Flamingos im Ebrodelta
Eine große Kolonie Flamingos ist im Ebrodelta beheimatet. Bild: © Ferran Aguilar

Ebrodelta – ökologische Bedeutung des größten Feuchtgebiets Kataloniens

Im Oktober beginnt die Reisernte im Ebrodelta im Süden Kataloniens: Das Ebrodelta ist das größte Feuchtgebiet Kataloniens und eines der wichtigsten Feuchtgebiete am westlichen Mittelmeer. Das an das Meer und an das Gebirge grenzende Gebiet erstreckt sich auf mehr als 32.000 Hektar über die flachen Landschaften der in den Landkreisen Montsià und Baix Ebre gelegenen Gemeinden L’Ampolla, Amposta, Deltebre, Sant Jaume d’Enveja und Sant Carles de la Rápita. Die Landschaft ist geprägt von großen Lagunen, Marschgebieten, Dünen und einsamen Stränden sowie weitflächigen Salzböden. Das Tor zum Delta bildet die Stadt Amposta. Charakteristisch für das Ebrodelta ist seine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Mehr als 700 Pflanzenarten und über 370 verschiedene Vogelarten sind hier beheimatet, darunter auch Flamingos. Darüber hinaus ist das Delta ein wichtiges Brutgebiet für zahlreiche Zugvögel.
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An der Flussmündung des Ebros im Landkreis Montsià in der unmittelbaren Nähe zum Mittelmeer liegt das UNESCO Biosphärenreservat Naturpark Ebrodelta. Die sumpfige Beschaffenheit des Bodens, der mehrmals im Jahr überschwemmt wird und die klimatischen Bedingungen sind ideal für die Reispflanze, die hier auf 20.000 Hektar angebaut wird. Mit dem Reisanbau wurden große Mengen Süßwasser aus dem Ebro in das Delta geleitet und so entstand ein neues Ökosystem, das Algen, Krebstiere und Amphibien beheimatet und eine entscheidende Rolle bei der Ernährung der Vögel spielt. Das Ebrodelta lässt sich am besten auf einer Wander- oder Radtour oder auf einer Bootsfahrt entdecken.

Reis pflanzen im Ebrodelta
Reis pflanzen im Ebrodelta - ein Bild, das man im europäischen Raum kaum vermutet. Bild: © Patronat de Turisme de la Diputació de Tarragona - Terres de l'Ebre

Zwischen Süß- und Salzwasser: Reis, Austern und Miesmuscheln

Seit dem 17. Jahrhundert wird im Ebrodelta halblanger Rundkornreis angebaut. Vorrangig wird die Reissorte Bomba kultiviert, aber auch andere Sorten wie unter anderem Bahía, Fonsa, Montsianell. Der Reis mit geschützter Herkunftsbezeichnung DOP Arròs del Delta de l’Ebre ist die Hauptzutat für zahlreiche lokale Gerichte wie beispielsweise Paella, arròs negre (ein mit Tintenfischtinte gefärbter schwarzer Reis), arròs a banda (Reisgericht mit Fisch) oder rossejat (überbackener Reis). Mit traditionellen Festen feiern die Katalanen das Setzen der Reispflanzen im Juni und die Reisernte im Oktober. Beim Besuch des Reismuseums Molí de Rafelet in Deltebre erfahren Interessierte alles über den Anbau und den Erhalt der insgesamt sechs verschiedenen Reissorten.

Mit 150 Kilometer Küstenlinie spielt der Fischfang im Ebrodelta ebenfalls eine große Rolle. Ein besonders bekannter Fisch der Region ist der Aal, anguila xapada, der nachdem er offen an der Sonne getrocknet wurde, mit Salz und rotem Pfeffer gewürzt und dann gebraten oder in Soße zubereitet wird. Die Fischereihäfen der Küstenorte Alcanar, Sant Carles de la Rápita, L’Ampolla und L’Ametlla de Mar haben sich durch die Qualität und Vielfalt der Fische und Meeresfrüchte, die angeboten werden, wie Heuschreckenkrebs und Languste einen Namen gemacht. Die Buchten Els Alfacs und El Fangar bieten optimale Bedingungen für die Zucht der Krustentiere sowie von Austern und Miesmuscheln. Bei einer 90-minütigen Bootsfahrt zu den Muschelfarmen ab Sant Carles de la Rápita ins Zentrum der Buchten Els Alfacs und El Fangar können interessierte Besucher alles über die Muschel- und Austernzucht lernen und frisch geerntete Austern und Miesmuscheln verkosten.

Austern aus Katalonien
Austern werden in Katalonien vor allem in den Buchten von Els Alfacs und El Fangar gezüchtet. Bild: © Patronat de Turisme de la Diputació de Tarragona
Die Salzgewinnung in Salinen hat die Landschaft und die Kultur des Ebrodeltas geprägt. Salz spielte eine wichtige Rolle bei der Konservierung von Lebensmitteln. Heute sind die Salines de la Trinitat die einzig produzierenden Salinen für Meersalz in Katalonien. Sie liegen an der Punta de la Banya auf der Halbinsel Els Alfacs und sind durch den Strand El Trabucador mit dem Festland verbunden. Rund 25.000 Tonnen Meersalz, darunter auch Fleur de Sel, werden jährlich gewonnen. Ein Besuch der Salinen ist nur mit Anmeldung möglich.

Geschmackvoll übernachten: Gastronomische Hotels

Wer nicht nur einfach eine Herberge sucht, sondern auch exzellente Gastronomie, der wählt eines der rund 50 gastronomischen Hotels in Katalonien, von denen sich zwei auch im Ebrodelta befinden. Das seit 2011 mit einem Ecolabel zertifizierte Hotel L’Algadir del Delta in Poble Nou mit insgesamt elf Zimmern bietet eine Reis-Masterclass an: Zuerst geht es mit einem lokalen Bauern auf das Reisfeld und die Teilnehmenden lernen alles Wissenswerte rund um Anbau und Reissorten, danach probiert man sich selbst am Kochtopf aus unter Anleitung der Küchenchefin des Hotels. Gemeinsam bereiten die Kochschüler verschiedene regionaltypische Reisgerichte wie beispielsweise Arròs negre oder Arròs a banda zu, die anschließend gemeinsam verkostet werden.

Eine weitere sehr empfehlenswerte Unterkunft für kulinarisch interessierte Reisende im Ebrodelta ist das gastronomische Hotel-Restaurant Diego in Santa Bàrbara mit 21 Zimmern. Das Restaurant bietet nur Zutaten von höchster Qualität wie Fleisch aus der eigenen Viehzucht und Fisch vom in der Nähe gelegenen Fischmarkt.

Auch das Delta Hotel in Deltebre im Zentrum des Ebrodeltas mit insgesamt 24 Zimmern hat regionaltypische Speisen mit Reis, Meeresfrüchten oder Aal aus dem Delta im Angebot. Das Landhaus Masia Tinet mit Swimming Pool und Jacuzzi liegt inmitten von Reisfeldern und die sechs zur Verfügung stehenden Zimmer sind nach den regionalen Reissorten benannt.

Nachhaltiges Reiseziel: Ökotourismus im Ebrodelta

Das Ebrodelta wurde aufgrund seines Engagements zum Schutz der Region im Jahr 2009 von der Europäischen Kommission als „European Destinations of Excellence“ (EDEN) ausgezeichnet. Die Association of Ebro Delta Ecotourism Businesses (AEEDE) hat sich zum Ziel gesetzt, den umweltfreundlichen Tourismus in der Region zu fördern. Die Vereinigung wurde 2005 gegründet, um die Bewerbung des Ebrodelta Naturparks für die Zertifizierung als europäische nachhaltige Destination zu unterstützen. 40 ECST-zertifizierte Unternehmen (European Charter of Sustainable Tourism) sind Mitglieder der Vereinigung.

Ökotourismus im Naturpark Ebrodelta
Fernab der großen toristischen Zentren kann man in passenden Unterkünften und wunderscöner Natur auch Ökotourismus im Naturpark Ebrodelta erleben. Bild: © Miguel Raurich

Dazu zählt auch das Familienunternehmen Delta Polet, das es sich seit den 80er Jahren zur Aufgabe gemacht hat, das Ebrodelta als Naturraum zu erhalten und für die Einrichtung des Naturparks gekämpft hat. Sie bieten ökologische Touren für Gruppen, Schulklassen und Familien an, in denen die Teilnehmer etwas über die Ökosysteme im Ebrodelta und den Reisanbau lernen. Der Reisanbau ermöglicht nicht nur den Erhalt des Ökosystems, sondern hat auch eine sehr wichtige Funktion der Kontrolle und Reduzierung des Salzgehalts des Bodens.

Sehr empfehlenswert ist ein Besuch des Zentrums MónNatura Delta de l’Ebre in Amposta bei den alten Salinen von Sant Antoni. Besucher erfahren alles Wissenswerte rund um Vogelbeobachtung, Salzgewinnung und die Kunst des Fischens. Vom 24. bis 26. September 2021 findet im Zentrum das Delta Birding Festival mit geführten Vogelbeobachtungstouren, Führungen für Naturfotografen und einem abwechslungsreichen Programm für die ganze Familie statt.

Stakboot Ebrodelta
Stakboot fahren in den Gewässern des Ebrodeltas und dabei intensiv die Natur genießen. Bild: © Patronat de Turisme de la Diputació de Tarragona - Terres de l'Ebre

Interessant zu wissen:
Eigens für den Transport von Lasten im Ebrodelta wurde ein Boot konstruiert: das Holzboot Llagut Català. Die Boote waren in der Lage 30 Tonnen flussabwärts und 16 Tonnen flussaufwärts zu transportieren. Für Familien mit Kindern bietet sich eine Fahrt auf einem Nachbau des traditionellen Lastkahns auf der 100 Kilometer langen Strecke zwischen Amposta und Ascò an. Ab Ascò beispielsweise führt eine einstündige Tour mit dem Lastkahn Lo Roguet in die engste Schlucht des katalanischen Ebrodeltas, El Pas de l’Ase. In Richtung Flussmündung in den flacheren Gewässern des Deltas navigierten die Fischer dagegen traditionell mit Stakbooten, die mit einem Holzstab fortbewegt werden. Eine Fahrt mit einem Stakboot ist ab MónNatura Delta de l’Ebre möglich.

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