Zweimaster Limnoreia Port Leucate
Der Zweimaster "Limnoreia" aus dem Jahre 1929 gehört zu den ältesten Schonern seiner Kategorie in Europa. Touristen können sogar beim Segel hissen helfen. Bild: © Jean Belondrad

Wie man in der Region Okzitanien zum Slow-Touristen wird

„Slow Tourism“ steht für nachhaltige Entwicklung, Sinnlichem und Langsamkeit beim Erlebten. Die Region Occitanie (Okzitanien) kann sich glücklich schätzen, denn dieses Angebot gibt’s hier schon lange. Das südliche Dolcefarniente ist quasi die Mutter der heutigen Slow-Tourism-Bewegung. Was nicht heißt, dass man, einmal vor Ort, nichts mehr macht. Vielmehr nimmt man sich Zeit, inspiriert sich vom Lokalkolorit und findet in den Rhythmus des Laisser-faire. Kurzum, man lernt wieder, das Leben zu genießen. Wir geben 5 Tipps, wie man in der Region Occitanie zum Slow-Touristen wird.

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Zehn Bilderbuch-Dörfer per Rad

Besonders gut erhaltene historische Orte dürfen sich in Frankreich mit dem Label „Les plus beaux villages de France“ schmücken. Im Departement Aveyron sind sie die reizvollen Etappen während einer siebentägigen Fahrradtour. Ab Entraygues-sur-Truyère führt diese Rundfahrt durch ausgesprochen abwechslungsreiche Landstriche. Von den Hochweiden des Aubrac über die Karsthöhen des Larzac, sowie durch die grünen Auen im Tal des Lot bis zu den spektakulären Schluchten im Tarn und im Aveyron. Entlang der rund 700 km langen Strecke reihen sich die zehn historischen, mit dem Label ausgezeichneten Dörfer des Departements. Darunter Conques mit schönen Fachwerkhäusern und der romanischen Abteikirche, deren Glasfenster Pierre Soulages gestaltete. Die Festungen von Najac hoch über dem Aveyron oder das von einem mächtigen Schloss überragte Estaing am Lot, sind ebenso wie die mittelalterlichen Mauern der Burgen von Belcastel und Brousse-le-Château willkommene Gelegenheiten vom Rad zu steigen.

Fahrradfahrer auf einer Brücke in Conques
Conques beeindruckt mit schönen Fachwerkhäusern und der romanischen Abteikirche. Bild: © Dominique Viet - CRT Occitanie

Gemütlich durchs Tal der Lot radeln

Ab dem Canal des Deux Mers, der Toulouse mit Bordeaux verbindet, führt die ausgeschilderte Radstrecke „La Vallée du Lot à vélo“ nach Cahors. Touristen radeln 160 km entlang von Weinlagen gemütlich durch das Lot-Tal. Rund 90 % der Strecke verlaufen auf verkehrsarmen Nebenstraßen, die restlichen 10 % auf motorfreien Radwegen. Hinter jeder Biegung des Flusses wartet ein neues Ausflugsziel. Mal sind es Schlösser hoch über Steilfelsen, dann wieder verlocken historische Orte wie Puy-l’Évêque, Albas, Luzech, Caillac oder Mercuès zur Besichtigung. Ohne ab und zu eine kleine Weinprobe beim Winzer zu vergessen. Ziel und Höhepunkt der Tour ist Cahors mit der berühmten Wehrbrücke Pont Valentré, ein Unesco-Welterbe. Der Markt, die Altstadt und die Kathedrale Saint Etienne mit ihren drei Kuppeldächern lohnen, einen Tag zu verweilen, bevor man die Rückreise antritt. Günstige Bahnverbindungen mit Fahrradtransport bestehen ab Cahors. Die Tour ist in zwei bis drei Tagen zu bewältigen. Entsprechende Unterkünfte für Fahrrad-Touristen mit dem Label „Accueil Vélo“ stehen entlang der Strecke überall in Entfernungen unter 5 km zur Verfügung.

Mit dem Fahrrad durch das Lot-Tal
Mit dem Fahrrad vorbei an Schlössern und Weinanbaugebieten durch das Lot-Tal. Bild: © Dominique Viet - CRT Occitanie

Wandern wie Stevenson und Modestine

Die Wanderung durch die Cevennen auf den Spuren von Robert Louis Stevenson und seiner Eselin Modestine ist ein beliebter Bestseller. Auf amüsante Weise berichtete der Schriftsteller über die Erlebnisse seiner Tour im Jahre 1878. Mittlerweile ist der Fernwanderweg von Langogne bis Alès als GR®70 gekennzeichnet. Alljährlich durchstreifen Wanderer mit und ohne Esel zuerst den Cevennen-Nationalpark und dann die südlichen Landstriche. Entlang des Stevenson-Weges durch die Departements Lozère und Gard bestehen gute Infrastrukturen, eine „Modestine“, die das Gepäck trägt, gibt es in vielen Orten zu mieten. Der Verein „Sur le chemin de Robert Louis Stevenson“ bemüht sich, den Wanderweg auch für Behinderte zugänglich zu machen. Gehbehinderte können mit der „Escargoline“, einem dreirädrigen, von einem Esel gezogenen Wagen bei der Stevenson-Wanderung dabei sein. Geübten Wanderern mit einer Sehbehinderung hilft die Audio-App „Open Way“, die den Weg und die Landschaften erklärt.

Wandern durch den Cevennen-Nationalpark
Der Fernwanderweg GR®70 von Langogne bis Alès durchzieht auch den Cevennen-Nationalpark. Bild: © G Deschamps - CRT Occitanie

Ausflug für Seebären und Fans von alten Booten

Auf der „Limnoreia“ segeln Passagiere ab Port Leucate mit dem Skipper Eric zweieinhalb Stunden lang dem Sonnenuntergang entgegen. Je nachdem wie die Winde wehen, folgt der Zweimaster aus dem Jahre 1929 der Steilküste mit den Sandstränden von Leucate, oder die Tour führt hinaus aufs Meer. Die „Limnoreia“ gehört zu den ältesten Schonern ihrer Kategorie in Europa und wer mag, hilft beim Segelhissen. Bei der zweieinhalbstündigen Sunset-Tour erzählt Eric die Geschichte des Schiffes. Zu kürzeren Törns startet das Segelschiff zweimal am Tag. Kinder ab 4 Jahre sind an Bord herzlich willkommen. Die „Sant’Elena“, ein ehemaliges Patrouillenboot aus Venedig, ist ein maritimes Schmuckstück aus Mahagoniholz. Bis zu zehn Passagiere können in Sète an Bord gehen. Während des Ausfluges auf den Wasserwegen des belebten Hafenstädtchens serviert Kapitän Julien dem venezianischen Bordambiente gerecht, Prosecco und italienische Spezialitäten. Neigt sich die Sonne hinter den Austernbänken von Mèze, verfolgen die Gäste an Bord der Sant’Elena ein faszinierendes Spiel der Farben auf dem Lagunensee „Etang de Thau“.

Segeltour mit der Limnoreia
Die Segeltouren mit der "Limnoreia" führen von Port Leucate aufs offene Meer oder entlang der Steilküste mit den Sandstränden von Leucate. Bild: © Eric Vois

Slow down in La Grande Motte

Der Ferienort vor den Toren von Montpellier erhielt aufgrund seiner avantgardistischen Architektur die Auszeichnung „Kulturerbe des 20. Jahrhunderts“. In La Grande Motte wurden schon früh die Weichen gestellt, damit Gäste auf ihr Auto verzichten können. Damals schwamm der bekannte Architekt Jean Balladur, der das Projekt leitete, gegen den Strom. Beim Baubeginn 1967 galt die Fortbewegung mit Motorfahrzeugen als das Nonplusultra. Doch Balladur wünschte sich eine Stadt mit hoher Lebensqualität. In La Grande Motte lassen sich alle Wege leicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigen. 70 % des Ferienortes sind Grünflächen, die von Fußgängeralleen und Radwegen durchquert werden. Auf der Halbinsel Ponant sind Camargue-Pferde zu beobachten oder Schildkröten, die in einem Rehabilitierungsbecken für die Auswilderung wieder fit gemacht werden. Ob beim Einkaufsbummel, bei einer Strandwanderung oder einem Spaziergang im Schatten von Kiefern, im verkehrsberuhigten La Grande Motte senkt sich der Stresspegel automatisch.

Im Ferienort La Grande Motte kann man auf das Auto verzichten. Alle Wege lassen sich leicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigen. Bild: © Henri Comte - OT La Grande Motte

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