Vom 3. bis 13. September 2026 findet in Wrocław (Breslau) und weiteren Orten Niederschlesiens das 61. Internationale Festival Wratislavia Cantans statt. Leitmotiv ist in diesem Jahr Joseph Conrads Alterswerk „Die Schattenlinie“. Festivaldirektor Andrzej Kosendiak will damit wie der polnisch-britische Autor den Blick auf Übergänge im Leben lenken. Musikalisch stellen sich dieser Herausforderung unter anderem die Staatskapelle Dresden, Paul McCreesh und Giovanni Antonini.
Im Zentrum des Romans von Józef Korzeniowski alias Joseph Conrad stehen das Ende der Jugend und das Älterwerden. Das Programm überträgt diese Fragen auf persönliche, gesellschaftliche und historische Umbrüche. Zur Einstimmung gibt es Andrzej Wajdas 1976 erschienene Verfilmung der literarischen Vorlage. Musikalisch wird das Festival am 3. September im Nationalen Musikforum (NFM) mit Camille Saint-Saëns’ konzertanter Oper „Samson et Dalila“ eröffnet. Thomas Guggeis leitet Philharmonisches Orchester und Chor des NFM. Samson muss sich zwischen persönlicher Versuchung und der Verantwortung für sein Volk entscheiden.
Am 5. September rekonstruiert Paul McCreesh mit dem Gabrieli Consort & Players die „Venezianische Krönung 1595“. Das Projekt knüpft an seine Aufführung bei Wratislavia Cantans im Jahr 1997 an. Giovanni Antonini kehrt bereits am 4. September mit seinem Ensemble Il Giardino Armonico und „Sì dolce è’l tormento“ ebenfalls zu einem früheren Festivalprojekt zurück. Er wird am 12. September zudem mit dem Wrocław Baroque Ensemble auf die Bühne treten. Gemeinsam werden sie unter dem Motto „Herr Jesu“ Bachkantaten interpretieren, in denen es um die Auseinandersetzung des Menschen mit Glaube, Liebe und Tugend geht.
Zum Abschluss am 13. September erklingt Gustav Mahlers VI. Symphonie, die „Tragische“, mit der Staatskapelle Dresden unter Daniele Gatti. Kosendiak wählte das Werk, weil Mahler es in einer biografischen Übergangsphase schrieb.