwei Schneiderinnen. Gemeinsam mit diesen inspirierenden Frauen entstehen einzigartige, sorgfältig gefertigte Stücke aus organischen und natürlichen Materialien. Durch seine Produkte möchte FolkCharm das Bewusstsein für traditionelles Handwerk und Slow Fashion stärken und die Gemeinschaft der bewussten Konsumenten und die Wertschätzung für traditionelles Handwerk erweitern.

Moderner Look traditionell hergestellt
Moderner Look traditionell hergestellt. Bild: © FolkCharm

FolkCharm Travels: Slow Fashion Expedition

FolkCharm Travels‘ Vision ist es, Hersteller, Natur und Konsument zu verbinden. Reisende werden eingeladen, das dörfliche Handwerk und die ländliche Lebensweise zu entdecken und die unberührten, atemberaubenden Landschaften der Provinz Loei etwa 600 km von Bangkok entfernt, zu erkunden. Die Reisenden lernen alles über die überlieferten Techniken, angefangen beim Baumwollpflücken, dem Spinnen von Garn, Weben und Färben. Sie erleben die biologische Baumwollernte und den von Hand ausgeführten Prozess der Baumwollherstellung vom Flaum bis zum Stoff aus nächster Nähe mit. Die Gemeindeleiter teilen mit den Besuchern ihre Erfahrungen zu lokalem Handwerk, nachhaltiger Landwirtschaft, den Lebensunterhalt der Gemeinde, Menschenrechte und die Koexistenz mit der Natur. Bei der Reise geht es natürlich auch um Kulinarik. Die Gäste probieren die frischen Aromen der einzigartigen lokalen Küche, die aus 100 % lokal bezogenen Bio-Kräutern, selbst aufgezogenen Hühnern und deren Eiern sowie Fisch besteht – es sind auch vegetarische Mahlzeiten möglich. Sie nehmen am Leben der lokalen Bauern teil, fahren mit dem für die Region einzigartigen motorisierten Buckboard, und genießen die Aussicht auf das Meer der Berge von Loei.
Reisegruppe auf einer Folkcharm Baumwollplantage
Reisegruppe auf einer Folkcharm Baumwollplantage. Bild: © FolkCharm

Slow Fashion zum Anfassen

Angeboten werden drei Tagestouren mit der Option auf Verlängerung. So haben die Besucher bei einer eintägigen Verlängerung die Möglichkeit, die beiden vielseitig begabten Meister zu besuchen, um ein besseres Verständnis für das lokale Handwerk zu bekommen. Auch längere Aufenthalte bei den Dorfbewohnern sind möglich. Angeboten werden Intensivkurse für die Verarbeitung von Baumwolle von Hand, verschiedene Techniken der thailändischen Handweberei und Methoden der natürlichen Färbung. Das „Bamboo Weaving“ ist ein weiteres spannendes lokales Handwerk, das im Nordosten Thailands verbreitet ist und über das Besucher mehr lernen können. Während die Frauen des Nordostens schon in jungen Jahren das Baumwollweben erlernen, werden die Männer in der Bambusweberei unterrichtet, um Werkzeuge, Haushaltswaren und alle anderen für das tägliche Leben notwendigen Gegenstände herzustellen.

Die Zeit der Baumwollblüte

Die Touren finden während der Blütezeit der Baumwollpflanzen zwischen November und Januar jeden Jahres statt. Die Wetterbedingungen sind dann meist optimal, blauer Himmel mit viel Sonne und kühlen Temperaturen.

Seit 2017 wurden jährlich ein bis zwei Touren veranstaltet. Eines der Highlights war die erste Reise im Jahr 2017 und die Slow Fashion Expedition, die in Zusammenarbeit mit Fashion Revolution Thailand im Jahr 2020 organisiert wurde.

Die Zusammenarbeit zwischen FolkCharm, Lum Nam Huay Weaving Group, Khun Loei Community Enterprise und der Loei Foundation for Nature Conservation and Sustainable Development macht die Reisen möglich.

Mehr Informationen zu den angebotenen Touren unter www.folkcharm.com.

Weitere Beiträge aus unserem Thailand Reisemagazin

  • Letzte Beiträge

  • Kategorien

  • Teile diesen Beitrag:

    Share on facebook
    Facebook
    Share on twitter
    Twitter
    Share on linkedin
    LinkedIn
    Share on email
    Email
    Share on whatsapp
    WhatsApp

    Kommentar verfassen

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

    Scroll to Top