Brabazon Woods Swinford
Wunderschön: Brabazon Woods Swinford. Manchmal ist der Weg das Ziel bei einem Waldspaziergang. Bild: Tourism Ireland

Achtsamkeit für Mensch und Baum bei der „National Tree Week“ in Irland

Ein Fichtennadelschaumbad ist offenbar nichts dagegen. „Waldbaden“ heißt die ganzheitliche sinnliche Erfahrung für Körper, Geist und Seele. Zugegeben, es ist keine Erfindung der Kelten, wenngleich diese die Bäume hoch verehrt haben. Und man wird auch nicht unbedingt nass dabei, selbst in Irland nicht. Nein, das „Shinrin Yoku“ entstammt vergleichsweise junger japanischer Tradition. Sie fügt sich bestens in die tradierte irische Wertschätzung für den Wald als metaphysischen Ort. Als eine äußert populäre Wellness-Methode im fernen Osten zielt die meditative Praktik auf eine Erneuerung des Selbst im achtsamen Kontakt zu den Bäumen. 2012 wurde an japanischen Hochschulen das Fachgebiet „Forest Medicine“ eingeführt.

Baum Castlewellan Castle
Baum im Gegenlicht in der Nähe von Castlewellan Castle. Bild: Tourism Ireland
Vom 21. bis 27. März ist „National Tree Week“ in Irland. Sie rückt alljährlich die Bedeutung der Bäume und Wälder in das öffentliche Bewusstsein – und jährlich nachdrücklicher. Die grünen Oasen haben schließlich einen unschätzbar hohen Erholungs- und Freizeitwert für unsere Gesellschaften. Neben liebgewonnenen Aktivitäten wie dem Wandern sind es gerade auch die neuen Inspirationen, die unsere Sinne dafür schärfen: Seilgärten etwa wie der „Zipit Farran Wood“ am Südufer des Inniscarra in County Cork. Der Farran Forest verbindet auf 45 ha Wald sportives Erleben mit sensitiver Naturverbundenheit. Diese Rückverbundenheit zur Natur und die Wertschätzung von Bäumen entstammen in der Tat keltischer Kultur. Archäologen datieren etwa die irischen Apfelbäume zurück bis 1100 v. Christus. Die Wunsch- und Feenbäume bezeugen bis heute die uralte Tradition eines pantheistischen Weltbildes. Diese einzeln stehenden Bäume haben magische Bedeutung. Als „Fairy Thorns“ – oft Hagedorn oder Weißdorn – stehen sie als Landmarke an Steinkreisen und prähistorischen Stätten. Der Fotograf Mike Hartwell hat zusammen mit Dinah Browne und Andy Smith eine Enzyklopädie besonderer Bäume in Nordirland zusammengestellt. In Birr Castle, County Offaly, zelebriert „Giants Grove“ die Erhabenheit der Redwoods.
Baumallee Dark Hedges
Dark Hedges ist eine berühmte Baumallee in Nordirland. Bild: Tourism Ireland
Anlassgemäß weisen uns etliche Initiativen in Irland auf die Bedeutung der Wälder hin, nicht nur aus touristischen Gründen. Der Wald- und Tierpark „Wild Ireland“ in Donegal erzählt von der Abholzung des gemäßigten maritimen Regenwaldes in Irland. Nach Jahrhunderten ungebrochener Abholzung ist überall auf der Welt Wiederaufforstung dringend nötig. Denn Bäume haben als CO2-Senker existenzielle Bedeutung auch im Kampf gegen die menschengemachte Erderwärmung. Wälder sind die Lunge der Welt. Das Projekt „One Million Trees in One Day“ steht für Wiederaufforstung auf der gesamten Insel Irland. Seit 2011 wurde die erste Million schon gepflanzt. Jetzt geht es an die zweite. Die Initiative „Plant-for-the Planet“ stammt aus Deutschland und geht um die Welt. In Irland wurde die Idee vom „Easy Treesie Project“ aufgenommen.
Spektakuläre Bäume am Huntington Castle
Manchmal lädt der Wuchs der Bäume geradezu ein zum Wandern, wie hier am Huntington Castle. Bild: Tourism Ireland

Tipps:
Angebote zum „Forest Bathing“ gibt es beispielsweise in Dublin, in Cork, in Wicklow und auch im County Sligo: Dort ist es die „Otherworld Nature Connection“. Sie wird von Ciarán Thornton und Kollegen hergestellt. Ausgebildete Achtsamkeits-Trainer wie sie lehren uns, wie wir durch gezielte Übungen und mithilfe unserer Sinne den Baum, den Wald und schließlich uns selbst auf eine neue sinnliche Weise kennenlernen können: durch Hören und Riechen, Schmecken und Fühlen vielmehr noch als durch unser kopflastiges Sehen. Inzwischen fußen eigene Schulen und Therapiekonzepte auf den heilsamen naturnahen Erfahrungen, die unsere Wälder für uns Zivilisationsmüden bereithalten. Und wer dann ein Stückchen Wald für sich zuhause haben möchte, ist vielleicht mit den hölzernen Kugelschreibern und Schreibfedern aus Donegal gut beraten. Wer noch tiefer in die Materie einsteigen möchte, kann sich weiterbilden mit Eco Wellness Consulting oder beim Forest Therapy Institue.

Hintergrund
Das „Tree Council of Ireland“ (Irisch: „Comhairle Crann na hÉireann“) ist eine NGO, die sich für die Wiederaufpflanzung in Irland engagiert. Der für Irland einstmals so typische, atlantisch-maritime Regenwald ist über die Jahrtausende menschlicher Besiedlung hier wie anderenorts systematisch abgeholzt worden. Global Forest Watch liefert die aktuellen Daten der ungebremst zunehmenden globalen Deforestierung. Rodung und Entwaldung zerstören in zunehmendem Tempo das Ökosystem Wald: weltweit. Illegale Waldrodung wie in Brasilien oder unkontrollierbare Waldbrände wie in Kalifornien oder jüngst in Australien verschärfen das Problem der Entwaldung der Erde, ebenso Kahlhiebe in Europa für Infrastrukturmaßnahmen. Habitate dort lebender Tier- und Pflanzenarten wie auch der naturnahe Nutz des Waldes für den Menschen gehen unwiederbringlich verloren. Entwaldung ist nach Meinung zahlreicher Experten zusammen mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe eine der treibenden Ursachen für menschengemachte globale Erwärmung und Klimawandel.

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