Was für ein Geschenk! Ich bekomme den Auftrag, auf den Seychellen ein Seminar durchzuführen. Für meine touristischen Aktivitäten bleibt mir allerdings nur das dazwischenliegende Wochenende. Mal sehen, was sich draus machen lässt.
Landeanflug auf Mahé, Hauptinsel der Seychellen, einem Archipel bestehend aus 115 Inseln im Indischen Ozean, ein paar hundert Kilometer vor der Ostküste Afrikas. Der Blick aus dem Bordfenster offeriert türkis-blaues Meer und hügelige, üppig grüne kleine Inseln. Die Flugzeugtüren öffnen sich und ich steige hinaus in tropisch-schwüle 30 Grad. Wir haben Mitte Oktober, ich schaue mich um, und mein erster Gedanke: Hätte mich schlechter treffen können. Die Einreise in die Republik Seychellen ist recht einfach; man benötigt lediglich einen ausreichend lange gültigen Reisepass und muss ein paar Tage vorher eine sog. „Travel Authorization“ ausfüllen, wie mittlerweile in vielen Ländern dieser Welt. Dauert nur wenige Minuten, dabei müssen jedoch Passdaten, die Flugbuchung und eine Hotelbestätigung hochgeladen werden. Der einzige Terminal des internationalen Flughafens (SEZ) ist mehr als übersichtlich, nach wenigen Schritten bin ich bereits durch die Passkontrolle und stehe am Kofferband. Wenn man nicht über einen Reiseveranstalter gebucht hat, sondern individuell unterwegs ist, ist ein Mietwagen empfehlenswert, um zur Unterkunft zu kommen und Mahé zu erkunden. Der kleine Kiosk der Autovermietung meines Vertrauens fällt mir schon ins Auge, als sich die Schiebetüren mit der Aufschrift „Welcome to the Seychelles“ für mich öffnen. Ein winziger Hyundai i10 soll mich erstmal zu meinem Apartment bringen. Achtlos öffne ich die Wagentür und bin leicht irritiert- das Lenkrad befindet sich rechts. Ach ja, auf den Seychellen fährt man auf der linken Straßenseite, also kurzerhand wieder ums Auto rum und los gehts. Zum Glück sind die „Seychellois“ nicht nur ein überaus entspanntes und freundliches Völkchen, sondern im Allgemeinen auch sehr rücksichtsvolle Autofahrer. Schnell gewöhne ich mich an den Linksverkehr und riskiere sogar den einen oder anderen Blick auf die Landschaft.
Der Weg führt mich vom Flughafen immer an der Küste entlang nach Norden, durchfahre die nur bedingt sehenswerte Hauptstadt Victoria. Die Seychellen gehörten bis zum 29. Juni 1976 zum britischen Empire. An diesem Tag erlangten sie ihre Unabhängigkeit und wurden eine eigenständige Republik innerhalb des Commonwealth. Die Amtssprachen sind Englisch, Französisch und Seychellenkreol (Seselwa), ein bunter Mix also. Ich biege nach links auf eine steile, schmale Straße ab, und der Hyundai quält sich immer weiter hoch in die Hügel des Distrikts Anse Etoile. Sie sind überzogen von einem tiefgrünen Dschungel aus Kokospalmen, dichten Farnen und Bananensträuchern. Dazwischen immer wieder die für die Seychellen typischen massiven Grantifelsen. Vom Balkon meines Apartments (The Habitat Sesel): Panoramablick auf die vorgelagerten Inseln Sainte Anne Island, Ile Moyenne und Eden Island.
Es ist Samstag, mein erster Ausflugstag. Mit einer Schnellfähre (Cat Cocos) geht’s früh am Morgen auf die Insel La Digue, neben Mahé und Praslin einer der drei Hauptinseln. Kein billiger Spaß, für Hin- und Rückfahrt werden insgesamt 140 EUR aufgerufen, aber nach Auskunft von David, meinem seychellischem Kollegen, ein überaus lohnendes Ziel- er sollte Recht behalten.
Besonderheit der Insel: Sie ist nahezu autofrei. Einheimische und Urlauber bewegen sich hier fast ausschließlich mit dem Fahrrad fort, was für eine ausgesprochen entspannte Atmosphäre sorgt. Gruppen und weniger mobile Touristen, werden auch schon mal mit großen Golfwagen herumkutschiert.
An der Zufahrt zum Fährterminal warten schon marktschreierische Fahrradverleiher auf Kundschaft. Ich nehme gleich den Erstbesten und Lautesten, denke mir, dass es wahrscheinlich sowieso kaum Qualitätsunterschiede geben wird. TÜV-geprüfte Fahrradsicherheit nach deutschem Vorbild erwarte ich ohnehin nicht und möchte ja auch keins kaufen, sondern lediglich ein wenig über die Insel gondeln. Für 200.- Seychellen Rupien (SCR), umgerechnet 12.- EUR, schwinge ich mich auf ein bequemes, etwas knarzendes Damenrad mit Gesundheitslenker und einem Plastikkorb auf dem Gepäckträger, der genügend Platz für meinen Tagesrucksack und eine Wasserflasche bietet.
Zeitlupenartig zermalmen ihre kräftigen Kiefer die grünen Blätter. Weiter über den sanft geschwungenen Küstenweg Richtung Norden, immer wieder geht mein neugieriger Blick nach links auf das mich magisch anziehende Meer hinaus, oder nach rechts in den grünen Dschungel und die malerischen Häuschen. Ich springe am nicht weniger traumhaften Strand „Anse Patates“ noch einmal ins türkis-blaue Nass, trinke auf der anderen Inselseite direkt am Wegesrand in einem hübschen Restaurant (Chez Jules) ein kaltes Seybrew und genieße ein leckeres kreolisches Fischgericht bevor es wieder Zeit wird, zum Jetty in La Passe zurückzukehren.
Am Sonntag bleibe ich auf Mahé, umrunde mit meinem lütten Mietflitzer die Nordspitze der Insel und komme nach einer halben Stunde in den Touristenort Beau Vallon. Die Tauchbasis „Blue Sea Divers“ liegt gleich am Anfang einer Strandpromenade mit Souvenirshops und kleinen Verkaufs- und Imbissständen, direkt am langgestreckten, breiten und ebenfalls einladenden Sandstrand.