Der Strand Anse Source d`Argent liegt im Südwesten der Insel La Digue
Der bekannte Strand Anse Source d`Argent liegt im Südwesten der Insel La Digue. © Oliver Erdmann

Seychellen: Mahé und La Digue im Eiltempo

Was für ein Geschenk! Ich bekomme den Auftrag, auf den Seychellen ein Seminar durchzuführen. Für meine touristischen Aktivitäten bleibt mir allerdings nur das dazwischenliegende Wochenende. Mal sehen, was sich draus machen lässt.

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Ankunft auf Mahé: Linksverkehr und erste Eindrücke

Landeanflug auf Mahé, Hauptinsel der Seychellen, einem Archipel bestehend aus 115 Inseln im Indischen Ozean, ein paar hundert Kilometer vor der Ostküste Afrikas. Der Blick aus dem Bordfenster offeriert türkis-blaues Meer und hügelige, üppig grüne kleine Inseln. Die Flugzeugtüren öffnen sich und ich steige hinaus in tropisch-schwüle 30 Grad. Wir haben Mitte Oktober, ich schaue mich um, und mein erster Gedanke: Hätte mich schlechter treffen können. Die Einreise in die Republik Seychellen ist recht einfach; man benötigt lediglich einen ausreichend lange gültigen Reisepass und muss ein paar Tage vorher eine sog. „Travel Authorization“ ausfüllen, wie mittlerweile in vielen Ländern dieser Welt. Dauert nur wenige Minuten, dabei müssen jedoch Passdaten, die Flugbuchung und eine Hotelbestätigung hochgeladen werden. Der einzige Terminal des internationalen Flughafens (SEZ) ist mehr als übersichtlich, nach wenigen Schritten bin ich bereits durch die Passkontrolle und stehe am Kofferband. Wenn man nicht über einen Reiseveranstalter gebucht hat, sondern individuell unterwegs ist, ist ein Mietwagen empfehlenswert, um zur Unterkunft zu kommen und Mahé zu erkunden. Der kleine Kiosk der Autovermietung meines Vertrauens fällt mir schon ins Auge, als sich die Schiebetüren mit der Aufschrift „Welcome to the Seychelles“ für mich öffnen. Ein winziger Hyundai i10 soll mich erstmal zu meinem Apartment bringen. Achtlos öffne ich die Wagentür und bin leicht irritiert- das Lenkrad befindet sich rechts. Ach ja, auf den Seychellen fährt man auf der linken Straßenseite, also kurzerhand wieder ums Auto rum und los gehts. Zum Glück sind die „Seychellois“ nicht nur ein überaus entspanntes und freundliches Völkchen, sondern im Allgemeinen auch sehr rücksichtsvolle Autofahrer. Schnell gewöhne ich mich an den Linksverkehr und riskiere sogar den einen oder anderen Blick auf die Landschaft.
Ein typisches Seychellen Häuschen am Wegesrand mit zahlreichen Grünpflanzen im Garten
Ein kleines Seychellen Häuschen am Wegesrand mit zahlreichen inseltypischen Grünpflanzen im Garten. © Oliver Erdmann
Der Weg führt mich vom Flughafen immer an der Küste entlang nach Norden, durchfahre die nur bedingt sehenswerte Hauptstadt Victoria. Die Seychellen gehörten bis zum 29. Juni 1976 zum britischen Empire. An diesem Tag erlangten sie ihre Unabhängigkeit und wurden eine eigenständige Republik innerhalb des Commonwealth. Die Amtssprachen sind Englisch, Französisch und Seychellenkreol (Seselwa), ein bunter Mix also. Ich biege nach links auf eine steile, schmale Straße ab, und der Hyundai quält sich immer weiter hoch in die Hügel des Distrikts Anse Etoile. Sie sind überzogen von einem tiefgrünen Dschungel aus Kokospalmen, dichten Farnen und Bananensträuchern. Dazwischen immer wieder die für die Seychellen typischen massiven Grantifelsen. Vom Balkon meines Apartments (The Habitat Sesel): Panoramablick auf die vorgelagerten Inseln Sainte Anne Island, Ile Moyenne und Eden Island.

La Digue mit dem Fahrrad: Strände und Riesenschildkröten

Es ist Samstag, mein erster Ausflugstag. Mit einer Schnellfähre (Cat Cocos) geht’s früh am Morgen auf die Insel La Digue, neben Mahé und Praslin einer der drei Hauptinseln. Kein billiger Spaß, für Hin- und Rückfahrt werden insgesamt 140 EUR aufgerufen, aber nach Auskunft von David, meinem seychellischem Kollegen, ein überaus lohnendes Ziel- er sollte Recht behalten.
Schnellfähre am Anleger in La Passe auf La Digue
Schnellfähre am Anleger in La Passe auf La Digue. © Oliver Erdmann
Besonderheit der Insel: Sie ist nahezu autofrei. Einheimische und Urlauber bewegen sich hier fast ausschließlich mit dem Fahrrad fort, was für eine ausgesprochen entspannte Atmosphäre sorgt. Gruppen und weniger mobile Touristen, werden auch schon mal mit großen Golfwagen herumkutschiert.
Fahrräder und Golfcarts sind die wichtigsten Fortbewegungsmittel auf La Digue
Fahrräder und Golfcarts sind die wichtigsten Fortbewegungsmittel auf La Digue. © Oliver Erdmann
An der Zufahrt zum Fährterminal warten schon marktschreierische Fahrradverleiher auf Kundschaft. Ich nehme gleich den Erstbesten und Lautesten, denke mir, dass es wahrscheinlich sowieso kaum Qualitätsunterschiede geben wird. TÜV-geprüfte Fahrradsicherheit nach deutschem Vorbild erwarte ich ohnehin nicht und möchte ja auch keins kaufen, sondern lediglich ein wenig über die Insel gondeln. Für 200.- Seychellen Rupien (SCR), umgerechnet 12.- EUR, schwinge ich mich auf ein bequemes, etwas knarzendes Damenrad mit Gesundheitslenker und einem Plastikkorb auf dem Gepäckträger, der genügend Platz für meinen Tagesrucksack und eine Wasserflasche bietet.
Radroute auf La Digue Radroute von Oliver Erdmann bei einem kurzen Aufenthalt auf der Insel
Die Entfernungen auf La Digue sind überschaubar und große Teile der Insel auch gut mit dem Fahrrad zu erkunden. Der Autor hat während seines Kurzaufenthalts den Norden, Westen und Südwesten der Insel "erradelt". © Oliver Erdmann

Ich strample direkt los Richtung Süden, ein gut ausgebauter Weg bringt mich aus dem kleinen Örtchen La Passe in einer Viertelstunde zum Eingang des „L´Union Estate“ Nationalparks. Mit einem Bändchen ums Handgelenk und 150 SCR weniger in den Taschen geht`s schnurstracks weiter zum äußersten Zipfel des Parks, um vor dem zu erwartenden Ansturm an meinem persönlichen Highlight von La Digue anzukommen: dem „Anse Source d`Argent“, einer spektakulären Kulisse aus riesigen, vom Meer geschliffenen Granitfelsen, die wie monumentale Skulpturen aus dem weißen Sand und türkisfarbenen Wasser ragen. Er gilt als einer der am meisten fotografierten Strände der Welt, zurecht wie ich finde.

Feiner Sandstrand, türkisfarbenes Wasser und typische Granitfelsen am Strand Anse Source d`Argent
Postkartenmotiv: Am Traumstrand Anse Source d`Argent findet man feinen Sand, türkisfarbenes Wasser und die für die Seychellen typischen Granitfelsen vor einer üppigen grünen Vegetation. © Oliver Erdmann

Die Seychellen wie aus einem Hochglanzmagazin. Außer mir sind nur eine Handvoll Touristen an diesem Traumstrand. Ich tobe mich mit meiner iPhone-Kamera aus, laufe durchs knietiefe Meer und kann mich nicht sattsehen. Nach einer Weile schlendere ich zurück zum Fahrradparkplatz und fahre gemütlich noch zum „Giant Union Rock“, vor dem sich in einem großen Gehege beeindruckende Aldabra-Riesenschildkröten von Besuchern mit dort extra ausgelegten frischen Zweigen füttern lassen.

Riesenschildkröte im Nationalpark L`Union Estate
Im Nationalpark L’Union Estate auf der Seychellen-Insel La Digue befindet sich ein Gehege mit Aldabra-Riesenschildkröten, die bis zu 100 Jahre alt und 250 kg schwer werden können. © Oliver Erdmann
Zeitlupenartig zermalmen ihre kräftigen Kiefer die grünen Blätter. Weiter über den sanft geschwungenen Küstenweg Richtung Norden, immer wieder geht mein neugieriger Blick nach links auf das mich magisch anziehende Meer hinaus, oder nach rechts in den grünen Dschungel und die malerischen Häuschen. Ich springe am nicht weniger traumhaften Strand „Anse Patates“ noch einmal ins türkis-blaue Nass, trinke auf der anderen Inselseite direkt am Wegesrand in einem hübschen Restaurant (Chez Jules) ein kaltes Seybrew und genieße ein leckeres kreolisches Fischgericht bevor es wieder Zeit wird, zum Jetty in La Passe zurückzukehren.
Oliver Erdmann am Strand "Anse Patates" auf den Seychellen
Der Autor dieses Berichts am Strand "Anse Patates". © Oliver Erdmann

Tauchen und Strandtag bei Beau Vallon

Am Sonntag bleibe ich auf Mahé, umrunde mit meinem lütten Mietflitzer die Nordspitze der Insel und komme nach einer halben Stunde in den Touristenort Beau Vallon. Die Tauchbasis „Blue Sea Divers“ liegt gleich am Anfang einer Strandpromenade mit Souvenirshops und kleinen Verkaufs- und Imbissständen, direkt am langgestreckten, breiten und ebenfalls einladenden Sandstrand.
Der Strand von Beau Vallon auf der Seychellen-Insel Mahé
Der Strand von Beau Vallon lädt zu entspannten Spaziergängen ein. © Oliver Erdmann
Tauchboot der Blue Ocean Divers in Beau Vallon auf Mahé
Tauchboot der "Blue Ocean Divers" in Beau Vallon auf Mahé. © Oliver Erdmann
In wenigen Minuten erreichen wir mit dem Tauchboot unseren ersten Spot „Twin Barges Wreck“, zwei kleine gesunkene Fischkutter in 20 Metern Tiefe. Plankton und andere Schwebeteilchen beschränken ein wenig die Sicht, das Wetterphänomen El Niño, wie mir gesagt wird. Dem Tauchvergnügen tut es jedoch keinen Abbruch. Ein sympathisches Buddy-Team, eine lustige, und dabei noch äußerst hilfsbereite Schiffscrew, dazu bestenfalls noch ein paar sehenswerte Fische oder anderes Meeresgetier, mehr braucht es nicht, um unter Wasser eine gute Zeit zu haben. Mein letzter Tauchgang ist schon ein paar Jahre her, um so mehr genieße ich den schwerelosen, stillen Schwebezustand in meinem Lieblingselement. Während der Oberflächenpause verdunkelt sich urplötzlich der Himmel und tropischer Regen prasselt in dicken Tropfen auf uns nieder. Egal, nass sind wir ohnehin. Wir springen ausgelassen vom Bootsrand ins tiefblaue Meer, das sich auf einmal viel wärmer anfühlt als die angesagten 28 Grad. Es geht wieder runter, diesmal ins „Aquarium“, das seinem Namen alle Ehre macht. In 12 Metern Tiefe erwartet uns ein wunderschöner Korallengarten, belebt von vielen bunten Fischen. Zwei Muränen äugen mit weit aufgerissenem Maul hervor und sogar eine große Wasserschildkröte schwimmt gelassen an uns vorbei. Der Regen scheint auch die Schwebteilchen fortgespült zu haben, die Sicht ist hier fantastisch. Zurück an Land treiben mich Hunger und Durst zu den Verkaufsständen an der Strandpromenade, gönne mir zum Abschluss eines geradezu paradiesischen Wochenendes ein „Deko-Bier“, Seybrew natürlich, und wieder mal ein frisch zubereitetes kreolisches Fischcurry.
Blick aus dem Flugzeugfenster auf die Flughafen Start- und Landebahn direkt am Meer auf den Seychellen
Auf den Seychellen befindet sich alles direkt am tief-blauen Meer- selbst die Start- und Landebahn des Flughafens. © Oliver Erdmann

Roman von Oliver Erdmann

Der Reisebericht von Oliver Erdmann hat Euch gefallen und Ihr möchtet gerne mehr von ihm lesen? Dann könnte vielleicht seine erste Buchveröffentlichung, der Roman „Kolumbianische Träume“, genau das Richtige für Euch sein. Der junge Kokabauer Luis aus dem kolumbianischen Hochland, der Drogenboss Carlos aus Medellín und der Hafenarbeiter Maik schmuggeln eine Tonne hochreines Kokain von Südamerika nach Hamburg. Jeder von ihnen hat sein Schicksal selbst in der Hand und muss sich entscheiden, was er bereit ist, auf der Suche nach dem ganz persönlichen Glück auf’s Spiel zu setzen…

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