Câmara de Lobos
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenDie Bucht als Mittelpunkt des Ortes
Die kleine Hafenbucht bildet das Herz von Câmara de Lobos. Sie wird auf beiden Seiten von felsigen Vorsprüngen eingefasst, die sie vor dem offenen Atlantik schützen. Schon die ersten portugiesischen Seefahrer erkannten den Wert dieses natürlichen Hafens. Im Hafen und an den Ufern liegen traditionelle Holzboote neben moderneren Fischerbooten. Netze, Arbeitsgeräte und Spuren des täglichen Hafenbetriebs gehören zum Bild. Die Fischerei hat wirtschaftlich aber längst nicht mehr dieselbe Bedeutung wie früher. Dennoch bleibt sie ein sichtbarer Teil der örtlichen Identität. Besonders eng ist Câmara de Lobos mit dem Schwarzen Degenfisch verbunden, auf Madeira „Espada“ genannt. Der langgestreckte Tiefseefisch lebt in großen Tiefen und wird traditionell nachts gefangen. Auf Speisekarten erscheint er häufig mit Banane, gelegentlich auch mit Maracujasauce – eine Kombination, die außerhalb Madeiras zunächst ungewöhnlich wirken kann.
Die Region um Câmara de Lobos ist gekennzeichnet durch vielseitigen Obstanbau, so findet man Bananenplantagen, Weingärten und andere Obstsorten. Entlang der Straßen an der Küste hat man immer wieder atemberaubende Aussichten auf die hohe Steilküste. Ganz besonders eindrucksvoll ist die Aussicht beim Cabo Girão, der zweithöchsten Steilklippe der Welt, die sich in der unmittelbaren Umgebung von Câmara de Lobos befindet. Für Wanderer gibt es in der Umgebung von Câmara de Lobos mehrere Levadas, die traditionellen Bewässerungskanäle Madeiras, die durch die beeindruckende Landschaft führen. Diese Wanderwege bieten herrliche Ausblicke und die Möglichkeit, die Flora und Fauna der Insel zu entdecken.
Warum der Ort Câmara de Lobos heißt
Câmara de Lobos wurde im 15. Jahrhundert von João Gonçalves Zarco, einem der Entdecker Madeiras, gegründet. Der Name des Dorfes bedeutet „Höhle der Mönchsrobben“ und bezieht sich auf die Mönchsrobben, die Zarco in den Höhlen der Küste entdeckte. Der Name lässt sich sinngemäß eher als „Kammer der Wölfe“ übersetzen. Die Mönchsrobben wurden von den portugiesischen Entdeckern als lobos-marinhos – Meereswölfe – bezeichnet. In der geschützten Bucht soll bei der Ankunft der ersten Siedler eine größere Kolonie gelebt haben.
Mönchsrobben sind an der Küste von Câmara de Lobos heute nicht mehr anzutreffen. Ein kleiner Bestand der seltenen Tiere lebt jedoch weiterhin im Gebiet der Ilhas Desertas südöstlich von Madeira. Der Ortsname erinnert damit an eine Zeit, in der die Tierwelt der Insel noch weitgehend unbeeinflusst von der Besiedlung war.
Câmara de Lobos gehörte anschließend zu den ersten dauerhaft erschlossenen Gebieten Madeiras. Die geschützte Lage, fruchtbare Böden und ausreichend Sonneneinstrahlung begünstigten Landwirtschaft und Weinbau. Aus der frühen Siedlung entwickelte sich über die Jahrhunderte einer der bevölkerungsreichsten Orte der Insel.
Rundgang zwischen Hafen und Ilhéu
Für einen Rundgang durch Câmara de Lobos genügt es nicht, nur an der Ufermauer stehen zu bleiben. Oberhalb der Bucht liegt der Ilhéu de Câmara de Lobos. Trotz seines Namens ist dieser markante Felsen heute keine Insel. Er wurde in die Bebauung und die Wegeführung des Ortes einbezogen und bietet einen erhöhten Blick auf Hafen, Küste und Häuserhänge.
Das Viertel auf und um den Ilhéu war lange eng mit den Fischerfamilien verbunden. Seine Geschichte war nicht nur romantisch: Die Wohnverhältnisse waren teilweise beengt, und das Gebiet gehörte zu den ärmeren Teilen des Ortes. Heute ist der Felsen leichter zugänglich und in die Gestaltung des Hafenbereichs eingebunden. Die Aussicht verdeutlicht, wie klein die eigentliche Bucht ist und wie dicht Câmara de Lobos darum gewachsen ist.
Zu den ältesten religiösen Bauwerken gehört die Kapelle Nossa Senhora da Conceição nahe dem Hafen. Sie geht in ihren Ursprüngen auf die frühe Besiedlungszeit zurück, wurde später jedoch mehrfach verändert. Etwas weiter im Ort steht die Pfarrkirche São Sebastião. Zwischen beiden liegen kurze Straßen mit Bars, Geschäften und Plätzen, auf denen sich der Alltag stärker zeigt, als an vielen klassischen Aussichtspunkten Madeiras.
Ein Rundgang ist nicht lang, kann aber durch die Höhenunterschiede anstrengender werden, als die Entfernung vermuten lässt. Für die Bucht und die zentralen Straßen reicht ein halber Tag aus. Wer auch die höher gelegenen Aussichtspunkte, einen Restaurantbesuch oder die Küstenwege einplant, kann deutlich mehr Zeit verbringen.
Winston Churchill und sein Blick auf den Hafen
Der bekannteste Besucher von Câmara de Lobos war Winston Churchill. Während eines Aufenthalts auf Madeira im Januar 1950 ließ sich der frühere britische Premierminister mit Staffelei und Leinwand oberhalb der Bucht nieder. Von dort malte er den Hafen und die umliegenden Häuser.
Die Verbindung zu Churchill wird heute sichtbar gepflegt. Eine Bronzefigur zeigt ihn beim Malen, und ein Aussichtspunkt trägt seinen Namen. Der historische Aufenthalt wird mitunter stärker hervorgehoben, als es seine kurze Dauer vermuten lässt. Dennoch passt die Geschichte zum Ort: Die geschützte Bucht, die Boote und die gestaffelten Häuser sind bis heute ein naheliegendes Motiv für Malerei und Fotografie. Der Blick hat sich seit 1950 verändert. Die Bebauung ist dichter geworden, Straßen und moderne Gebäude sind hinzugekommen. Die Grundform der Bucht und der steilen Hänge lässt sich dennoch gut wiedererkennen. Gerade dieser Vergleich zwischen dem damaligen Gemälde und dem heutigen Stadtbild macht die Episode interessanter als eine bloße Erinnerungstafel.
Poncha ohne Folklore
Kaum ein Getränk wird so eng mit Câmara de Lobos verbunden wie die Poncha. Die klassische Variante besteht aus Zuckerrohrschnaps, Honig und Zitronensaft. Die Zutaten werden mit einem Caralhinho genannten Holzstab vermischt. Je nach Bar und Region haben sich zahlreiche Varianten mit anderen Fruchtsäften entwickelt.
In Câmara de Lobos war die Poncha traditionell ein Getränk der Fischer. Sie galt als kräftigend und wärmend, bevor die Boote nachts zum Fang ausliefen. Heute gehört sie zum touristischen Angebot, wird aber ebenso in unscheinbaren kleinen Bars ausgeschenkt, die eher von Einheimischen besucht werden. Die Unterschiede zwischen den Lokalen sind beträchtlich. Manche Ponchas werden frisch zubereitet und besitzen eine deutliche Säure, andere fallen süßer aus oder enthalten verschiedene Fruchtsäfte. Der Alkoholgehalt ist trotz des fruchtigen Geschmacks nicht zu unterschätzen. Wer mit dem Mietwagen unterwegs ist, sollte die Verkostung entsprechend einplanen.
Câmara de Lobos muss nicht als alleiniger „Geburtsort“ sämtlicher Poncha-Varianten inszeniert werden. Wichtiger ist die bis heute erkennbare Verbindung zwischen dem Getränk, der Fischerei und dem gesellschaftlichen Leben rund um den Hafen.
Weinberge oberhalb der Stadt
Über den dicht bebauten unteren Stadtteilen beginnen die Weinberge. Besonders in Richtung Estreito de Câmara de Lobos ziehen sich Reben über steile, kleinteilige Terrassen. Viele Parzellen können nur mit erheblichem Arbeitsaufwand bewirtschaftet werden. Maschinen stoßen auf den schmalen Flächen schnell an ihre Grenzen. Die Trauben aus dieser Umgebung spielen eine wichtige Rolle für den Madeirawein. Die Landschaft zeigt zugleich, wie eng städtische Bebauung und Landwirtschaft auf der Insel nebeneinanderliegen. Zwischen Wohnhäusern, Straßen und Stützmauern bleiben immer wieder bewirtschaftete Flächen erhalten.
Estreito de Câmara de Lobos besitzt einen eigenen Ortscharakter und sollte nicht lediglich als oberer Stadtteil betrachtet werden. Von Câmara de Lobos aus lässt sich die Region jedoch gut in eine Rundfahrt durch den Süden Madeiras einbeziehen.
Cabo Girão als Ausflug von Câmara de Lobos
Westlich der Stadt liegt das Cabo Girão. Die steile Küste mit ihrer Glasplattform gehört zu den bekanntesten Ausflugszielen auf Madeira. Vom Aussichtspunkt schaut man fast senkrecht auf das Meer und auf die kleinen Fajãs am Fuß der Felswand.
Das Cabo Girão liegt im Kreis Câmara de Lobos, aber nicht direkt am Hafen. Man sollte deshalb mehr Zeit für die Fahrt einplanen. Zu beliebten Zeiten wird es auf der Plattform voll. Die Stimmung ist dann ganz anders als bei der stillen Beobachtung des Hafenlebens.
Die landwirtschaftlich genutzten Flächen unterhalb der Steilküste sind ein besonderer Teil der Aussicht. Einige waren früher nur vom Meer aus zugänglich. Heute erleichtert eine Seilbahn den Zugang zu einem Teil dieser Küstenterrassen. Das eigentliche Erlebnis ist aber die ungewöhnliche Sicht von der Abbruchkante auf die Südküste.
Baden spielt nur eine Nebenrolle
Câmara de Lobos ist kein klassischer Badeort. In der näheren Umgebung gibt es nur wenige geeignete Badestellen. Eine davon ist die westlich der Hafenbucht gelegene Praia do Vigário, ein dunkler Kiesstrand unterhalb hoher Hänge. Wegen der Nähe zum Ort wird der Strand Vigário häufig auch als „der Strand von Câmara de Lobos“ bezeichnet. Strandbesucher sollten auf jeden Fall immer mögliche Warnhinweise beim Baden beachten. Der Praia do Vigário besitzt keine geschützten Buchten sondern liegt offen zum Atlantik. Wellen und Strömungen können hier sehr stark sein.
Zum Baden kommt außerdem die Anlage bei den Salinas infrage. Bedingungen, Zugänglichkeit und Öffnungszeiten können sich jedoch verändern und sollten vor Ort geprüft werden. Für einen ganzen Strandurlaub bietet Câmara de Lobos insgesamt nur begrenzte Möglichkeiten.
Tagesausflug oder Urlaubsort?
Lernen Sie Câmara de Lobos persönlich kennen:
Pauschalreisen nach Câmara de Lobos
Angebote Finden >
Praktische Hinweise für Câmara de Lobos
Von Funchal aus ist Câmara de Lobos mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln schnell erreichbar. Für einen reinen Besuch des Zentrums kann der Mietwagen sogar hinderlich sein, da Parkplätze rund um die Bucht begrenzt sind. Ein Stellplatz etwas außerhalb und der anschließende Weg zu Fuß sind für Mietwagenfahrer häufig die entspanntere Lösung.
Die zentralen Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander. Kopfsteinpflaster, Treppen und Steigungen können den Rundgang dennoch erschweren. In den Mittagsstunden und am frühen Nachmittag treffen am Hafen häufiger Reisegruppen ein. Am Morgen und gegen Abend zeigt sich die Bucht oft ruhiger.
Restaurants rund um das Zentrum servieren Fischgerichte, Espada und andere madeirische Spezialitäten. Die Lage direkt am Hafen ist nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal; ein Blick in kleinere Seitenstraßen erweitert die Auswahl.
Câmara de Lobos eignet sich nicht nur für das bekannte Foto mit bunten Booten. Der Ort erzählt auf engem Raum von der frühen Besiedlung Madeiras, vom Leben der Fischer, von Weinbau und raschem städtischem Wachstum. Seine Ecken und Widersprüche machen ihn glaubwürdiger als eine makellos restaurierte Kulisse – und gerade deshalb lohnt es sich, nach dem ersten Blick auf die Bucht noch etwas weiterzugehen.
Impressionen von Câmara de Lobos (von Lauza and Michael):
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen








