Das Cabo Girão gehört zum Kreis Câmara de Lobos und zählt zu den meistbesuchten Aussichtspunkten Madeiras. Viele Inselrundfahrten legen hier einen kurzen Zwischenstopp ein. Entsprechend lebhaft kann es werden, obwohl für den eigentlichen Skywalk nur wenig Zeit benötigt wird. Am Cabo Girão endet die Landschaft beinahe senkrecht. Rund 580 Meter unterhalb des Aussichtspunkts trifft die Steilküste auf den Atlantik. Dazwischen liegen nur Felswände und einige schmale, überraschend grüne Landflächen am Meer. Eine gläserne Plattform führt ein Stück über den Abgrund hinaus und macht den Höhenunterschied unmittelbar sichtbar.
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Mehr InformationenEine Steilküste von rund 580 Metern
Das Cabo Girão wird häufig als höchstes Kap Europas bezeichnet. Mit einer Höhe von ungefähr 580 Metern gehört es zweifellos zu den höchsten nahezu senkrecht zum Meer abfallenden Küstenformationen des Kontinents. Der genaue Rang hängt allerdings davon ab, wie Kap, Klippe und zusammenhängende Steilküste voneinander abgegrenzt werden. Die oft wiederholte Bezeichnung sollte deshalb eher als touristische Einordnung denn als unumstrittener geografischer Rekord verstanden werden.
An der Wirkung des Ortes ändert diese Einschränkung wenig. Vom oberen Rand fällt der Blick fast senkrecht hinunter. Häuser, Felder und Wege unterhalb der Klippe erscheinen entsprechend klein, während sich der Atlantik weit über den Horizont öffnet.
Die Felswand entstand durch vulkanische Prozesse und die anschließende Erosion der Küste. Unterschiedliche Gesteinsschichten sind an mehreren Stellen zu erkennen. Wind, Regen und Brandung verändern die Klippe bis heute, auch wenn diese Vorgänge aus der Entfernung kaum wahrnehmbar sind.
Der Name Cabo Girão wird sinngemäß mit „Kap der Umkehr“ oder „Kap der Wendung“ in Verbindung gebracht. Er soll darauf zurückgehen, dass die frühen portugiesischen Seefahrer an dieser markanten Stelle ihre Fahrtrichtung änderten. Wie bei vielen alten Ortsnamen lässt sich die genaue Entstehung jedoch nicht mehr in allen Einzelheiten nachvollziehen.
Der Skywalk aus Glas
Die bekannteste Einrichtung am Cabo Girão ist die gläserne Aussichtsplattform. Sie ragt über die Kante der Steilküste hinaus. Durch den Boden sieht man die Felsen und Küstenflächen darunter. Wer empfindlich auf Höhe reagiert, merkt den ersten Schritt auf das Glas oft stärker als den späteren Blick über das Geländer. Die Plattform ist kleiner, als manche Bilder zeigen. An ruhigen Tagen ist genug Platz. Wenn aber mehrere Reisegruppen gleichzeitig ankommen, wird es eng. Viele Besucher bleiben nur ein paar Minuten. Dadurch ändert sich die Situation meistens schnell.
Der Glasboden ist nicht überall ganz durchsichtig. Kratzer, Spiegelungen, Feuchtigkeit und Schuhspuren können die Sicht nach unten stören. Das Panorama sieht man sowieso nicht nur durch den Boden. Von der Plattform aus kann man entlang der Südküste bis Câmara de Lobos und Funchal schauen. In die andere Richtung sieht man die Hänge von Quinta Grande und weitere Küstenabschnitte im Westen.
Der Aussichtspunkt ist gut gebaut und ohne lange Wanderung erreichbar. Er liegt direkt am Parkplatz, deshalb können auch Reisende dorthin, die keine großen Höhenunterschiede zu Fuß schaffen. Man merkt trotzdem, dass er offen liegt, vor allem bei starkem Wind oder wenn die Wolken tief hängen.
Die Fajãs am Fuß der Klippe
Unterhalb des Aussichtspunkts liegen die Fajã do Cabo Girão und die Fajã do Rancho. Als Fajã werden auf Madeira kleine, relativ flache Landflächen am Fuß einer Steilküste bezeichnet. Sie entstanden durch Erdrutsche, herabgestürztes Gestein oder vulkanische Ablagerungen und wurden wegen ihrer fruchtbaren Böden landwirtschaftlich genutzt.
Aus der Perspektive des Skywalks wirken die Felder beinahe wie ein schmaler grüner Saum zwischen Felswand und Meer. Tatsächlich wurden dort über Generationen Wein, Obst und Gemüse angebaut. Das milde Klima und die geschützte Lage begünstigten die Bewirtschaftung.
Der Zugang war lange schwierig. Einige Flächen konnten nur über steile Pfade oder vom Meer aus erreicht werden. Werkzeuge, Ernte und andere Lasten mussten unter erheblichem Aufwand transportiert werden. Die kleinen Parzellen stehen deshalb beispielhaft für die Anpassung der madeirischen Landwirtschaft an eine Landschaft, in der ebene Flächen selten sind. Von oben lässt sich dieser Aufwand leicht übersehen. Erst ein Besuch auf Höhe der Fajãs zeigt, wie mächtig die Felswand über den Feldern aufragt und wie abgeschieden die Küste trotz der Nähe zu Câmara de Lobos wirkt.
Die Seilbahn am Miradouro do Rancho
Der Zugang zu den Fajãs erfolgt nicht direkt vom Skywalk. Einige Kilometer entfernt liegt am Miradouro do Rancho die Bergstation des Teleférico das Fajãs do Cabo Girão. Diese räumliche Trennung ist wichtig, da beide Einrichtungen gelegentlich miteinander verwechselt werden. Die kleine Seilbahn verbindet den Ortsteil Rancho mit den landwirtschaftlich genutzten Küstenflächen. Sie wurde ursprünglich eingerichtet, um Bauern den Zugang zu ihren Grundstücken zu erleichtern. Heute wird sie auch von Besuchern genutzt. Während der Fahrt öffnet sich der Blick auf die Steilküste, die Felder und das Meer.
Unten führen Wege durch Teile der Fajã und zur steinigen Küste. Ein klassischer Badestrand ist dort nicht zu erwarten. Je nach Seegang kann der Zugang zum Wasser schwierig sein. Die Umgebung eignet sich eher für einen ruhigen Aufenthalt, einen Spaziergang zwischen den Feldern oder zum Schnorcheln bei geeigneten Bedingungen.
Da die Seilbahn klein ist und nur eine begrenzte Zahl von Personen befördert, können Wartezeiten entstehen. Wind oder technische Arbeiten können den Betrieb unterbrechen. Öffnungszeiten und aktuelle Bedingungen sollten deshalb vor der Anfahrt geprüft werden.
Für einen schnellen Besuch des Cabo Girão ist die Fahrt zu den Fajãs nicht erforderlich. Wer mehr als das bekannte Skywalk-Foto mitnehmen möchte, gewinnt dort jedoch eine zweite, vollkommen andere Perspektive auf dieselbe Steilküste.












