Florida‘s Paradise Coast ist weit mehr als ein klassisches Strandziel. Über 80 Prozent der Fläche der Region stehen unter Naturschutz. Zu diesen Schutzgebieten gehören Teile der Everglades, dem größten ausgewiesenen Wildnisgebiet im Osten der USA. Zum Earth Day am 22. April lohnt ein genauerer Blick auf die Naturschutzprojekte der Region und auf die Möglichkeiten, die Reisende haben, aktiv daran teilzunehmen.
Das subtropische Ökosystem des Südwestens Floridas zählt zu den letzten seiner Art weltweit. Die Everglades sind das größte subtropische Wildnisgebiet in den USA und eines von 25 UNESCO-Welterben des Landes. Sie beherbergen über 350 Vogelarten sowie zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten, darunter den Floridapanther und den Westindischen Manati. Mangrovenküsten, Zypressen-Sümpfe und die labyrinthischen Ten Thousand Islands bilden gemeinsam ein Ökosystem, dessen Schutz nicht im stillen Kämmerlein stattfindet, sondern mit und vor den Augen der Öffentlichkeit.
Eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür ist der Dolphin Explorer, eine geführte Bootstour ab Marco Island, die Besucher zu aktiven Teilnehmern der Wissenschaft macht. Seit seiner Gründung im Februar 2006 läuft das 10,000 Islands Dolphin Project als einzige kontinuierliche Langzeitstudie über Wildtümmler in Südwestflorida und als einziges Projekt dieser Art in den USA, das systematisch von der Öffentlichkeit mitgetragen wird. Mitfahrende helfen dabei, Delfine zu lokalisieren, zu zählen und anhand ihrer Rückenflossen, die wie Fingerabdrücke einzigartig sind, zu identifizieren. An Bord begleiten ein Kapitän mit Doktortitel in Cetacean Biology, eine Meeresbiologin und zwei zertifizierte Florida Master Naturalists die Touren.
Allein 2025 dokumentierte das Projekt 6.438 Delfinsichtungen, beobachtete die Geburt von zehn Jungtieren und identifizierte 14 Großmütter im Bestand. Bereits 2013 hat das National Geographic-Buch „100 Places That Can Change Your Child‘s Life“ dieses einzigartige Erlebnis gewürdigt. Wer auf dem Wasser von Naples oder Marco Island nach Delfinen Ausschau hält, tut dies hier nicht nur als Beobachter, sondern als Mitforscher.
Während das Rookery Bay Center vor allem Küstenökologie vermittelt, denkt das Conservancy of Southwest Florida Naturschutz in einem breiteren gesellschaftlichen Rahmen. 1964 aus einer Bürgerinitiative gegen unkontrollierte Bebauung entstanden, setzt sich die Non-Profit-Organisation für den Schutz von Wasser, Land und Artenvielfalt in fünf Countys ein. Im Nature Center in Naples, das nach einer umfassenden Renovierung als nachhaltiger Modellbau gilt, können Besucher interaktive Ausstellungen erkunden, Tiere im Wildlife-Hospital beobachten, wo jährlich über 3.300 verletzte oder verwaiste Tiere behandelt werden, und an Bootstouren durch das angrenzende Schutzgebiet teilnehmen. Gopher-Schildkröten, bedrohte Vogelarten und das lokale Ökosystem stehen im Mittelpunkt. Hinter all dem steckt ein Appell: zu verstehen, wie menschliche Entscheidungen Ökosysteme formen.
Ob auf dem Wasser der Ten Thousand Islands, im Besucherzentrum des Rookery Bay Reserve oder bei einer Bootstour durch das Conservancy-Schutzgebiet, Florida‘s Paradise Coast ermöglicht Reisenden, Naturschutz nicht nur zu beobachten, sondern mitzugestalten. Wer die Region einmal so erlebt hat, versteht, warum Naples von Forschern, Ehrenamtlichen und Einheimischen gleichermaßen als Heimat betrachtet wird.