Mit 1.862 Metern ist der Pico Ruivo der höchste Berg Madeiras und der dritthöchste Berg Portugals. Nur der Ponta do Pico auf den Azoren und die Torre in der Serra da Estrela auf dem portugiesischen Festland sind höher. Der Gipfel des Pico Ruivo liegt nur wenige hundert Meter höher als sein bekanntester Nachbar, der Pico do Areeiro. Trotzdem wirkt der Weg dorthin wie ein Übergang in eine andere Landschaft. Schmale Pfade folgen den Bergrücken, Treppen steigen durch felsige Hänge, und in den Tälern hängen häufig dichte Wolken. Manchmal reicht der Blick über große Teile Madeiras. Wenige Minuten später kann Nebel den nächsten Wegweiser verschlucken.
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Mehr InformationenEine Straße führt nicht bis zum Gipfel. Wer ganz nach oben möchte, muss das letzte Stück zu Fuß zurücklegen. Die kürzeste Route beginnt an der Achada do Teixeira oberhalb von Santana. Anspruchsvoller ist die Überschreitung vom Pico do Areeiro. Eine dritte Möglichkeit führt aus der Ortschaft Ilha über mehr als 1.200 Höhenmeter hinauf.
Mitten im Zentralmassiv
Der Pico Ruivo gehört zum zentralen Gebirgsmassiv Madeiras. Tiefe Täler trennen ihn vom Pico do Areeiro und vom 1.851 Meter hohen Pico das Torres. Schmale Grate, steile Felswände und vulkanische Gesteinsschichten prägen die Landschaft. Die heutigen Bergformen entstanden durch Erosion. Wind, Regen und große Temperaturunterschiede trugen weichere vulkanische Materialien ab. Härtere Gesteinsschichten und erstarrte vulkanische Gänge blieben stehen. Dadurch entwickelte sich das zerklüftete Relief, das vom Gipfel besonders gut zu erkennen ist.
Administrativ liegt der Pico Ruivo im Kreis Santana. Vom Ortszentrum ist der Berg jedoch noch deutlich entfernt. Zwischen den Häusern Santanas und dem Gipfel liegen Waldgebiete, Bergstraßen und mehrere Höhenstufen.
Aussichten vom Gipfel des Pico Ruivo
Die Aussichtsplattform des Pico Ruivo bildet einen kleinen, befestigten Bereich unmittelbar am Gipfel. Eine steinerne Säule markiert den höchsten Punkt. Bei guter Sicht öffnet sich ein weiter Rundblick. Im Süden liegt das tief eingeschnittene Tal von Curral das Freiras. Weiter dahinter lassen sich Teile des Kreises Câmara de Lobos erkennen. Nach Norden fällt das Gelände in Richtung Santana ab. Deutlich sichtbar sind die Täler der Ribeira Grande und der Ribeira de São Jorge.
Der Blick reicht außerdem über den Verlauf des Zentralmassivs. Im Osten erscheinen Pico das Torres, Pico do Areeiro und bei klarer Luft die lang gezogene Halbinsel Ponta de São Lourenço. Im Westen liegt die Hochebene Paul da Serra. An wenigen Tagen, bei außerordentlich guten Bedingungen zeichnen sich Porto Santo und die Ilhas Desertas am Horizont ab. Allerdings sind diese guten Sichtbedingungen wirklich selten. Der Pico Ruivo liegt oft genau an der Grenze zwischen verschiedenen Wolkenschichten. Nebel zieht häufig über die Grate, reißt für einen Moment auf und gibt einzelne Täler oder Bergspitzen frei. Wer ausschließlich wegen des Panoramas kommt, braucht etwas Wetterglück.
Drei Wege zum Gipfel
PR 1.2 ab Achada do Teixeira
Die Vereda do Pico Ruivo, offiziell PR 1.2, ist der kürzeste und einfachste reguläre Zugang. Ausgangspunkt ist der Parkplatz an der Achada do Teixeira auf rund 1.590 Metern Höhe. Von dort führt ein gut erkennbarer Weg über 2,8 Kilometer zum Gipfelbereich. Hin und zurück sind es 5,6 Kilometer. Die offizielle Gehzeit beträgt etwa eineinhalb Stunden. Ein gemütlicher Spaziergang ist die Strecke trotz ihrer überschaubaren Länge nicht. Der Weg steigt wiederholt an, enthält Treppen und verläuft auf großer Höhe. Auf den letzten Metern zwischen Berghütte und Gipfel wird es noch einmal deutlich steiler.
Kurz nach dem Start ist unterhalb des Weges eine markante Felsformation zu sehen. Der Homem em Pé erinnert aus der passenden Perspektive an eine aufrecht stehende menschliche Gestalt. Entlang der Strecke stehen kleine steinerne Unterstände. Sie bieten bei plötzlichem Wind oder Regen etwas Schutz, ersetzen aber keine wetterfeste Kleidung.
Für Besucher über zwölf Jahre kostet die PR 1.2 derzeit 4,50 Euro. Die vorherige Reservierung eines Zeitfensters über das Portal SIMplifica ist verpflichtend. Einwohner der Autonomen Region Madeira sind von der Gebühr ausgenommen.
PR 1 vom Pico do Areeiro
Die Vereda do Areeiro verbindet die drei höchsten Gipfel Madeiras. Sie beginnt am 1.818 Meter hohen Pico do Areeiro, führt am Pico das Torres vorbei und endet am Pico Ruivo. Die offizielle Strecke misst 6,1 Kilometer und dauert ungefähr drei Stunden. Pausen und der weitere Abstieg sind darin nicht enthalten. Die Höhenangaben allein vermitteln allerdings einen falschen Eindruck. Zwischen Start und Ziel liegen zahlreiche Abstiege und Gegenanstiege. Dazu ist das Gelände an einigen Stellen nicht ganz einfach zu begehen. Treppen, Tunnel, schmale Passagen und ausgesetzte Wegstücke verlangen Kondition, Trittsicherheit und Konzentration.
Nach den schweren Waldbränden vom August 2024 blieb ein großer Teil der PR 1 lange geschlossen. Seit 2026 ist die Verbindung wieder vollständig geöffnet. Für die Nutzung gelten allerdings neue Regeln. Zwischen Pico do Areeiro und dem Aussichtspunkt Pedra Rija darf der Weg in beide Richtungen begangen werden. Ab Pedra Rija verläuft die Strecke nur noch in Richtung Pico Ruivo. Ein Rückweg zum Pico do Areeiro ist von dort nicht gestattet.
Damit ist die PR 1 eine echte Streckenwanderung. Nach dem Gipfel müssen Wanderer über die PR 1.2 zur Achada do Teixeira oder über die PR 1.1 nach Ilha absteigen. Ein Transfer zwischen Start und Ziel muss vorab organisiert werden. Viele Anbieter verbinden die Tour deshalb mit einem Shuttle.
Der Zugang zur vollständigen PR 1 kostet für Besucher über zwölf Jahre 10,50 Euro. Das Ticket schließt die anschließende Nutzung der PR 1.1 oder PR 1.2 ein. Auch hier sind Buchung und Zeitfenster über SIMplifica vorgeschrieben.
Der östliche Wegabschnitt über den Pico das Torres ist weiterhin geschlossen. Die geöffnete Route verläuft auf der westlichen Variante durch die Tunnel.
PR 1.1 aus Ilha
Die Vereda da Ilha verbindet die Berghütte unterhalb des Pico Ruivo mit der Ortschaft Ilha an der Nordseite des Massivs. Offiziell ist die 8,2 Kilometer lange Strecke als Weg vom Berg hinunter nach Ilha beschrieben. Dabei werden auf kurzer Distanz mehr als 1.200 Höhenmeter abgebaut. In umgekehrter Richtung wird daraus ein langer und anstrengender Aufstieg. Der Weg beginnt auf etwa 490 Metern Höhe und steigt durch dichte Vegetation bis zur Casa de Abrigo do Pico Ruivo auf rund 1.760 Metern. Anschließend folgen noch der letzte Anstieg und die Treppen zum Gipfel.
Die Route zeigt den Wechsel der Vegetationszonen besonders deutlich. Unten herrscht feuchter Wald vor. Weiter oben wird der Bewuchs niedriger und lichter, bis schließlich felsige Bergheiden dominieren. Für den Aufstieg sollte wesentlich mehr Zeit eingeplant werden, als die offiziell genannten drei Stunden für die Abstiegsrichtung. Wer die PR 1.1 als Zugang zum Gipfel wählt, sollte bergfest sein und den Rückweg oder einen Transfer sorgfältig organisieren.
Die Casa de Abrigo do Pico Ruivo
Unterhalb des Gipfels treffen die wichtigsten Wanderwege aufeinander. Dort steht die Casa de Abrigo do Pico Ruivo. Die Berghütte wurde renoviert und 2019 wiedereröffnet. In der Hütte werden Getränke, kleine Snacks und Kuchen angeboten. Toiletten sind ebenfalls vorhanden. Da der Umfang des Angebots in der Casa de Abrigo do Pico schwankt, sollte ausreichend Wasser und Verpflegung mitgeführt werden. Von der Berghütte führt der letzte Wegabschnitt über Treppen zum Gipfel.
An der Casa de Abrigo zweigen neben PR 1, PR 1.1 und PR 1.2 auch Wege in Richtung Encumeada ab. Solche Verbindungen sind von Sperrungen und Einschränkungen besonders häufig betroffen. Ein Wegweiser vor Ort bedeutet daher nicht automatisch, dass jeder angegebene Abschnitt auch geöffnet ist.
Bergvegetation statt Lorbeerwald
Auf dem Gipfel des Pico Ruivo wächst kein dichter Laurisilva-Wald. Oberhalb von etwa 1.400 Metern herrschen andere Bedingungen. Starker Wind, intensive Sonneneinstrahlung, niedrige Temperaturen und geringe Bodenauflagen lassen vor allem niedrige Sträucher, Gräser, Moose und Flechten gedeihen. Zu den typischen Pflanzen des Gebirgsmassivs gehören die Madeira-Viole, die Madeira-Grasnelke und der Madeira-Steinbrech. Auch der blau blühende Massaroco, eine auf Madeira heimische Natternkopfart, kommt in den Bergregionen vor. Baumheide und Madeira-Wacholder können an geschützteren Stellen niedrige Bestände bilden. Das östliche Zentralmassiv beherbergt mehr als 70 endemische Gefäßpflanzentaxa. Einige kommen nur auf Madeira, manche sogar nur in seinen Hochlagen vor. Kleine Pflanzen am Wegrand sind daher kein belangloses Begleitgrün. Sie können zu Arten gehören, deren gesamtes natürliches Verbreitungsgebiet nur wenige Quadratkilometer umfasst.
Der Bergbereich ist Teil des Naturparks Madeira und gehört zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000. Geschützt werden unter anderem makaronesische Bergheiden, felsige Hänge mit spezialisierter Vegetation und seltene Hochgebirgspflanzen.












