Viel Platz hat Paul do Mar an der Südwestküste Madeiras nicht. Zwischen dem Atlantik und einer steil aufragenden Felswand bleibt nur ein schmaler Küstenstreifen, auf dem sich Häuser, Hafen, Kirche und Straße dicht zusammendrängen. Einige Gebäude stehen so nah am Wasser, dass sich bei starkem Wellengang leicht vorstellen lässt, welche Kraft das Meer hier entwickeln kann. Der Ort ist überschaubar mit einem eigenen Flair. Am Hafen prägen Fischerboote und Arbeitsflächen das Bild. Weiter westlich folgen Wohnhäuser, kleine Läden, Bars und Unterkünfte. Dazwischen stehen ältere Gebäude, moderne Ferienwohnungen und immer wieder Bananenpflanzen auf kleinen, mühsam angelegten Terrassen.
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Mehr InformationenEine Ortschaft auf schmalem Grund
Paul do Mar wurde auf einer Fajã errichtet. So heißen die vergleichsweise flachen Küstenflächen am Fuß hoher Klippen, die durch Lava, Geröllablagerungen oder Erdrutsche entstanden sind. Von oben wirkt der Ort wie ein schmales Band zwischen Fels und Wasser. Die Hauptstraße folgt dieser natürlichen Form über weite Strecken. Ein klassisches Zentrum mit Marktplatz und Fußgängerzone gibt es nicht. Das Leben verteilt sich auf mehrere Ortsteile, darunter Igreja, Lagoa, Quebrada und Ribeira das Galinhas.
Lange Zeit war die Verbindung zum übrigen Madeira schwierig. Bevor moderne Straßen und Tunnel gebaut wurden, erfolgte ein erheblicher Teil des Personen- und Warentransports über das Meer. Alte Fußwege führten über die steilen Hänge nach Prazeres und Fajã da Ovelha. Einige dieser Wege sind bis heute erhalten. Inzwischen ist Paul do Mar mit dem Auto gut erreichbar. Die Straße führt durch Tunnel und entlang der Küste nach Jardim do Mar und Calheta. Trotzdem vermittelt die mächtige Felswand im Rücken weiterhin ein Gefühl räumlicher Abgeschlossenheit.
Der Hafen und die Fischerei
Paul do Mar zählt zu den traditionellen Fischereizentren Madeiras. Am geschützten Hafenbecken liegen kleine Boote, Netze und Arbeitsgeräte. Der Hafen ist kein aufwendig gestalteter Yachthafen. Er dient vor allem den Menschen, die hier arbeiten und ihre Boote ins Wasser bringen. Die Fischerei bestimmte über Jahrhunderte das Einkommen vieler Familien. Verarbeitet wurde der Fang teilweise direkt im Ort. Im Gebiet von Lagoa nahm 1913 eine Konservenfabrik den Betrieb auf. In zwölf Kesseln wurde Thunfisch gekocht und anschließend in Olivenöl eingelegt. An dem Unternehmen waren madeirische Geschäftsleute und die italienische Konservenfirma Tomaso Moro & Figli beteiligt.
Die Fabrik existiert nicht mehr. Ein alter Schornstein erinnert noch an diese Phase der Ortsgeschichte. Ohne Hintergrundwissen lässt er sich leicht übersehen, dabei gehört er zu den wenigen sichtbaren Resten der früheren Fischverarbeitung. Auch heute ist der Hafen ein guter Ausgangspunkt für einen Spaziergang. Von den äußeren Bereichen öffnet sich der Blick auf die Häuserzeile und die Felswand. Bei unruhigem Atlantik sollte man Absperrungen beachten und ausreichend Abstand zu den Kanten halten.
Baden an der Praia do Porto
Direkt neben dem Hafen liegt die Praia do Porto. Der Strand besteht aus großen Kieseln und dunklem Vulkangestein. Heller Sand und bequemes Hineinlaufen ins Wasser sind hier nicht zu erwarten. Bei ruhigem Meer kann das Wasser sehr klar sein. Badeschuhe erleichtern den Einstieg über die Steine. Sobald stärkere Wellen auf die Küste treffen, wird das Baden deutlich anspruchsvoller. Die Brandung kann selbst dann kräftig sein, wenn das Wetter freundlich und windstill wirkt.
Die geschützte Lage am Hafen darf deshalb nicht mit einem durchgehend ruhigen Familienstrand verwechselt werden. Vor dem Baden sollte immer geprüft werden, wie sich das Meer tatsächlich verhält. Warnhinweise vor Ort haben Vorrang. Die Praia do Porto ist frei zugänglich. Feste allgemeine Öffnungszeiten oder ein regulärer Eintritt bestehen nicht.
Ribeira das Galinhas
Am westlichen Ende von Paul do Mar liegt die Praia da Ribeira das Galinhas. Auch dieser Strand besteht überwiegend aus Kieseln. Die Kulisse wirkt noch offener und rauer als am Hafen. Hinter dem Küstenstreifen steigen die Felsen steil an, davor liegt der ungeschützte Atlantik. Zum Strandbereich gehören eine Bar, Duschen, Sonnenschirme und eine Fläche zum Sonnen. Welche Einrichtungen tatsächlich geöffnet sind, kann von Saison, Wetter und Betreiber abhängen.
Ribeira das Galinhas ist außerdem ein bekannter Treffpunkt der Surfszene. Für ungeübte Schwimmer und Familien mit kleinen Kindern ist der Strand bei kräftiger Brandung keine gute Wahl.
Surfen in Paul do Mar
Die Wellen vor Paul do Mar brechen kraftvoll und teilweise röhrenförmig. Für erfahrene Surfer ist die Küste vor dem Ort deshalb ein sehr interessantes Revier. Anfänger finden hier dagegen selten geeignete Bedingungen.
Strömungen, Felsen und wechselnde Einstiege verlangen Ortskenntnis. Wer den Spot noch nicht kennt, sollte sich vorher bei erfahrenen Surfern oder einer örtlichen Surfschule informieren. Vom Land aus lassen sich die Wellen gut beobachten, ohne selbst ins Wasser zu gehen. Die Surfkultur hat das Bild von Paul do Mar in den vergangenen Jahren mitgeprägt. Surfsportler aus der ganzen Welt geben Paul do Mar ein gewisses lässiges Image.
Die Kirche von Santo Amaro
Oberhalb der älteren Häuser fällt die große Igreja de Santo Amaro auf. Ihr kantiger Bau und das hohe Dach unterscheiden sich von vielen anderen historischen Dorfkirchen, die sonst vielerorts auf Madeira stehen. Die heutige Kirche entstand in den 1970er-Jahren. Dafür wurde die ältere Pfarrkirche abgerissen. Nach Angaben der Gemeinde Calheta soll der Neubau einer Kirche in Kalifornien nachempfunden worden sein. Diese ungewöhnliche Form erklärt, warum das Gebäude eher nordamerikanisch als madeirisch wirkt.
Die Geschichte der Pfarrei reicht erheblich weiter zurück. João Anes do Couto Cardoso ließ zunächst eine Kapelle zu Ehren des heiligen Amaro errichten. Sein Sohn Francisco do Couto Cardoso erweiterte sie später. Als eigenständige Pfarrei entwickelte sich Paul do Mar gegen Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts.
Standort: Sítio da Igreja, 9370-502 Paul do Mar
Es gibt keine festen Besichtigungszeiten für die Igreja de Santo Amaro. Außerhalb von Gottesdiensten kann die Kirche geschlossen sein.
Caminho Real do Paul do Mar
Ambitionierte Wanderer können sich am bekannten PR 19 Caminho Real do Paul do Mar versuchen, der einem alten Verbindungsweg zwischen Prazeres und der Küste folgt. Bevor Straßen und Tunnel gebaut wurden, gehörten solche Pfade zu den wenigen Möglichkeiten, Menschen und Waren zwischen den höher gelegenen Dörfern und Paul do Mar zu transportieren.
Die Strecke ist nur 1,8 Kilometer lang, überwindet aber rund 550 Höhenmeter. Der offizielle Verlauf beginnt in Prazeres und führt bergab nach Paul do Mar. Dafür werden ungefähr eine Stunde und zwanzig Minuten veranschlagt. Der Weg gilt als mittelschwer. Kurz bedeutet hier allerdings keineswegs bequem. Der steinige Untergrund und der lange Abstieg beanspruchen Knie und Gelenke. In umgekehrter Richtung wird aus der kurzen Strecke ein anstrengender Aufstieg. Schatten ist nicht überall vorhanden.
Der größte praktische Haken ist die Rückfahrt. Wer das Auto in Prazeres abstellt und nach Paul do Mar hinunterwandert, muss anschließend wieder nach oben gelangen. Ein zweites Fahrzeug, ein Taxi oder eine vorher organisierte Abholung erleichtern die Planung erheblich.
Nach der aktuellen Übersicht des madeirischen Instituts für Forst- und Naturschutz ist der PR 19 Anfang Oktober 2026 geöffnet. Andere Tourismusseiten zeigen teilweise noch einen abweichenden Status. Maßgeblich ist die tagesaktuelle Angabe des IFCN. Wetter, Steinschlag oder Instandhaltungsarbeiten können kurzfristige Sperrungen notwendig machen.
Für klassifizierte Wanderwege erhebt Madeira 2026 in der Regel eine Gebühr von 4,50 Euro pro Person. Vor der Wanderung sollten der konkrete Tarif, eine mögliche Reservierungspflicht und der aktuelle Wegestatus im offiziellen System geprüft werden.
Bananen unter der Felswand
Auf den kleinen Terrassen oberhalb und westlich des Ortes wachsen zahlreiche Bananenpflanzen. Die steile Landschaft lässt keine großen Felder zu. Mauern sichern schmale Parzellen, auf denen teilweise nur wenige Reihen Platz finden. Landwirtschaft und Fischerei waren lange die wichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen von Paul do Mar. Der Tourismus hat zusätzliche Einnahmequellen geschaffen, ohne beide Bereiche vollständig zu verdrängen. Viele ältere Terrassen lassen erkennen, wie viel Arbeit nötig war, um die steilen Hänge nutzbar zu machen. Einige Flächen werden weiterhin bewirtschaftet, andere wachsen allmählich zu.
Essen und Sonnenuntergang am Meer
Die gastronomische Auswahl in Paul do Mar ist kleiner als in Funchal oder Calheta. Es gibt einige Bars, Cafés und Restaurants entlang der Küste. Fisch und Meeresfrüchte spielen erwartungsgemäß eine wichtige Rolle, doch nicht jedes Lokal öffnet täglich oder ganzjährig.
Zu den bekanntesten Adressen gehört der Maktub Pub. Das Lokal verbindet Restaurant und Bar mit einer entspannten Surferatmosphäre. Wegen seiner Lage an der Westküste ist es besonders zum Sonnenuntergang beliebt. Der Betreiber nennt als Öffnungszeiten derzeit 15 bis 23 Uhr, mittwochs bleibt das Lokal geschlossen. Für das Abendessen wird eine Reservierung empfohlen.
Adresse: Avenida dos Pescadores Paulenses 160, 9370-545 Paul do Mar
Telefon: +351 915 860 898
Öffnungszeiten: laut Betreiber täglich außer Mittwoch von 15 bis 23 Uhr, Stand Oktober 2026
Paul do Mar am Abend
Ausflüge in der Umgebung
Paul do Mar lässt sich gut mit mehreren Orten im Südwesten Madeiras verbinden. Jardim do Mar liegt direkt östlich und besitzt einen stärker verkehrsberuhigten, von schmalen Gassen geprägten Ortskern. Prazeres befindet sich oberhalb der Steilküste und ist über den historischen Caminho Real mit Paul do Mar verbunden. In Calheta gibt es einen Sandstrand, einen größeren Yachthafen, einen Supermarkt und eine breitere gastronomische Auswahl. Westlich führen die Straßen nach Fajã da Ovelha und weiter zur Ponta do Pargo.
Für die meisten Ausflüge ist ein Mietwagen praktisch. Busverbindungen bestehen, fahren aber seltener als im Raum Funchal. Wer ohne Auto reist, sollte Rückfahrten und Anschlüsse vorher prüfen.
Urlaub in Paul do Mar
Paul do Mar passt zu Reisenden, die direkt am Meer wohnen möchten und mit einer kleinen Auswahl an Restaurants und Geschäften auskommen. Ferienhäuser und Apartments liegen teilweise nur wenige Schritte von der Küste entfernt. Den Ausblick auf den den Atlantik gibt es bei den meisten gratis dazu. Für einen klassischen Badeurlaub ist der Ort jedoch nur eingeschränkt geeignet. Die Strände bestehen aus Kieseln, und das Meer kann rau werden. Familien, die täglich in einer geschützten Bucht baden möchten, finden in Calheta einfachere Bedingungen.
Auch die Lage unterhalb der Steilwand hat praktische Folgen. Für viele Ausflüge führt der Weg zunächst über kurvige Straßen oder durch Tunnel. Ein Mietwagen ist für den Aufenthalt empfehlenswert. Bei einer Unterkunft sollte geprüft werden, ob ein eigener Parkplatz vorhanden ist. Entlang der schmalen Straßen sind freie Stellplätze nicht selbstverständlich.
Lernen Sie Paul do Mar persönlich kennen:
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Wer Ruhe, Meerblick und eine gewisse Distanz zu den größeren Urlaubsorten sucht, findet in Paul do Mar einen guten Standort. Der Ort wurde in den letzten Jahren touristischer, ohne seine Verbindung zur Fischerei und Landwirtschaft vollständig zu verlieren. Am deutlichsten zeigt sich das morgens am Hafen, wenn die ersten Ausflügler noch nicht angekommen sind.
Impressionen von Paul do Mar (von Eagle eyes from the sky)
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