Bergsee in Schenna
In Schenna/Südtirol ist Wasser in Form von Bergseen, Freibädern oder den historischen Waalen allgegenwärtig. Bild: Tourismusverein Schenna/Klaus Peterlin

Nachhaltiger Umgang mit Wasser in der Südtiroler Region Schenna

In und rund um Schenna war Wasser stets eine Rarität. Während sich Urlauber in der Gemeinde bei Meran über gut 200 In- und Outdoor-Swimmingpools und 2.200 Sonnenstunden pro Jahr freuen dürfen, stellt das trockene Südtiroler Klima die lokalen Bauern alljährlich vor eine Herausforderung. Doch die Gratwanderung im Sinn der Nachhaltigkeit gelingt: Während die Landwirte mittlerweile ein möglichst sparsames Bewässerungssystem für ihre Apfelgärten entwickelt haben, werden Schennas „fünf Kilometer Küste“ mithilfe von alternativen Energien beheizt und gereinigt. Wasser-Botschafter wie Wanderführerin Roswitha Schwienbacher Kröll sensibilisieren Gäste zudem bei Entdeckungstouren entlang jahrhundertealter Waalwege für die flüssige Kostbarkeit.
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Fünf Kilometer Küste

Die Pools in Schennas rund 230 Hotels, Pensionen, „Urlaub auf dem Bauernhof“-Betrieben sowie Ferienwohnungen und -häusern summieren sich auf fünf Kilometer Küste. Dabei scheinen die Infinity-Becken und klassischen Bassins der Südtiroler Gemeinde regelrecht über dem Talkessel zu schweben. So bietet etwa das riesige Freibad Lido Schenna unverbaute Aussicht auf die Kurstadt Meran und die umliegenden Gipfel. Dank seiner sonnigen Lage beginnt dort und an Schennas unzähligen Hotelpools die Badesaison bereits im Mai und reicht bis in den Spätherbst. Das gute Wetter beeinflusst obendrein die Wasserqualität positiv. Denn der hohe UV-Anteil desinfiziert derart, dass das Lido fast ohne Chlor auskommt. Chemiefreie Schwimmteiche wiederum reinigen sich mithilfe von Wasserpflanzen selbst, anderswo hat der hohe Salzgehalt denselben Effekt. Etliche Pools werden zudem von betriebseigenen Hackschnitzel- oder Photovoltaikanlagen beheizt.

Infinity Pool mit Ausblick Schenna
Von vielen Infinity-Pools Schennas hat man freie Sicht auf das Schloss der Südtiroler Gemeinde und die Kurstadt Meran im Tal. Bild: Tourismusverein Schenna/Hannes Niederkofler

Schennas Lebensadern

Waale heißen die künstlich angelegten Wasserläufe, die das Meraner Land wie Lebensadern durchziehen. Schon jahrhundertelang sorgen sie in Südtirol für fruchtbare Wiesen und Felder. Ähnliche Niederschlagsmengen wie auf Sizilien zwangen die Landwirte einst, das ausgeklügelte Bewässerungsnetz zu konzipieren. Als nie versiegende Quelle dienten die umliegenden Gletscher. In Schenna gibt‘s mit dem Maiser und dem Schenner Waal gleich zwei der Kulturdenkmäler, die noch heute aktiv genutzt werden. Um deren Funktionstüchtigkeit kümmert sich der Waaler. Für seine wertvolle Arbeit legte man die parallel verlaufenden Pfade an. Auf den vorwiegend flachen Waalwegen folgen Wanderer dem wertvollen Gut und lernen dank informativer Schautafeln jede Menge über die lokale Apfelwirtschaft. Seit die örtlichen Bauern 2010 gemeinschaftlich auf Tröpfchen-Bewässerung umgestellt haben, verantwortet Hans Gögele die Instandhaltung der historischen Kanäle und gerechte Wasserverteilung in Schenna: Das System besteht aus einer hochkomplexen Schlauchkonstruktion, die das Wasser aus dem Waal leitet und jeden einzelnen Apfelbaum direkt an der Wurzel mit einer bestimmten Menge versorgt. Das Resultat ist eine Ersparnis von über 50 Prozent gegenüber der vorherigen Beregnungstechnik. Mittels der so frei gewordenen Wasserkapazitäten erzeugen gleich zwei Südtiroler Kraftwerke Ökostrom.

Waalweg in Schenna
In Schenna gibt es zwei Waalwege, die entlang der Bewässerungskanäle verlaufen und zur großen Meraner Waalrunde zählen. Bild: Tourismusverein Schenna/Klaus Peterlin

Unterwegs mit der Wasser-Botschafterin

Wer mag, lässt sich von Roswitha Schwienbacher Kröll entlang des Schenner Waals begleiten. Die Wanderführerin lädt unterwegs mit Meditation und Kräuterkunde nicht nur zum Naturgenuss für alle Sinne ein. Sie vermittelt auf der rund zweistündigen Tour obendrein historische und aktuelle Hintergründe über die für Südtirol so typischen Kanäle. Eine erfrischende Station ist der neue, direkt am Wegesrand gelegene Kneipp-Parcours, bei dem die Teilnehmer die positive Wirkung des kalten, klaren Wassers hautnah erleben. Dabei hält die Kneipp-Expertin ein Füllhorn an Wissen über das wertvolle Gut bereit. Anmeldung beim Tourismusverein Schenna

Kneipp-Parcours am Schenner Waalweg
Wassertreten auf Südtirolerisch – der neue Kneipp-Parcours am Schenner Waalweg aktiviert neben dem Kreislauf auch die Laune. Bild: Tourismusverein Schenna/Klaus Peterlin

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