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Mehr InformationenDer Name Paul da Serra lässt sich sinngemäß als „Gebirgsmoor“ oder „Sumpf im Gebirge“ übersetzen. Der Begriff paul bezeichnet im Portugiesischen ein feuchtes oder sumpfiges Gelände. Heute ist die Hochebene jedoch keineswegs überall nass. Je nach Jahreszeit und Wetter wechseln sich trockene, bräunliche Flächen mit grünen Wiesen, Heide und niedrigem Buschwerk ab. Der höchste Punkt des westlichen Bergmassivs ist der Pico Ruivo do Paul mit etwa 1.640 Metern. Er darf nicht mit dem Pico Ruivo verwechselt werden. Dieser liegt weiter östlich im zentralen Gebirge und ist mit 1.862 Metern der höchste Berg Madeiras.
Entstehungsgeschichte der Hochebene
Paul da Serra ist vulkanischen Ursprungs, so wie die ganze Insel Madeira. Während Madeira sonst für seine extrem steilen Gipfel und tiefen Täler bekannt ist, verdankt das Hochplateau seine außergewöhnliche Flachheit einem bestimmten geologischen Prozess: Madeira wurde über mehrere Millionen Jahre aus Lavaströmen, Vulkanasche und Tuffen aufgebaut. Das Gebiet des heutigen Paul da Serra gehört zu einem späteren Abschnitt dieser Vulkanentwicklung. Die Hochebene besteht überwiegend aus Basaltlaven. Die Lava floss nicht nur aus einem einzigen Krater, sondern auch aus mehreren Schlotten und Spalten. Dadurch häuften sich flache, dicke Lavadecken übereinander und es entstand ein breites, nur leicht geneigtes Plateau statt eines steilen Kegels.
Geologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass sich hier während der letzten Eiszeit ein Gletscher beziehungsweise ein zusammenhängendes Eisfeld befand. Seine größte Ausdehnung erreichte es vermutlich vor ungefähr 25.000 Jahren. Davon zeugen unter anderem flache Täler mit U-förmigem Querschnitt, rundliche Vertiefungen, große versetzte Basaltblöcke und Ablagerungen, die als Moränen gedeutet werden. Madeira wird meist mit vulkanischem Ursprung und subtropischer Vegetation verbunden. Dass auf der Insel auch Spuren eiszeitlicher Vergletscherung erhalten sind, gehört zu den weniger bekannten Seiten ihrer Naturgeschichte.
Fauna und Flora
Im Vergleich zum Laurisilva-Wald wirkt die Vegetation auf Paul da Serra niedrig und stellenweise spärlich. Das hat mehrere Gründe. Die Hochebene ist Wind, Nebel, starken Niederschlägen, intensiver Sonneneinstrahlung und deutlichen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Große Bäume finden unter diesen Bedingungen kaum Schutz. Die karge, steppen- und heideähnliche Graslandschaft erinnert eher an schottische Hochmoore oder alpine Weiden. Sie steht in extremem Kontrast zum ansonsten üppigen, subtropischen Grün Madeiras. Typische Gewächse für die Paul da Serra sind Bergheide, Ginster, Gräser, Farne und niedrige Sträucher. Hinzu kommen endemische Pflanzen, die an die Höhenlagen Madeiras angepasst sind. Dazu gehört der Madeira-Bergthymian Thymus micans. Die kleine, verholzende Pflanze kommt ausschließlich auf Madeira vor und wächst vor allem auf Paul da Serra und in der Umgebung des Pico Ruivo.
Die offene Vegetation wird außerdem als Weideland genutzt. Schafe und Rinder fühlen sich hier wohl und gehören zum Landschaftsbild. Gerade bei Nebel sollten Besucher der Hochebene daher im Straßenverkehr besonders vorsichtig sein, denn die Tiere stehen auch gerne einmal in Straßennähe oder unmittelbar am Fahrbahnrand.
Unter den Vögeln lassen sich unter anderem Mäusebussarde, Turmfalken, Kanarengirlitze und Madeira-Buchfinken beobachten. Auch wenn das Plateau selbst überwiegend kahl erscheint, wartet an den bewaldeten Rändern das landschaftliche Gegenteil: der dichte, urzeitliche Lorbeerwald mit seiner immergrünen Vegetation. Ein Kontrast, der sich bei einem gemeinsamen Besuch beider Landschaften ganz besonders intensiv erschließt.
Wetter zwischen Nord- und Südküste
Paul da Serra liegt im Einflussbereich der feuchten Passatwinde. Luftmassen treffen auf die Insel, steigen an den Berghängen auf und kühlen dabei ab. So bilden sich Wolken, die sich häufig an der Hochebene und den umliegenden Bergen festsetzen. Deshalb kann das Wetter innerhalb weniger Minuten wechseln. Eben noch reicht der Blick über die Bergrücken, kurz darauf ziehen Nebelschwaden über die Straße. Auch die Temperatur unterscheidet sich deutlich von der Küste. Während es in Calheta oder Ponta do Sol warm und sonnig ist, können auf Paul da Serra Wind, Nieselregen und einstellige Temperaturen herrschen. Als Faustregel gilt: Auf dem Plateau ist es meist 10 bis 12 °C kälter als in Funchal oder an den Stränden. Während es unten im Sommer angenehme 25 °C hat, klettert das Thermometer auf der Hochebene oft nur auf 13 bis 15 °C. Im Winter kann die Temperatur dort oben sogar in die Nähe des Gefrierpunktes fallen, und gelegentlich schneit es sogar kurzzeitig.
Die besten Aussichtspunkte in Paul da Serra
Auf und rund um die Hochebene Paul da Serra gibt es einige spektakuläre Aussichtspunkte (portugiesisch: Miradouros). Da das Plateau so hoch liegt, bieten sie oft einen Blick über die Wolken oder tief hinein in die grünen Täler.
Miradouro da Bica da Cana
Einer der besten Aussichtspunkte im Gebiet ist der Miradouro da Bica da Cana. Er liegt auf etwa 1.580 Metern Höhe und ist von der Straße aus über einen kurzen Fußweg erreichbar. Bei guter Sicht reicht der Blick über das Tal von São Vicente und die bewaldeten Berghänge der Nordseite. Häufig liegen Wolken unterhalb des Aussichtspunktes. Deshalb wird Bica da Cana auch gerne zum Sonnenaufgang besucht. In der Nähe befindet sich ein Freizeit- und Picknickbereich mit Tischen, Feuerstellen und sanitären Anlagen.
Pico Ruivo do Paul
Der Pico Ruivo do Paul ist mit 1.639 Metern die höchste Erhebung direkt auf dem Plateau. Von hier kann man einen 360-Grad-Panoramablick über die gesamte Hochebene genießen. Mit etwas Wetterglück bei klarer Sicht reicht der Blick sogar gleichzeitig bis zur Nord- und Südküste Madeiras. Man kann das as Auto an der Hauptstraße (ER 110) abstellen und erreicht den Gipfel über einen relativ kurzen, aber stetig ansteigenden Fußweg.
Miradouro do Rabaçal
Miradouro do Lombo do Mouro
Windräder gehören inzwischen zum Landschaftsbild
Die ersten Windparks entstanden bereits in den 1990er-Jahren. Später kamen weitere Anlagen hinzu. Im Jahr 2026 befanden sich zusätzliche beziehungsweise erneuerte Windenergieanlagen im Bau. Die Regionalregierung verbindet damit das Ziel, mehr Strom aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen und die Abhängigkeit Madeiras von importierten fossilen Brennstoffen zu verringern. Auch wenn die Hochebene als idealer Standort für die Windparks definiert worden ist, bleibt die Nutzung natürlich nicht ohne Eingriff in die Landschaft. Straßen, Fundamente und technische Anlagen berühren ökologisch empfindliche Flächen. Deshalb gelten für die Windparks besondere Vorgaben zur Umweltbeobachtung, zur Kontrolle invasiver Pflanzen und zum Schutz der einheimischen Vegetation.
Wasserreservoir für Madeira
Mindestens ebenso wichtig wie der Wind ist das Wasser für Paul da Serra und ganz Madeira. Der Untergrund von Paul da Serra nimmt große Mengen an Regen und Nebelfeuchtigkeit auf. Nach Angaben des madeirischen Naturschutzinstituts gilt die Hochebene als wichtigstes Gebiet für die Neubildung des Grundwassers auf der Insel. Wasser wird in Levadas gesammelt und zu tiefer gelegenen Regionen geleitet. Ein Teil dient der Trinkwasserversorgung und der Landwirtschaft, ein anderer der Stromerzeugung. Die Levada do Paul II transportiert beispielsweise Wasser zur Rabaçal-Ladekammer. Von dort gelangt es über eine Druckleitung zum Wasserkraftwerk Calheta. Auch der Stausee Pico da Urze gehört zu diesem System. Er macht sichtbar, dass Paul da Serra weit mehr als eine Aussichtsl Landschaft ist. Die Hochebene erfüllt eine konkrete Funktion für die Wasser- und Energieversorgung der Insel.
Wandern in Paul da Serra
Die offene Hochfläche selbst ist kein Wanderziel mit einem zentralen Rundweg. Viele Besucher durchqueren sie mit dem Auto und halten an ausgewählten Aussichtspunkten. Dennoch ist Paul da Serra ein bedeutender Ausgangsraum für Wanderungen. An ihren Rändern beginnen einige der bekanntesten Wege Madeiras. Dazu zählen die Routen bei Rabaçal zu den 25 Fontes und zum Risco-Wasserfall, die Levada do Alecrim sowie Wege in Richtung Fanal. Neuere klassifizierte Strecken wie die Vereda do Pico Fernandes oder die kurze Levada do Paul II erschließen weitere Teile des Gebietes.
Die barriereärmer angelegte PR 6.8 Levada do Paul II verläuft nahezu ohne Höhenunterschied über rund 1,2 Kilometer pro Richtung. Sie beginnt bei der Rabaçal-Ladekammer an der ER 105. Der Weg wurde ausdrücklich so gestaltet, dass er auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität einen leichteren Zugang zur Landschaft ermöglicht.
Anreise und Parken
Paul da Serra ist nur mit dem Auto, Taxi oder im Rahmen einer organisierten Tour sinnvoll erreichbar. Eine reguläre Busverbindung, mit der sich die Hochebene flexibel erkunden ließe, gibt es nicht. Mehrere Regionalstraßen führen auf das Plateau. Zu den wichtigsten gehören die ER 105 und die ER 209. Sie verbinden Paul da Serra unter anderem mit Rabaçal, Fanal, Encumeada und den Orten an der Südwestküste. Je nach Ausgangspunkt erfolgt die Zufahrt beispielsweise über Ponta do Sol und Canhas, über Calheta oder von Norden über São Vicente.
Parkmöglichkeiten befinden sich unter anderem:
– am Aussichtspunkt und Freizeitbereich Bica da Cana
– am großen Wanderparkplatz oberhalb von Rabaçal
– im Bereich Fanal
– an ausgewiesenen Ausgangspunkten der Wanderwege
– an einzelnen befestigten Haltebuchten entlang der Regionalstraßen
Gerade am Zugang nach Rabaçal sind die Parkplätze an gut besuchten Tagen schnell belegt. Wer eine längere Wanderung plant, sollte möglichst früh anreisen.
Praktische Informationen zu Paul da Serra
Höhenlage: durchschnittlich etwa 1.500 Meter
Höchster Punkt im westlichen Bergmassiv: Pico Ruivo do Paul, etwa 1.640 Meter
Eintritt: frei
Öffnungszeiten: jederzeit zugänglich
Öffentliche Verkehrsmittel: keine geeignete reguläre Verbindung für einen Ausflug
Versorgung: keine Tankstelle und nur sehr begrenzte Infrastruktur
Beste Besuchszeit: möglichst bei stabiler Wetterlage und guter Sicht
Wichtige Straßen: ER 105 und ER 209
Besondere Ziele: Bica da Cana, Rabaçal, Fanal und Pico da Urze
Impressionen von Paul da Serra (von Rodolfo Vieira):
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