Straßenleben in Ho-Chi-Minh-Stadt
Straßenleben in Ho-Chi-Minh-Stadt. © Emely Schwab

Ho-Chi-Minh-Stadt, von lebendigen Gassen und einzigartigem Street-Food

Von chaotischem Verkehr und lärmenden Rollern umgeben, tauchen wir in das Geschehen der Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt. Obwohl mein Partner und ich seit zwei Monaten durch Vietnam reisen und uns mit dem Verkehr inzwischen gut angefreundet haben, stellt uns diese Großstadt vor eine neue Herausforderung. Ho-Chi-Minh-Stadt – ehemalig genannt „Saigon“ – ist mit ihren verwinkelten Gassen und scheinbar nicht-existierenden Verkehrsregeln, auf den ersten Blick überwältigend. So wie wir die Hauptstraßen überqueren möchten, versammeln sich die Roller und Motorräder wie ein gigantisches Herr vor uns. Doch sobald wir uns in das Geschehen wagen, werden wir Teil einer fließenden Masse, die scheinbar ihre eigenen, unausgesprochenen Regeln befolgt. Wir sind jedoch hierhergekommen, um neben dem geschäftigem Treiben der Stadt auch Vietnams Küche kennenzulernen.

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Street Art in Ho-Chi-Minh-Stadt
So wie das Street Food gibt es auch viel Street Art in Ho-Chi-Minh-Stadt zu entdecken. © Emely Schwab

Vietnam – und insbesondere Saigon – ist bekannt für seine kulinarische Vielfalt, und das nicht ohne Grund. Je unscheinbarer ein Restaurant wirkt und je kleiner die bunten Plastikstühle davor, desto besser ist das Essen. Anders als in Europa ist eine rustikale Erscheinung eines Lokals keineswegs ein schlechtes Zeichen. Im Gegenteil, es zeigt, dass hier die höchste Aufmerksamkeit dem Essen gewidmet wird. Steht auf der Speisekarte zudem nur ein einziges Gericht und werden Wasser und Tee kostenlos dazu serviert, kann man sich versichert zurück lehnen und auf das Essen gespannt sein. Also machen wir uns auf den Weg, genau solche Lokale zu entdecken.

Obststand im Sonnenlicht in Ho-Chi-Minh-Stadt
Die Sonne lässt die voll gefüllten Obst-Stände in einem goldenen Licht erstrahlen. © Emely Schwab
Reissuppenstand in Ho-Chi-Minh-Stadt
Aus einem Fenster heraus verkauft eine Frau eine traditionelle Reissuppe. © Emely Schwab

Als wir uns von den großen Straßen entfernen, finden wir uns in den verwinkelten Gassen der Stadt wieder. Die Gebäude der Wohnviertel türmen sich in die Höhe, aufeinander gestapelt und in ihrer Erscheinung rustikal, doch zugleich verströmen sie ein Gefühl von Gemeinschaft und familiärer Nostalgie. Am Fuße der Häuser tummeln sich die Menschen, und hinter jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken. Gemüsehändler und Obst-Stände gehören hier zum wiederkehrenden Nuancen, doch nicht zu selten sind auch Handwerker und Schmiedestätten zu finden. Die Atmosphäre verleitet zum völligen Eintauchen der Umgebung und weckt in uns eine kindliche Faszination des Entdeckens.

Imbisswagen Ho-Chi-Minh-Stadt
Häufig begegnet man kleinen Imbisswägen die Essen oder Getränke verkaufen. © Emely Schwab
Gebrauchtwarenhändler Ho-Chi-Minh-Stadt
In den Gassen der Stadt sind allerlei Werkstätten und Gebrauchtwarenhändler zu finden. © Emely Schwab
Sortimentsauswahl Gebrauchtwarenhändler Ho-Chi-Minh-Stadt
Ob Geschirr oder Autoteile – hier findet man alles was man braucht. © Emely Schwab

Die Sonne hat an diesem Morgen noch nicht vollends ihre Kraft entfaltet und strahlt vereinzelt durch die Gebäudereihen hindurch. Wir lassen uns treiben und tauchen immer tiefer in die Atmosphäre der Stadt ein. Der Duft von gedämpften Dumblings und gebratenem Reis steigt uns in die Nase. Wir biegen um die Ecke und erblicken mehrere kleine Restaurants einer Straße entlang. In der Cô Giang Straße werden vor allem Nudelsuppen und selbstgemachte Wontons angeboten. Da wir noch nichts gefrühstückt haben setzen wir uns an einen Tisch einer Suppenküche. Das Beste in Vietnam ist, dass man zum Frühstück Suppe essen kann. Traditionell isst man in Vietnam Phở-Suppe zum frühstück, wir entscheiden uns heute aber für eine Wonton-Suppe. Die Brühe ist kräftig und ihre Wärme ist sanft im Magen. Noch ein Spritzer frische Limette darüber und ein Löffel selbstgemachtes Chili-Öl, und die Suppe ist perfekt.

Ladenbesitzer Ho-Chi-Minh-Stadt
Trotz chaotischer Erscheinung, haben die Ladenbesitzer den Überblick und immer ein Lächeln parat. © Emely Schwab
Frau verkauft Gewürze am Straßenrand Ho-Chi-Minh-Stadt
Die Frauen sitzen oft den ganzen Tag am Straßenrand und verkaufen Gewürze. © Emely Schwab
Kartons als Sonnenschutz Ho-Chi-Minh-Stadt
Alles kann als Sonnenschutz verwendet werden, auch Karton. © Emely Schwab

Aufgrund der Befürchtung einer Lebensmittelvergiftung trauen sich viele Reisende in Südostasien nicht, Streetfood zu probieren. Allerdings sollte betont werden, dass man so sich dadurch die kulinarische Vielfalt der vietnamesischen Küche sowie die authentische Esskultur Vietnams entgehen lässt. Gerade diese kleinen Lokale sind für die Menschen in Vietnam ein fester Bestandteil des Alltags. Es wird viel Wert auf das gemeinsame Beisammensein gelegt, und bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass hier Menschen unterschiedlichster Gesellschaften zusammenkommen. Ob Geschäftsleute im Anzug vor dem Start in den Büroalltag, Handwerker in Arbeitskleidung auf dem Weg zur Baustelle oder die Gruppe von Jugendlichen, die sich gemeinsam zum Essen verabredet haben. Auf den kleinen Stühlen teilen sie alle für einen kurzen Moment denselben Alltag.

Warme Getränke als Bestandteil des Alltags
Warme Getränke sind ein fester Bestandteil des Alltags, auch Wasser wird meist warm serviert. © Emely Schwab
Fröhliche Kinder in Ho-Chi-Minh-Stadt
Die Kinder sind immer neugierig und offen für einen Spaß – Sprache is hier kein Hinderniss für Herzlichkeit. © Emely Schwab

Es gibt eine Straße in Saigon, in der sich zahlreiche dieser Restaurants reihen. Die Vĩnh-Khánh-Straße ist auch bei Einheimischen sehr beliebt. Als uns mittags auch schon wieder der Magen knurrt, beschließen wir, diese Straße aufzusuchen. Wir bewegen uns durch den Verkehr und schiben uns durch die Menschenmengen und gelangen schließlich in eine Straße, welche sich in mitten eines Wohnviertels befinden zu scheint. Ein Blick auf die Karte verrät, dass es die Nebengasse der Vĩnh-Khánh-Straße ist. Unsere Neugier treibt uns tiefer hinein in das Geschehen, und schon bald erkennen wir, dass auch hier zahlreiche kleine Restaurants und Street-Food-Stände zu finden sind. Besonders Fischgerichte sind hier vertreten. Wir suchen uns ein Lokal aus und probieren eine Suppe mit Garnelen. Die Brühe der Hủ-tiếu-Suppe ist intensiv in ihrer feinen süß-sauer Note. Rot leuchtende Chilis und geschnittene Limettenspalten werden mit einem Korb voll frischer Kräuter dazu gereicht.

Gemeinsame Mahlzeit Ho-Chi-Minh-Stadt
Mit Freunden schmeckt die Suppe noch viel besser. © Emely Schwab

Mit neuen Postkarten in der Tasche und erschöpft von dem vielen Laufen schlendern wir in der Abenddämmerung zurück in Richtung Hostel. Als wir um die Ecke biegen, gelangen wir auf die Nguyễn Công Trứ Straße, ein Wohnviertel nicht weit entfernt vom Stadtzentrum. Fasziniert beobachten wir das Geschehen. Während hier tagsüber Geschäfte und Cafés die Gehwege prägen, verwandeln am Abend Essensstände die Straße in ein lebendiges Treiben. Kleine Wagen, meist nur mit grüßen Töpfen voller Speisen und etwas Geschirr ausgestattet, lassen sich an den Straßenecken nieder und bauen dazu ihre kleinen Tische und Stühle auf. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat sogar ein Mann eine Decke auf dem Boden ausgebreitet und bietet Schröpfmassagen an.

Motorroller selbverständliches Bild Vietnam
Motorroller gehören zum selbverständlichen Bild Vietnams. © Emely Schwab

Eine Ecke scheint besonders gut besucht zu sein. Die Familie verkauft ein für Saigon typisches Gericht: das Bruchreis-Gericht „Cơm Tấm“ . Dieses Gericht ist nicht nur der perfekte Abschluss für diesen Tag, sondern birgt auch eine interessante Geschichte. Bruchreis wird der Teil von Reiskörnern genannt, welche bei Verarbeitung zerbrochen sind. Dies galt als minderwertiger Reis und lies sich nicht gut Verkaufen. Deshalb entwickelten die Reisbauern daraus ein Gericht, das leicht verfügbar war und lange sättigte. Mit der Urbanisierung Vietnams kamen immer mehr Menschen aus aller Welt nach Saigon. Der Geschmack des Gerichts ließ sich an die internationalen Kunden gut anpassen und wurde seit dem auch immer mit einer Gabel serviert. Heute ist Cơm Tấm ein fester Bestandteil der Saigoner Kultur und wird traditionell zu jeder Tageszeit gegessen. Es gibt sogar ein Sprichwort, welches besagt, Cơm Tấm sei für die Menschen in Saigon so bedeutend wie die Pho-Suppe für die Einwohner Hanois.

Als wir uns dem Stand nähern, lächelt uns hinter einem großen Berg dampfenden Reises eine alte Dame entgegen. Mit einem herzlichen „Xin chào!“ begrüßt sie uns und reicht uns zwei Teller. Der Reis mit seiner gelben Farbe ist perfekt gewürzt und das Hühnchen zart im Biss.

Lichter der Essenstände nostalgische Atmosphäre
Die Lichter der Essenstände durchbrechen die Dunkelheit und erzeugen eine Atmosphäre von Lebendigkeit und Nostalgie. © Emely Schwab

Die Hitze des Tages ist verschwunden, die Luft wird milder, und über den Straßen liegt ein sanfter Schleier aus Licht und Geräuschen. Es ist die einkehrende Ruhe, welche die Atmosphäre bricht. Von dem Trubel des Tages bleibt ein friedlicher Abend und in diesem Augenblick werden wir Teil desselben Alltags mit den Menschen um uns herum. Und vielleicht ist genau das die Essenz dieser Stadt: dass man sich verliert, um sich in den kleinen Dingen wiederzufinden und dabei Teil einer großen Verbundenheit wird. Und auch so finden wir uns zwischen den Menschen wieder und zelebrieren gemeinsam den vergangenen Tag – auf den kleinen bunten Plastikstühlen.

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