Manfred Häupl Botschafter Nachhaltigkeit
Manfred Häupl, Inhaber und Geschäftsführer von Hauser Exkursionen, engagiert sich nicht nur im eigenen Unternehmen als Botschafter und Berater in Sachen Nachhaltigkeit. Bild: © Hauser Exkursionen

Greenwashing in der Klimakrise – Hauser Exkursionen-Chef bezieht Stellung

Bäume pflanzen fürs Klima, vermeintliche Nachhaltigkeitslabels und Unternehmen, die sich grün kaufen: Das Problemthema Greenwashing ist in aller Munde. Neusten Enthüllungen einer internationalen Journalistengruppe (Die Zeit, The Guardian, SourceMaterial)* zufolge erleichterten namhafte Firmen beim weltgrößten Zertifikatehändler für Waldschutzprojekte im großen Stil ihr Gewissen gegen Geld. Dass 90 Prozent dieser Projekte gar keine Emissionsminderung zur Folge haben, kam erst durch die Recherchen ans Licht. Manfred Häupl, Inhaber und Geschäftsführer des deutschen Reiseveranstalters Hauser Exkursionen sowie selbsterklärter Botschafter in Sachen Nachhaltigkeit, verwundern die Ergebnisse nicht. Trotzdem ist er über das Ausmaß entsetzt: „Unter solchen Machenschaften leiden alle, die es mit der Nachhaltigkeit ernst meinen.“ Im Folgenden sein Statement in voller Länge.

Manfred Häupl: „Dieses auf höchstem Niveau betriebene Greenwashing, bestehend aus selbst geschaffenen Labels und flankiert von millionenschweren Marketingkampagnen, könnte zum Trugschluss führen, dass Kompensation kein ehrlicher Weg im Kampf gegen den Klimawandel sein kann. Doch das ist nicht wahr, wenn man es richtig angeht. Waldschutz ist per se ein hohes Gut und ein wichtiger Beitrag zu Natur- und Klimaschutz sowie Biodiversität. Doch Nachhaltigkeit sollte man zunächst nicht nur einseitig betrachten, also sich ‚nur‘ auf Klimaschutz konzentrieren. Ganzheitliche Nachhaltigkeit ist eine permanente Abwägung zwischen den drei Faktoren soziale Verantwortung, Klimaschutz und faire wirtschaftliche Entwicklung.

„Bei Flugreisen werden etwa 80 Prozent der Emissionen durchs Fliegen verursacht. Reisen vollkommen zu unterbinden ist utopisch, zumal dann auch die anderen beiden Komponenten der ganzheitlichen Nachhaltigkeit wegrationiert würden. Troztdem ist es ist es von zentraler Bedeutung, einen Umgang mit diesen Emissionen zu finden, um unser Klima und unsere Zukunft zu schützen. Darum haben beispielsweise wir bei Hauser Exkursionen ein Dreistufenmodell ins Leben gerufen.“

CO2 kompensieren – nicht irgendwie, sondern richtig!

Manfred Häupl: „Stufe 1, das Vermeiden: Tatsächlich bieten wir unter 800 Kilometer Entfernung keine Flugreisen an, also auch nicht innerhalb von Deutschland. Dafür bekommen unsere Kunden ein „Rail&Fly“-Ticket. Bei Stufe 2, dem Reduzieren, lautet unser Motto: Reise weniger, dafür aber richtig! Reisen bis 3.800 Kilometer Entfernung bieten wir nicht unter einer Woche vor Ort an. Fernreisen gibt es bei uns erst ab zwei Wochen Aufenthalt. Es hat sich herauskristallisiert, dass wir so nicht nur die Art und Häufigkeit klimaschädlicher Transporte reduzieren können, sondern unsere Kunden bei einem längeren Aufenthalt auch einen deutlichen Mehrwert verspüren. Gleichzeitig unterstützen sie die Wertschöpfung der Beteiligten vor Ort. Somit schaffen wir durch längere Aufenthalte einen sozialen Ausgleich.“

„Stufe 3, das Kompensieren, nennen wir den 100-Prozent-Weg. Machen wir uns nichts vor: Fliegen bleibt schmutzig, solange es keine alternativen Treibstoffe oder eine technische Revolution gibt. Da wir im Kampf gegen den Klimawandel nicht die Zeit haben, darauf zu warten, müssen wir jetzt handeln und in die Nicht-Entstehung potentieller CO2-Emissionen investieren. Am besten orientiert man sich ausschließlich an transparenten Kompensationsprojekten nach dem CDM Gold Standard. Diese Zertifizierung setzt höchste Maßstäbe bei den positiven Auswirkungen von Klimaprojekten an und deckt verschiedene Bereiche ab. Wir haben uns als Partner für die Organisation ‚atmosfair‘ aus Berlin entschieden, die bereits mehrmals von Stiftung Warentest ausgezeichnet wurde (aktueller Testsieger der Kompensationsanbieter mit Gesamtnote 0,5). Seit 2023 kompensieren wir zudem alle von Hauser Exkursionen durchgeführten Flugreisen inklusive unserer Dienstreisen zu 100 Prozent.“

Nachhaltigkeit betrifft alle – was können Verbraucher tun?

Manfred Häupl: „Nachhaltigkeit ist ein dynamischer Prozess, den wir stetig neu evaluieren müssen. Momentan ist richtiges Kompensieren eine unserer schärfsten Waffen im Kampf gegen das CO2. Wir unterstützen schon jetzt die Erforschung und Produktion emissionsfreier Treibstoffe. Sobald sich neue Wege ergeben, werden wir diese mit Hauser Exkursionen in unserer Rolle als Pionierunternehmen auch gehen. Wir unterstützen außerdem die Forderung, dass Kerosin für Flugzeuge mit einer zweckgebundenen CO2-Abgabe belegt werden muss. Diese Abgabe, die keine Steuer sein soll, darf nur in Klimaschutzprojekte mit höchsten Standards investiert werden. Alle im Tourismus Beteiligten wären dann gleichermaßen betroffen – und nicht nur die wenigen Freiwilligen.“

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich umfassend informieren, kritisch hinterfragen und nicht blenden lassen! Natürlich fühlt es sich gut an, nach dem Onlinekauf eine Mail zu erhalten, dass in der Folge ein Baum gepflanzt wird. Doch wurden Waldschutzprojekte nicht umsonst aus dem verbindlichen Vertrag zur Eindämmung des Klimawandels der Vereinten Nationen gestrichen. Bei Konsumenten, die vermeintliche Nachhaltigkeit kritisch hinterfragen, haben selbst internationale Großkonzerne keine Chance auf Täuschungen. Und vielleicht machen wir dann die Welt wirklich gemeinsam ein Stück besser.“

* zu lesen in DIE ZEIT 04/2023 (19. Januar 2023): „Der Klima-Betrug“/„Grün getarnt“

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