Cristo Rei in Garajau
Die Christusstatue Cristo Rei steht auf der Ponta do Garajau, einem schmalen Felsvorsprung an Madeiras Südküste. Schon aus einiger Entfernung ist die helle, mit ausgebreiteten Armen zum Meer gerichtete Figur zu erkennen. Ihre Lage erinnert an den Cristo Redentor in Rio de Janeiro, doch die Statue auf Madeira ist älter: Sie wurde bereits 1927 eingeweiht, vier Jahre vor dem berühmten Monument in Brasilien. Auch der Cristo Rei bei Lissabon entstand erst deutlich später. Von der Landspitze fällt das Gelände steil zum Atlantik ab. Im Westen reicht der Blick in Richtung Funchal, im Osten folgt die zerklüftete Küste von Caniço de Baixo. Unterhalb der Klippen liegen die Praia do Garajau und eines der bekanntesten Tauchgebiete der Insel.
Trotz dieser historischen Besonderheit ist die Ponta do Garajau kein Ort, der einen langen Besichtigungsplan verlangt. Statue, Aussichtspunkte und Seilbahnstation liegen dicht beieinander. Der Reiz entsteht aus dem Zusammenspiel von Monument, Steilküste und offenem Meer.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenEin privates Denkmal aus den 1920er-Jahren
Die Cristo-Rei-Statue wurde von Aires de Ornelas und seiner Frau finanziert. Ornelas entstammte einer einflussreichen madeirischen Familie, der das Gelände an der Ponta do Garajau gehörte. Mit dem Monument sollte das Heiligste Herz Jesu verehrt werden. An der Gestaltung waren die französischen Bildhauer Georges Serraz und Pierre Charles Lenoir beteiligt. Die Figur steht auf einem hohen Sockel und erreicht mit diesem eine Gesamthöhe von ungefähr 14 Metern. Am 30. Oktober 1927 wurde das Denkmal feierlich eingeweiht.
Der Stil ist vergleichsweise zurückhaltend. Die Statue besitzt weder die monumentalen Ausmaße des Cristo Redentor in Rio de Janeiro noch die Höhe des Cristo Rei bei Lissabon. Auf dem schmalen Felsvorsprung wirkt sie dennoch weithin sichtbar. Ihre offenen Arme folgen der klassischen Darstellung Christi als schützende, der Welt zugewandte Figur. Heute gehört das Monument zu den bekanntesten Wahrzeichen im Osten der Bucht von Funchal. Der Name Cristo Rei hat sich dabei stärker durchgesetzt als die ursprüngliche Bezeichnung als Denkmal des Heiligsten Herzens Jesu.
Die Aussicht von der Ponta do Garajau
Der obere Bereich an der Statue ist nur ein Teil des Aussichtspunktes. Ein gepflasterter Weg mit Treppen führt über den schmalen Rücken der Landspitze weiter in Richtung Meer. Von dort wird die Lage des Kaps besonders deutlich: Auf beiden Seiten fallen die Felswände steil ab, während sich vor dem Aussichtspunkt fast nur noch der Atlantik öffnet.
In westlicher Richtung sind die Außenbezirke von Funchal und Teile der Bucht zu erkennen. Nach Osten reicht der Blick über die Küste von Garajau und Caniço de Baixo. Bei klarer Sicht zeichnen sich weiter entfernt die trockeneren Landschaften im Osten Madeiras ab.
Die Wirkung verändert sich mit Tageszeit und Wetter. Am Vormittag fällt das Licht stärker auf die östliche Küste, während sich am späteren Tag die Bucht in Richtung Funchal öffnet. Bei Wind wirkt die exponierte Landspitze rauer, als es der geschützte Parkplatz oberhalb vermuten lässt.
Der Weg zur vordersten Plattform ist nicht lang, umfasst aber Treppen und liegt unmittelbar über der Steilküste. Festes Schuhwerk ist zwar nicht zwingend erforderlich, Schuhe mit sicherem Halt sind dennoch sinnvoll. Bei kräftigem Wind oder nassem Untergrund sollte besonders vorsichtig gegangen werden.
Eine Landspitze mit schwieriger Vergangenheit
Mit der Ponta do Garajau ist eine häufig erzählte Überlieferung verbunden. Demnach sollen vor der Einrichtung eines protestantischen Friedhofs auf Madeira die Leichname nichtkatholischer Verstorbener von der Klippe ins Meer gegeben worden sein, weil ihnen eine Bestattung auf katholischen Friedhöfen verwehrt blieb. Die Geschichte wird in zahlreichen Darstellungen zur Ponta do Garajau wiederholt, ihre Einzelheiten sind jedoch nicht durchgehend eindeutig belegt. Sie sollte deshalb eher als Teil der historischen Überlieferung behandelt werden, als als lückenlos dokumentierter Ablauf.
Gesichert ist, dass nichtkatholische Bewohner und Besucher Madeiras lange Schwierigkeiten hatten, reguläre Begräbnisstätten zu erhalten. Erst im 18. Jahrhundert entstand in Funchal ein britischer protestantischer Friedhof. Die Erzählung erinnert damit an die religiösen Grenzen, die das Leben und selbst den Umgang mit Verstorbenen auf der Insel bestimmten.
Die Cristo-Rei-Statue entstand erst rund anderthalb Jahrhunderte später. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Errichtung des Monuments und den früheren Bestattungen wird gelegentlich hergestellt, sollte aber nicht als zweifelsfrei belegter Hauptgrund dargestellt werden. Im Vordergrund stand die religiöse Stiftung durch Aires de Ornelas und seine Familie.
Mit der Seilbahn zur Praia do Garajau
Nahe dem Parkplatz befindet sich die Bergstation des Teleférico do Garajau. Die Seilbahn überwindet die hohe Steilküste und fährt hinunter zur Praia do Garajau. Schon während der kurzen Fahrt öffnet sich der Blick auf die Felswände, das Meer und den schmalen Küstenstreifen am Fuß des Kaps. Unten wartet kein Sandstrand, sondern ein für Madeira typischer Stein- und Kiesstrand. Der Zugang zum Wasser erfolgt je nach Bedingungen über den Strand oder ausgebaute Einstiege. Eine kleine gastronomische Infrastruktur und eine Tauchbasis ergänzen den Badebereich.
Die Seilbahn macht die Küste wesentlich leichter zugänglich. Alternativ führt eine steile Straße einen Teil des Hangs hinunter, doch sie ersetzt nicht in jeder Situation die direkte Verbindung bis zum Strand. Betriebszeiten und mögliche Unterbrechungen sollten vor dem Besuch geprüft werden. Wind, Wartungsarbeiten oder technische Gründe können den Betrieb beeinflussen.
Wer nur die Statue und die Aussicht sehen möchte, benötigt die Seilbahn nicht. Für den Besuch der Praia do Garajau oder einen längeren Aufenthalt am Meer ist sie dagegen der bequemste Zugang.
Das Meeresschutzgebiet von Garajau
Vor der Küste liegt die Reserva Natural Parcial do Garajau. Das 1986 eingerichtete Schutzgebiet erstreckt sich entlang eines Abschnitts der Südküste und reicht bis in die Umgebung der Ponta da Oliveira bei Caniço de Baixo. Fischerei und andere Eingriffe sind dort eingeschränkt oder untersagt.
Unter Wasser setzt sich die felsige Landschaft fort. Steil abfallende Wände, Höhlen und Plateaus bieten Lebensraum für zahlreiche Meeresarten. Bekannt ist das Gebiet insbesondere für Braune Zackenbarsche, die hier vergleichsweise groß werden und an einigen Tauchplätzen wenig Scheu zeigen. Auch Muränen, Rochen und verschiedene Schwarmfische können vorkommen.
Die Praia do Garajau dient als Ausgangspunkt für Tauchgänge und zum Schnorcheln. Ruhiges, klares Wasser bietet gute Bedingungen, doch die Lage am offenen Atlantik darf nicht unterschätzt werden. Wellengang und Strömungen können sich verändern. Für Tauchgänge sind eine örtliche Basis und eine dem jeweiligen Platz entsprechende Erfahrung ratsam.
Von der Statue aus bleibt das Schutzgebiet unsichtbar. Erst der Blick von der Seilbahn oder der Abstieg zur Küste vermittelt, wie steil das Gelände auch unterhalb des Aussichtspunktes fortgesetzt wird.
Cristo Rei als Zwischenstopp oder Ausflugsziel
Für die Statue und den oberen Aussichtspunkt genügt meist weniger als eine Stunde. Wer mit der Seilbahn zum Strand fährt, dort badet oder einen Tauchgang unternimmt, kann dagegen einen halben Tag einplanen. Die Lage macht Cristo Rei zu einem unkomplizierten Zwischenstopp zwischen Funchal und dem Osten Madeiras. Von Caniço de Baixo und Garajau ist die Landspitze schnell erreichbar. Auch eine Verbindung mit Reis Magos, Machico oder einer Rundfahrt über Santa Cruz bietet sich an.
Gerade weil der Besuch wenig Zeit beansprucht, kann es zu bestimmten Tageszeiten lebhaft werden. Reisegruppen halten häufig nur kurz für Fotos und fahren anschließend weiter. Etwas ruhiger ist es meist am Morgen oder gegen Ende des Tages. Für die Aussicht lohnt sich ein klarer Tag; bei dichter Bewölkung bleibt zumindest der unmittelbare Blick auf die Steilküste eindrucksvoll.
Praktische Hinweise für den Besuch
Die Zufahrt zur Ponta do Garajau erfolgt über Garajau im Gemeindegebiet von Caniço. In der Nähe der Statue und der Seilbahnstation stehen Parkmöglichkeiten zur Verfügung. Bei starkem Besucheraufkommen können die Plätze knapp werden.
Der obere Bereich lässt sich ohne längere Wanderung erreichen. Zur vorderen Aussichtsplattform führen jedoch Treppen, weshalb sie nicht vollständig barrierefrei ist. Auch der Strand unterhalb der Seilbahn besteht aus Steinen und ist für Personen mit eingeschränkter Mobilität nur bedingt geeignet.
Auf der Landspitze gibt es kaum Schatten. Sonnenschutz ist deshalb selbst bei einem kurzen Besuch sinnvoll. An windigen Tagen kann es trotz warmer Temperaturen kühl wirken. Wer zum Strand hinunterfährt, sollte Badeschuhe mitnehmen und sich vorab über den Seilbahnbetrieb informieren.
Cristo Rei ist keine Sehenswürdigkeit, die allein wegen ihrer Größe beeindruckt. Bemerkenswert ist vielmehr ihre frühe Entstehungszeit und die Lage auf einem schmalen Kap zwischen Funchal und Caniço de Baixo. Zusammen mit der Seilbahn, der Praia do Garajau und dem Meeresschutzgebiet entsteht ein Ausflugsziel, das Aussicht, Geschichte und Küstenerlebnis auf engem Raum verbindet.
Impressionen von Cristo Rei in Garajau (von Travel with Anna)
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen












