Wer den Monte Palace Tropical Garden zum ersten Mal betritt, sollte sich von dem Wort „Garten“ nicht täuschen lassen. Hinter dem Eingang beginnt eine weitläufige Anlage mit steilen Wegen, Teichen, Wasserfällen, asiatischen Brücken, historischen Fliesentafeln, Skulpturen und einem dreistöckigen Museum. Dazwischen wachsen Pflanzen aus mehreren Kontinenten. Rund 70.000 Quadratmeter groß ist das Gelände. Es zieht sich über den Hang unterhalb der Kirche von Monte und eröffnet an mehreren Stellen den Blick auf Funchal und den Atlantik. Viele Besucher kommen mit der Seilbahn herauf, rechnen mit einem kurzen Spaziergang und stellen bald fest, dass zwei Stunden schnell vergangen sind.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenVom Landsitz zum Palasthotel
Die Geschichte des Anwesens begann im 18. Jahrhundert. Der britische Konsul Charles Murray erwarb das Gelände südlich der Kirche von Monte und ließ dort einen Landsitz anlegen. Das Anwesen erhielt später den Namen Quinta do Prazer. Seine entscheidende Veränderung erlebte das Grundstück ab 1897. Der madeirische Unternehmer Alfredo Guilherme Rodrigues kaufte die Quinta und ließ ein palastartiges Gebäude errichten. Als Vorbild dienten ihm Schlösser am Rhein. Aus dem Landsitz wurde das Monte Palace Hotel, das mit seiner erhöhten Lage und dem Blick über Funchal wohlhabende Gäste ansprechen sollte.
Monte war damals längst eine bevorzugte Sommerfrische. Wohlhabende Familien aus Funchal verbrachten die wärmeren Monate in den kühleren Höhenlagen. Die Zahnradbahn, die von 1893 bis 1943 zwischen Funchal, Monte und später Terreiro da Luta verkehrte, erleichterte die Anreise.
Nach dem Tod von Alfredo Guilherme Rodrigues im Jahr 1943 stellte das Hotel den Betrieb ein. Das Anwesen wechselte später den Besitzer und gelangte 1987 in den Besitz des Unternehmers und Kunstsammlers José Berardo. Unter seiner Leitung entstand die heutige Gartenanlage. Das ehemalige Hotel bildet weiterhin den architektonischen Mittelpunkt. Sein Inneres ist nicht für Besucher geöffnet. Vom Garten aus lässt sich das Gebäude jedoch aus verschiedenen Perspektiven betrachten.
Ein Garten für Pflanzen aus verschiedenen Regionen
Das Klima von Monte schafft gute Bedingungen für Pflanzen, die in tieferen und trockeneren Lagen Madeiras schwieriger zu kultivieren wären. Die Höhe bringt mehr Feuchtigkeit, häufigere Wolken und etwas niedrigere Temperaturen. Das Ergebnis ist eine dichte Vegetation, die an manchen Stellen beinahe waldartig wirkt. Zwischen den Wegen stehen Baumfarne, Palmen, Bambus, Araukarien, Magnolien und nordamerikanische Mammutbäume. Hinzu kommen Kamelien, Azaleen, Hortensien, Strelitzien und südafrikanische Proteen. Je nach Jahreszeit verändert sich das Bild. Nicht jede Pflanze blüht gleichzeitig, und manche Bereiche leben stärker von ihren Grüntönen als von auffälligen Blüten.
Zu den botanisch wertvollsten Beständen gehört die Sammlung afrikanischer Palmfarne der Gattung Encephalartos. Der Garten nennt mehr als 500 Exemplare aus rund 30 Arten. Einige dieser Pflanzenarten sind in ihren natürlichen Verbreitungsgebieten stark gefährdet. Auch alte Olivenbäume gehören zum Bestand. Sie stammen aus der portugiesischen Region Alqueva und wurden nach Monte gebracht, nachdem an ihren früheren Standorten Veränderungen durch den Bau des großen Stausees bevorstanden.
Die Pflanzen stehen im Monte Palace selten für sich allein. Sie bilden den Hintergrund für Brücken, Steinlaternen, Skulpturen, Fliesentafeln und Wasserläufe. Wer vor allem botanische Beschriftungen und eine systematisch aufgebaute Pflanzensammlung erwartet, findet im Botanischen Garten von Madeira möglicherweise den sachlicheren Zugang. Der Monte Palace setzt stärker auf Atmosphäre und Inszenierung.
Die orientalischen Gärten
Rote Geländer führen durch dichte Vegetation, schmale Brücken überspannen Wasserläufe, und zwischen Farnen und Bäumen erscheinen steinerne Figuren. Die orientalisch gestalteten Bereiche gehören zu den auffälligsten Teilen des Gartens. Ihre Gestaltung greift chinesische und japanische Motive auf. Dazu zählen Pavillons, Buddhafiguren, Steinlaternen, Wächterfiguren und ein marmorner Drache. Die Anlage bildet keinen historischen Garten aus einer bestimmten asiatischen Epoche nach. Sie ist eine europäische Interpretation unterschiedlicher ostasiatischer Gestaltungsideen.
Die starke rote Farbe der Brücken und Geländer setzt sich deutlich vom Grün der Umgebung ab. Gerade diese Kontraste machen den Bereich zu einem der beliebtesten Fotomotive des Monte Palace. An stärker besuchten Tagen kann es auf den schmaleren Wegen allerdings eng werden. Wasser spielt hier eine wichtige Rolle. Kleine Kaskaden, Bäche und Teiche begleiten mehrere Wege. Nach Regen wirkt die Vegetation besonders kräftig, während Pflaster und Treppen schnell rutschig werden können.
Pfauen, Koi und Flamingos
Tiere bewegen sich in weiten Teilen frei durch die Anlage. Besonders häufig begegnet man Pfauen. Neben den bekannten farbigen Tieren leben im Garten auch weiße Pfauen sowie weitere Zuchtformen. Dass einer von ihnen plötzlich auf einem Weg steht oder zwischen den Pflanzen hervorkommt, ist deshalb nichts Ungewöhnliches.
In den Teichen schwimmen große Koi-Karpfen. Am zentralen See leben außerdem Schwäne sowie Mandarin- und Brautenten. Seit 2023 gehören auch mehrere Flamingos zum Tierbestand. Sie sind an der Lagune Poço dos Desejos untergebracht.
Der Monte Palace ist allerdings kein Tierpark. Die Tiere ergänzen das Landschaftsbild, ohne den eigentlichen Schwerpunkt der Anlage zu bilden. Besucher sollten Abstand halten und auf das Füttern verzichten, sofern vor Ort nichts anderes ausdrücklich erlaubt wird.
Azulejos erzählen portugiesische Geschichte
An Mauern und Wegen begegnen Besucher immer wieder bemalten Keramikfliesen. Der Garten besitzt eine umfangreiche Sammlung historischer und moderner Azulejos. Einige Stücke stammen aus ehemaligen Palästen, Kirchen, Kapellen und Privathäusern. Besonders lang ist die Folge von Fliesentafeln, die wichtige Stationen der portugiesischen Geschichte darstellt. Die Bilder reichen von frühen historischen Ereignissen bis in die Neuzeit. Andere Tafeln zeigen religiöse Szenen, Landschaften oder dekorative Muster.
Ein weiterer Bereich widmet sich den Beziehungen zwischen Portugal und Japan. Die Tafeln erinnern unter anderem an die portugiesischen Seefahrer, die im 16. Jahrhundert Japan erreichten, und an den kulturellen Austausch, der daraus entstand. Die Azulejos sind über den gesamten Garten verteilt. Man muss sie nicht vollständig und in einer vorgegebenen Reihenfolge ansehen. Häufig fallen einzelne Tafeln gerade deshalb auf, weil sie unerwartet zwischen Pflanzen, Mauern und Wasserläufen erscheinen.
Afrikanische Skulpturen und zeitgenössische Kunst
José Berardos Interesse an afrikanischer Kunst prägt mehrere Bereiche. Im Garten stehen zeitgenössische Steinskulpturen aus Simbabwe. Viele Arbeiten stellen Menschen, Tiere oder stark vereinfachte Körperformen dar. Die dunklen Steine passen auffallend gut zu den Palmfarnen und dem dichten Grün. Weitere zeitgenössische Werke sind über das Gelände verteilt. Dadurch verändert sich der Charakter des Rundgangs mehrfach. Manche Abschnitte wirken wie ein tropischer Landschaftsgarten, andere wie ein Freilichtmuseum. Wer einen zurückhaltend gestalteten historischen Park erwartet, könnte die Fülle der Formen und Themen als unruhig empfinden. Gerade diese Eigenwilligkeit unterscheidet den Monte Palace jedoch von den klassischen Quintagärten Madeiras.
Das Monte Palace Museum
Am höchsten Punkt des Gartens steht das dreigeschossige Monte Palace Madeira Museum. Der Besuch ist im Eintrittspreis enthalten und wird leicht übersehen, wenn man sich ausschließlich auf die Gartenwege konzentriert. Im Erdgeschoss befindet sich eine Sammlung mit rund 700 Mineralien, Edelsteinen und versteinerten Hölzern aus verschiedenen Teilen der Welt. Große Kristalle und ungewöhnliche Gesteinsformationen werden teilweise so präsentiert, dass ihre natürlichen Entstehungsräume angedeutet werden.
Die beiden oberen Etagen sind der modernen und zeitgenössischen Kunst gewidmet. Die Ausstellung „O Mundo começa aqui!“, auf Deutsch „Die Welt beginnt hier“, zeigt mehr als 200 Arbeiten aus unterschiedlichen Kunstrichtungen. Vertreten sind unter anderem Konstruktivismus, abstrakter Expressionismus und Pop-Art. Zu den genannten Künstlerinnen und Künstlern gehören Joaquín Torres-García, Lourdes Castro und Joana Vasconcelos. Die Sammlung kann sich verändern. Wer wegen eines bestimmten Werks kommt, sollte sich deshalb vorab beim Museum erkundigen.
Ein Stück Laurisilva, aber keine UNESCO-Stätte
Ein Teil des Gartens ist der Laurisilva gewidmet, dem ursprünglichen Lorbeerwald Madeiras. Hier wachsen typische Pflanzen des feuchten immergrünen Waldes, darunter verschiedene Lorbeergewächse und Baumheide. Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Der Monte Palace selbst gehört nicht zum UNESCO-Weltnaturerbe. Die geschützten Laurisilva-Gebiete liegen vor allem im Inselinneren und an den feuchteren Nordhängen Madeiras. Seit 1999 führt die UNESCO diesen natürlichen Lorbeerwald als Welterbestätte.
Steile Wege gehören zum Besuch
Der Monte Palace liegt an einem ausgeprägten Hang. Zwischen dem oberen Museum, dem zentralen See und den tieferen Gartenbereichen liegen deutliche Höhenunterschiede. Der Rundgang führt über Pflasterwege, Treppen, Rampen und schmale Brücken. Für einen vollständigen Besuch sind feste und bequeme Schuhe sinnvoll. Nach Regen können die Wege glatt werden. Auch an warmen Tagen empfiehlt sich eine leichte Jacke, weil Monte kühler und wolkiger sein kann als die Küste von Funchal.
Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollten sich vor dem Besuch beraten lassen. Der Betreiber weist selbst darauf hin, dass die historische Topografie nur begrenzt barrierefrei ist. Barrierefreie Toiletten sind vorhanden. Zusätzlich wird auf einem Teilstück zwischen dem zentralen See und dem Nordeingang eine Fahrt mit einem Trolley angeboten. Sie kostet 5 Euro pro erwachsener Person und Strecke. Der Trolley erschließt jedoch nicht den gesamten Garten. Kinder können den Monte Palace gut besuchen, müssen auf den steilen Wegen, an Treppen und Gewässern aber aufmerksam begleitet werden.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Der Betreiber empfiehlt für den Rundgang etwa eineinhalb bis zweieinhalb Stunden. Das reicht für die wichtigsten Gartenbereiche und einen kurzen Museumsbesuch. Wer sich die Azulejos genauer ansehen, fotografieren und beide Museumssammlungen besuchen möchte, sollte eher drei bis vier Stunden einplanen. Ein enger Zeitplan nimmt dem Garten viel von seinem Reiz. Es lohnt sich, gelegentlich von den Hauptwegen abzubiegen und einen der weniger auffälligen Pfade zu nehmen.
Am Vormittag ist das Gelände häufig angenehmer. Später treffen Seilbahngäste, Reisegruppen und Teilnehmer organisierter Inselausflüge aufeinander. An Tagen mit mehreren Kreuzfahrtschiffen im Hafen von Funchal kann es deutlich voller werden. Ein sinnvoller Rundgang beginnt am Eingang neben der Seilbahn, führt zunächst durch die höher gelegenen Bereiche und anschließend hinunter zu den orientalischen Gärten und zum zentralen See. Das Museum am höchsten Punkt sollte dabei nicht bis kurz vor der Schließung aufgeschoben werden. Für den Rückweg muss erneut bergauf gegangen werden.
Anreise mit Seilbahn, Bus oder Auto
Die beliebteste Anreise erfolgt mit der Seilbahn von Funchal nach Monte. Ihre Talstation liegt am Jardim do Almirante Reis in der Nähe der Altstadt. Die Bergstation befindet sich unmittelbar neben einem Eingang des Gartens. Die Fahrt bietet einen weiten Blick über die Dächer von Funchal und dauert ungefähr 15 Minuten. Das Ticket für die Seilbahn ist nicht im Eintrittspreis des Monte Palace enthalten.
Mit den Buslinien 20, 21, 22 und 48 lässt sich der Garten ebenfalls erreichen. Busse sind günstiger als die Seilbahn, benötigen im dichten Stadtverkehr aber länger. Taxi und Mietwagen sind weitere Möglichkeiten. In der Nähe gibt es einen kostenlosen Parkplatz, dessen Kapazität an besucherstarken Tagen nicht immer ausreicht.
Wer den Besuch mit einer Fahrt im Korbschlitten verbinden möchte, geht nach dem Garten zur Kirche Nossa Senhora do Monte. Dort befindet sich die Abfahrtsstation der Carreiros do Monte. Der Korbschlitten endet in Livramento und fährt nicht bis ins Zentrum von Funchal.












