Wanderer im Gran Paradiso Nationalpark
Der Gran Paradiso Nationalpark ist ein Paradies für Naturfreunde und Wanderer. Bild: © Enrico Romanzi

Gran Paradiso Nationalpark

Das Aostatal, Italiens kleinste Region, liegt im Norden des Landes und grenzt an die Schweiz und Frankreich. Die gewaltigen Viertausender wie das Matterhorn, der Mont Blanc oder der Monte Rosa erstrecken sich über die Ländergrenzen hinweg. Ganz im Gegensatz zum Gran Paradiso, der schroffe Gletscherberg gehört mit 4.061 Metern Höhe zu den gewaltigsten Bergmassiven in Europa und liegt vollständig in Italien, im gleichnamigen Nationalpark. Der niedrigste Punkt liegt auf 800 Metern. Der Park umfasst insgesamt fünf Täler mit typisch alpinem Charakter, zahlreichen Gletschern, Felsen, Lärchen- und Tannenwäldern. Zu den Tälern im Aostatal zählen das Cogne-Tal, Valsavarenche-Tal und das Rhêmes-Tal. Im Jahre 2014 wurde er als einziger italienischer Nationalpark in die Green List der International Union for Conservation of Nature (IUCN) aufgenommen.

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Der Gran Paradiso Nationalpark ist sozusagen eine frei zugängliche Lernwerkstatt des gesamten Ökosystems. Er erstreckt sich über 70.000 Hektar und befindet sich zu einer Hälfte im Aostatal und zur anderen im Piemont. Im Jahr 2022 feiert er sein 100jähriges Jubiläum mit vielen Veranstaltungen. Hauptziel ist es auf das wichtige Okösystem mit seiner Flora und Fauna, die Tierwelt und den nachhaltigen Tourismus aufmerksam zu machen.

Gran Paradiso Schutzrefugium und Ursprung alpiner Steinböcke

Die Eröffnung des Schutzgebietes ist eng mit der Erhaltung des Symboltieres des Parks, dem Alpinsteinbock, verbunden. Hier liegt auch der Ursprung aller Artgenossen der Alpen. Nach dem Zweiten Weltkrieg existierten weltweit lediglich 416 Exemplare.

König Vittorio Emanuele II. erklärte 1856 das Tal rund um den Gran Paradiso zum königlichen Jagdrevier. Durch den Schutz und die Zurückhaltung wurde der alpine Steinbock vor dem Aussterben bewahrt. Im Gebirge befanden sich mehrere Jagdhäuser des Königs, so wie das Haus auf über 2000 Höhenmeter im Tal von Cogne. Das Rifugio Vittorio Sella dient heute als Schutzhütte zur Übernachtung mit erstklassiger Verpflegung.

Junge Steinböcke im Gran Paradiso Nationalpark
Junge Steinböcke beim Spielen im Gran Paradiso Nationalpark. Bild: © Maurice Chatelain

Zum damaligen Transport wurden 300 Kilometer Saumpfade angelegt, die heute als Wanderwege dienen. Parallel dazu wurde eine Gruppe an Rangern ausgebildet, die die Flora und Fauna schützen sollten als auch die Wilderei. Der Wildtierbestand konnte so trotzdem geschützt werden. Einige Jahre später, in 1920, schenkte der Nachfolger Vittorio Emanuele III. das Reservat dem italienischen Staat, um daraus einen für jeden zugänglichen Naturpark zu machen. 1922 wurde somit der Nationalpark Gran Paradiso gegründet.

Der Bestand an Alpinsteinböcken fasst heute circa 3000 Exemplare. Die Ranger des Nationalparks verfügen über ein tiefes Wissen über das Gebiet, die Tiere und die Umwelt und haben mittlerweile die Gefahr der Wilderei unter Kontrolle. Hauptaugenmerk liegt auf der Einhaltung der Regeln des Nationalparks. Dazu gehören kein freies Camping, kein Mitführen von Hunden und das Entfernen von Pflanzen ist ebenfalls untersagt. Natürlich bieten sie auch Geleit wenn sich Wanderer verirrt haben.

Einklang zwischen Mensch und Natur

Ziel der Parkverwaltung, die von der Region des Aostatals gesteuert wird, ist es die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Bevölkerung des Parks sicherzustellen. Demnach werden verschiedene Forschungen stark gefördert. Dabei geht es darum Landbewirtschaftungs-Methoden, die eine nachhaltige Integration zwischen Mensch und Natur erzielen und den Naturschatz beschützen, voranzutreiben um auch den im Park ansässigen Bewohnern eine gute Lebensqualität zu ermöglichen. Der Fokus liegt auf neuen nachhaltigen Produktionen und schützt die Kultur und die Tradition, welche die Forst- und Landwirtschaft, die Viehzucht, das Kunsthandwerk und die lokale Architektur bereichern.
Ranger im Gran Paradiso Nationalpark
Die Ranger im Gran Paradiso Nationalpark haben immer einen wachsamen Blick auf das Geschehen in dem Naturparadies. Bild © Simone Sozzi

Die Tierwelt des Parks

Der alpine Steinbock ist das Symbol des Parks. Er ist einigermaßen zutraulich, man sieht ihn häufig beim Weiden, allerdings zieht er sich während der heißen Sommermonate in kühlere Regionen zurück. Während die männlichen Tiere, die an ihren langen gebogenen Hörnern zu erkennen sind, in kleinen Gruppen leben, bleiben die weiblichen Tiere mit kürzeren Hörnern beim Nachwuchs.

Alpiner Steinbock Gran Paradiso Nationalpark
Der alpine Steinbock ist das Symbol des Gran Paradiso Nationalparks. Bild: © Maurice Chatelain

Neben dem Steinbock ist auch die Gamsbock stark vertreten – doch ist sie weitaus scheuer und daher sehr viel schwieriger zu beobachten. Ein weiterer putziger Bewohner ist das Murmeltier. Der sympathische Nager gräbt lange Tunnel, um vor Gefahren zu flüchten und sich auf den Winterschlaf vorzubereiten. Während den Wanderungen begegnet man vielen großen Löchern, die ein üppiges unterirdisches Zuhause erahnen lassen.

Zu den vertretenen Vogelarten zählen Raubvögel, wie der Steinadler, sowie zahlreiche kleine Sperlingsarten.
Bei den kürzlich erfassten Zählungen konnte man wieder den im Jahr 1912 in diesem Gebiet ausgestorbenen Bartgeier ausfindig machen. Dieser ist durch ein internationales Projekt wieder in die Alpen zurückgekehrt. Der Luchs, eine der am stärksten vor dem Aussterben bedrohten wildlebenden Katzenarten, ist ebenfalls im Gran Paradiso beheimatet.

Die Flora des Parks

In Cogne gibt es den botanischen Alpengarten Paradisia. Besonders im Juli, wenn viele der mehr als 1.000 Arten des Gartens in voller Blüte stehen, zeigt er sich in voller Pracht. In den Wäldern der Täler ist der Wanderer von Lärchen, Rottannen, Zirben und Weißkiefern umgeben.
Pflanzenpracht im Botanischen Garten Paradisia
Pflanzenpracht im Botanischen Garten Paradisia. Bild: © Vallée d'Aoste Tourisme
Zu den seltenen Blumen des Parks zählen die Potentilla pensylvanica (Pennsylvanisches Fingerkraut) der trockenen Weiden oberhalb von 1.300 Meter; die Astragalus alopecurus (eine Tragant-Art), die ausschließlich im Aostatal wächst; die Aethionema thomasianum (eine Stauden-Art); die Linnaea borealis, eine nacheiszeitliche Pflanzenart, die in Nadelwäldern wächst, und die Paradisea liliastrum, eine wunderschöne weiße Lilie, die dem historischen „Giardino Paradisia“ ihren Namen verleiht.

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